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11.12.2019
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Podiumsdiskussion über „Fake News“ an der Universität Passau

Im Zuge der Digitalisierung hört und liest man zunehmend den Begriff „Fake News“. Was es genau damit auf sich hat und welche weitreichenden Folgen Falschinformationen im 21. Jahrhundert mit sich bringen, wurde am 05. Dezember während der Podiumsdiskussion unter dem Motto „Fake News? Europa und die USA im Desinformationszeitalter“ an der Universität Passau umfangreich besprochen.

Jede Woche liest man in den Tageszeitungen und Online Medien Überschriften, wie „Scheinwahrheit“ oder „alternative Fakten“. Doch worum geht es dabei überhaupt und inwiefern stimmt es, dass Populisten weltweit immer wieder die Tatsachen verdrehen? Unter anderem mit diesen Fragen beschäftigt sich das Postgraduierten-Forum der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien, welches von Doktorandinnen und Doktoranden des Fachbereichs Amerikanistik an der Universität Passau organisiert wird und unter dem Motto „Challenges of the Post-Truth Era in American Studies“ zu einer Podiumsdiskussion einlud.

Nach der Anmoderation übernahmen die wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexandra Hauke und Thomas Stelzl das Wort und stellten ihren Gästen die erste Frage nach dem zunehmenden Aufkommen von Fake News, woraufhin die Sozialwissenschaftlerin Caroline Jansen erläuterte, dass „Fake News“ aus ihrer Sicht vermehrt zum Thema werden, weil die Digitalisierung es ermöglicht: „Früher blieben Stammtischparolen noch am Stammtisch. Heute verlassen sie diesen und verbreiten sich sehr schnell und stark über das Internet.“.

SPD-Politiker und Rechtsanwalt Christian Flisek fügt in seinen ersten Worten den Begriff der „Echokammern“ hinzu. Der Echokammer-Effekt beschreibt, wie durch ein gleichgesinntes, virtuelles Umfeld in sozialen Netzwerken die Weltansicht zunehmend verengt wird, wodurch es zu wiederholten Bestätigungsfehlern kommen kann. Im Umkehrschluss bedeutet das also, dass das Bedienen zielgruppenspezifischer Kommunikationsräume die Fragmentierung der Gesellschaft beschleunigt.

Nina Horaczek, Chefredakteurin der Wiener Wochenzeitung „Falter“ und preisgekrönte Autorin des Buchs „Populismus für Anfänger: Anleitung zur Volksverführung“, fügt hinzu, dass sie den Begriff der „Fake News“ ungern verwendet, weil sie in ebendiesen keinen Nachrichtenwert sieht. Sie bezeichnet Fake News schlichtweg als „Lügen“. Weiter erläutert die gebürtige Wienerin am Beispiel ihres Heimatlands Österreich, wie abhängig Medien heutzutage von Klickzahlen sind, wodurch gerade Boulevardmedien unter Zugzwang stehen und mit der Zeit gemerkt haben, dass sich Schlagworte mit fragwürdigem Wahrheitsgehalt sehr gut verkaufen.

Der vierte Gast, Johannes Völz, Professor für Amerikanistik an der Goethe Universität Frankfurt, sieht aktuell ein weiteres Problem darin, dass viele Menschen das Gefühl haben, keine Stimme mehr in der demokratischen Gesellschaft zu besitzen und formuliert zudem den Anti-Globalismus als elementaren Bestandteil von Populismus. Nach Christian Flisek braucht es deshalb, und weil gezielte Provokationen der Populisten eine zunehmende Herausforderung für einen Großteil der Parlamentarier darstellen, eine offene Auseinandersetzung mit der Thematik, damit Fake News sich nicht weiterhin zu einem Mittel moderner Kriegsführung entwickeln.

Als einen möglichen Lösungsansatz, um der schier unaufhaltsam wirkenden Verbreitung von Falschinformationen entgegenzuwirken, betonen die Beteiligten der Gesprächsrunde vor allem die Wichtigkeit der gesellschaftlichen und politischen Kommunikation. Zudem sieht der SPD-Politiker die Gesellschaft momentan jedoch in einem kollektiven Wandel, der früher oder später darin enden wird, dass „Leute bereit sein werden, für gut recherchierte und qualitativ hochwertige Medien sowie Berichte wieder Geld zu bezahlen.“

In der abschließenden Fragerunde wollte ein anwesender Zuhörer von den teilnehmenden Fachleuten wissen, warum die Bevölkerung, sowohl aus geschichtlicher als auch gegenwärtiger Sicht, eher einzelnen Personen ihr Vertrauen schenkt, anstatt einer ganzen Partei. Die Frage wurde damit beantwortet, dass eine autoritäre Führungsperson eine entlastende Wirkung auf Menschen hat. Außerdem herrschte geteilte Meinung auf die letzte Frage, ob den Gästen die inflationäre Nutzung des Terminus „Fake News“ allmählich auf die Nerven gehe.


- mr


Universität PassauPassau

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