zurück zur Übersicht

19.12.2019
674 Klicks
teilen

Uni Passau: Der Brexit und die Konfliktlinie nationaler Identitäten

Auch wenn es manch einer nicht mehr hören kann, taucht der Begriff „Brexit“ auch heute noch fast täglich in den Nachrichten auf. Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ist ein umstrittenes politisches Projekt, dessen Umsetzung für zahlreiche Spaltungen innerhalb verschiedenster Parteien und Nationen sorgt. Im Rahmen der Ringvorlesung "30 Jahre Kulturwirtschaft an der Universität Passau - Bestandsaufnahme und Perspektiven“ wurde auf diese Thematik näher eingegangen.

Der Brexit zieht sich schon seit dem EU-Mitgliedschaftsreferendum im Juni des Jahres 2016. Bei einer Wahlbeteiligung von 72,2 Prozent, wobei 51,9 Prozent für den Austritt und 48,1 Prozent für einen Verbleib gestimmt haben, standen unter dem Strich getrennte Wege zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich fest. Kurz darauf trat David Cameron, Befürworter des Verbleibs und früherer Premierminister, zurück und Theresa May wurde Premierministerin.

Die EU stimmte im weiteren Verlauf immer wieder Aufschüben zu, während im House of Commons, dem britischen Unterhaus des Parlaments, zunehmend Uneinigkeit herrscht. Warum die Briten für einen Austritt stimmten, kann man nur erahnen. Umfragen zufolge sollen als Hauptgründe für die Wahlergebnisse der Bevölkerung unter anderem die Angst vor zunehmender Immigration und Terrorismus zählen, größter Grund gegen den Austritt zu stimmen war wiederum die Angst vor einem Einbruch des Handels, wodurch viele Jobs verloren gehen.

Prof. Dr. Bernhard Stahl, Inhaber der Lehrprofessur für Internationale Politik an der Universität Passau, hielt im Zuge der Ringvorlesung "30 Jahre Kulturwirtschaft an der Universität Passau - Bestandsaufnahme und Perspektiven“ am 17.12 einen interessanten Vortrag zu Großbritannien als „awkward partner“. Diesen Namen bekamen sie, weil das Land bereits in der Vergangenheit stets als Bremser einer Vertiefung der Integration auftrat. So sind sie zum Beispiel dem Schengen Abkommen nicht beigetreten und wollten viele Wege der EU nicht mitgehen, weswegen die Grundbeziehung zur Europäischen Union sich schon in der Vergangenheit schwierig gestaltete.

Nach Prof. Dr. Bernhard Stahl war schon der Beitritt des Vereinigten Königreichs damals nicht idealistisch, also durch lange Verhandlungen und die Übernahme vom EU-Kontext, geprägt, sondern gestaltete sich als strategischer Beitritt, welcher als wirtschaftliche Notwendigkeit angesehen wurde.Vortrag von Prof. Dr. Bernhard Stahl an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät

 

Als Grundmodell erklärt der Forscher die diskursgebundene Identitätstheorie. Wir Deutschen haben demnach eine andere Identität und andere außenpolitische Möglichkeiten, weshalb er einen Austritt Deutschlands aus der EU vorerst für ausgeschlossen hält. Die Briten hingegen haben eine andere Identität, die den Austritt ermöglicht und die geografische sowie politische Sonderstellung untermauert. Vergangene Diskurse verbinden dabei die Identität und das nach außen sichtbare Verhalten.

Weiter bezeichnet Prof. Dr. Bernhard Stahl den Brexit in seinem Fazit als „nachholenden Wandel“, weil die Regierung nun den identitären Wandel Großbritanniens exekutieren muss. Dieser hat sich historisch viel früher abgezeichnet und wurde durch das wirtschaftliche Scheitern der Insel in den 1990ern vorbereitet. Vor diesem Hintergrund war das Referendum zum Scheitern verurteilt, zumal keine guten identitären oder argumentativen Ressourcen für den Verbleib zur Verfügung standen. Lediglich zählte die schlechte ökonomische Auswirkung als Argument für einen Verbleib.

Als Aussicht für die Zukunft sagt der Professor eine Transformation des Identitätsproblems voraus. Es werden sich nicht nur zwischen der EU und Großbritannien weitere Probleme herauskristallisieren, sondern auch innerhalb der Labour Party, innerhalb des vereinigten Königreichs aufgrund der schottischen und nordirischen Frage sowie zwischen Großbritannien und der Welt, da der Brexit auch die Beziehungen zu USA, Russland, China, Commonwealth, NATO, UN und weiteren Instanzen verändern wird.

Anknüpfend an diese Zukunftsaussicht beendete Prof. Dr. Bernhard Stahl seinen Vortrag mit den Worten: „By leaving, the identity troubles will remain“.

 


- mr


Universität PassauPassau

Sie möchten Ihren Bericht regional bewerben?

Alle Informationen und Ihren Ansprechpartner finden Sie HIER.


Kommentare

Bitte registrieren Sie sich um hier Kommentare eintragen zu können!
» Jetzt kostenlos Registrieren oder haben Sie Loginprobleme?


Ähnliche Berichte

Digitalisierung an Schulen: SFZ freut sich über neue AusstattungPassau Die Digitalisierung der Schulen in Trägerschaft der Stadt Passau schreitet zügig voran. Mit am weitesten ist das Projekt am Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ) gediehen, das 2018 als Pilotschule bestimmt wurde.Mehr Anzeigen 12.02.2020PD Dr. Wiebke Kurre ist neue Chefärztin der RadiologiePassau Privatdozentin Dr. Wiebke Kurre ist die neue Chefärztin der Radiologie am Klinikum Passau. Damit tritt sie mit sofortiger Wirkung die Nachfolge von Prof. Josef Tacke an, der im Mai 2019 überraschend verstarb.Mehr Anzeigen 06.02.2020Warum Passau bei Studenten so beliebt istPassau Die Universität Passau genießt deutschlandweit einen sehr guten Ruf, und das nicht nur bei Arbeitgebern. Auch die rund 12.000 Studierenden wissen den Campus zu schätzen. Doch warum treibt es immer mehr junge Menschen in die kreisfreie Universitätsstadt? Wir haben einen Blick auf die möglichen Gründe geworfen.Mehr Anzeigen 24.01.2020Charity-Weihnachtsmarkt an der Universität PassauPassau Wie bereits im letzten Jahr, gab es auch diesen Winter wieder einen kleinen Weihnachtsmarkt an der Universität Passau. Das besondere daran: Alle Einnahmen der Teilnehmenden wurden, beziehungsweise werden, an gemeinnützige Gruppen gespendet.Mehr Anzeigen 11.12.2019Podiumsdiskussion über „Fake News“ an der Universität PassauPassau Im Zuge der Digitalisierung hört und liest man zunehmend den Bergriff „Fake News“. Was es genau damit auf sich hat und welche weitreichenden Folgen Falschinformationen im 21. Jahrhundert mit sich bringen, wurde am 05. Dezember während der Podiumsdiskussion unter dem Motto „Fake News? Europa und die USA im Desinformationszeitalter“ an der Universität Passau umfangreich besprochen.Mehr Anzeigen 11.12.2019Demokratie im Bild – Ein Gastvortrag von Dr. Viola HofmannPassau Es kommt nicht selten vor, dass die Universität Passau im Rahmen sogenannter „Ringvorlesungen“ auch Nicht-Studierenden die Möglichkeit bietet, sich akademisch geprägte Vorträge von Professoren, Journalisten oder Politikern anzuhören.Mehr Anzeigen 09.11.2019


Diese Webseite verwendet Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Um die Funktionen unserer Webseite vollumfänglich Nutzen zu können, willigen Sie bitte in deren Nutzung ein.

Mehr Infos: Datenschutz | Impressum

Akzeptieren und schließen
Alle Cookies akzeptieren Cookie-Einstellungen anpassen
Cookie-Erklärung Über Cookies
Notwendig Präferenzen Statistiken Marketing

Notwendige Cookies helfen dabei, eine Webseite nutzbar zu machen, indem sie Grundfunktionen wie Seitennavigation und Zugriff auf sichere Bereiche der Webseite ermöglichen. Die Webseite kann ohne diese Cookies nicht richtig funktionieren.

Name Anbieter Zweck Ablauf
cookieinfoWAIDLER.COMSpeichert die Benutzereinstellungen zu den Cookies.90 Tage
waidler-sessionWAIDLER.COMEindeutige ID, die die Sitzung des Benutzers identifiziert.Session
_gadsGoogleVerwendet von Google für die Werbeplätze und Werbeanzeigen1 Jahr

Präferenz-Cookies ermöglichen einer Webseite sich an Informationen zu erinnern, die die Art beeinflussen, wie sich eine Webseite verhält oder aussieht, wie z. B. Ihre bevorzugte Sprache oder die Region in der Sie sich befinden.

Name Anbieter Zweck Ablauf
waidler-logWAIDLER.COMSpeichert den User-Login mit Auswahl „merken“ im aktuellen Browser für bis zu 30 Tage.30 Tage

Statistik-Cookies helfen Webseiten-Besitzern zu verstehen, wie Besucher mit Webseiten interagieren, indem Informationen anonym gesammelt und gemeldet werden.

Name Anbieter Zweck Ablauf
_gaGoogleRegistriert eine eindeutige ID, die verwendet wird, um statistische Daten dazu, wie der Besucher die Website nutzt, zu generieren.2 Jahre
_gatGoogleWird von Google Analytics verwendet, um die Anforderungsrate einzuschränken1 Tag
_gidGoogleRegistriert eine eindeutige ID, die verwendet wird, um statistische Daten dazu, wie der Besucher die Website nutzt, zu generieren.1 Tag
_gat_<CODE>GoogleWird von Google Analytics verwendet, um die Anforderungsrate einzuschränken1 Tag
_gat_auGoogleWird von Google Analytics verwendet, um die Anforderungsrate einzuschränken1 Tag

Marketing-Cookies werden verwendet, um Besuchern auf Webseiten zu folgen. Die Absicht ist, Anzeigen zu zeigen, die relevant und ansprechend für den einzelnen Benutzer sind und daher wertvoller für Publisher und werbetreibende Drittparteien sind.

Name Anbieter Zweck Ablauf
IDEGoogleVerwendet von Google DoubleClick, um die Handlungen des Benutzers auf der Webseite nach der Anzeige oder dem Klicken auf eine der Anzeigen des Anbieters zu registrieren und zu melden, mit dem Zweck der Messung der Wirksamkeit einer Werbung und der Anzeige zielgerichteter Werbung für den Benutzer.1 Jahr
test_cookieGoogleVerwendet, um zu überprüfen, ob der Browser des Benutzers Cookies unterstützt.1 Tag
ads/ga-audiencesGoogleUsed by Google AdWords to re-engage visitors that are likely to convert to customers based on the visitor's online behaviour across websites.Session
NIDGoogleRegistriert eine eindeutige ID, die das Gerät eines wiederkehrenden Benutzers identifiziert. Die ID wird für gezielte Werbung genutzt.1 Jahr
_fbpWAIDLER.COMWird von Facebook genutzt, um eine Reihe von Werbeprodukten anzuzeigen, zum Beispiel Echtzeitgebote dritter Werbetreibender.3 Monate
VISITOR_INFO1_LIVEYouTubeVersucht, die Benutzerbandbreite auf Seiten mit integrierten YouTube-Videos zu schätzen.179 Tage
YSCYouTubeRegistriert eine eindeutige ID, um Statistiken der Videos von YouTube, die der Benutzer gesehen hat, zu behalten.Session
yt-remote-device-idYouTubeSpeichert die Benutzereinstellungen beim Abruf eines auf anderen Webseiten integrierten Youtube-VideosPersistent
yt-remote-session-appYouTubeSpeichert die Benutzereinstellungen beim Abruf eines auf anderen Webseiten integrierten Youtube-VideosSession
yt-remote-session-nameYouTubeSpeichert die Benutzereinstellungen beim Abruf eines auf anderen Webseiten integrierten Youtube-VideosSession
Einstellungen speichern

Cookies sind kleine Textdateien, die von Webseiten verwendet werden, um die Benutzererfahrung effizienter zu gestalten.

Laut Gesetz können wir Cookies auf Ihrem Gerät speichern, wenn diese für den Betrieb dieser Seite unbedingt notwendig sind. Für alle anderen Cookie-Typen benötigen wir Ihre Erlaubnis.

Diese Seite verwendet unterschiedliche Cookie-Typen. Einige Cookies werden von Drittparteien platziert, die auf unseren Seiten erscheinen.

Sie können Ihre Einwilligung jederzeit von der Cookie-Erklärung auf unserer Website ändern oder widerrufen.

Erfahren Sie in unserer Datenschutzrichtlinie mehr darüber, wer wir sind, wie Sie uns kontaktieren können und wie wir personenbezogene Daten verarbeiten.

Bitte geben Sie Ihre Einwilligungs-ID und das Datum an, wenn Sie uns bezüglich Ihrer Einwilligung kontaktieren.