zurück zur Übersicht

17.07.2022
447 Klicks
teilen

Wiederaufbau des Paul-Friedl-Hauses im Zeitplan

Wie bei bei vielen Baustellen erschweren auch beim Wiederaufbau des Paul-Friedl-Hauses im Freilichtmuseum Finsterau die Lieferzeit von Holz und anderen Baustoffen die Planung. Doch zum Glück waren die Mitarbeiter im Freilichtmuseum so vorausschauend, so dass durch frühzeitige Materialbeschaffung bisher noch keine Verzögerungen aufgetreten sind.

Das war eine gute Nachricht für die Mitglieder des Zweckverbandes niederbayerische Freilichtmuseen in Massing und Finsterau, die sich am Freitag zu einer Sitzung in Finsterau trafen. Museumsleiter Timm Miersch gab Einblick in den Stand der Bauarbeiten. Die Bodenpatte des Paul-Friedl-Hauses wurde bereits 2021 fertiggestellt. Im Frühjahr 2022, nachdem der Schnee abgegangen war, wurde mit dem Einrichten der Baustelle und dem Öffnen der Stapel begonnen, in denen die Hausteile gelagert worden waren. Die Bauelemente der einzelnen Stapel wurden ausgelegt, sortiert begutachtet und die zu ergreifenden Maßnahmen für jedes Bauteil festgelegt.

„Zeitgleich begannen die Maurerarbeiten, die nun vorerst abgeschlossen sind. Diese gehen weiter, wenn das Erdgeschoss durch Auflegen der Decke vollendet ist. Die zwei ersten Blockbau-Wände auf der West- und Südseite bis zur Tür sind bereits errichtet und wieder wettergeschützt verpackt worden“, berichtete Miersch.

Bis zum Wintereinbruch soll das Gebäude komplett errichtet, sowie Schädlingsbekämpfung und Dachdeckung abgeschlossen sein. Über den Winter ist der Beginn des Innenausbaus geplant.

 

Die Mitglieder des Zweckverbandes um den Vorsitzenden Dr. Olaf Heinrich (2.v.r.) besichtigten nach der Sitzung die Baumaßnahme am Paul-Friedl-Haus.
Die Mitglieder des Zweckverbandes um den Vorsitzenden Dr. Olaf Heinrich (2.v.r.) besichtigten nach der Sitzung die Baumaßnahme am Paul-Friedl-Haus.

Zur Geschichte des Hauses:

Das Paul-Friedl-Geburtshaus stammt aus Pronfelden bei Spiegelau, wo es um 1756/1757 als überwiegender Kantholzblockbau mit Ziegelmauerwerk an Nord- und Ostseite errichtet wurde. Die Recherchen ergaben, dass an dem Haus wohl insgesamt fünf Bauphasen auszumachen sind. Nach der Errichtung folgten um 1800 erste Ausbesserungen am Ziegelmauerwerk. Es folgt die dritte Bauphase um 1840/1841, bei der das Kniestockgeschoss zum Vollgeschoss ausgebaut und im Zusammenhang damit auch eine neue Dachkonstruktion angelegt wurde. Zudem wurden Fenster- und Türrahmen eingebaut und der Ofen in der Stube modifiziert. In der vierten Bauphase ab 1900 wurde die Verschindelung der Außenwände und mehrerer Arbeiten am Obergeschoss vorgenommen. Ab der fünften Bauphase, die ab 1959 begann, wurde die Stube des Gebäudes zur Werkstatt umfunktioniert und später, 1979, Abwasseranschluss und Toiletten eingebaut.

Die Restaurierungs- und damit Darstellungszeit des Gebäudes im Freilichtmuseum sollen die 1950er Jahre sein, also kurz vor der letzten Bauphase und der damit verbundenen Umnutzung. Dabei soll der Fokus auf dem maximalen Substanz- und Zeugniswerterhalt liegen.

Zur Person Paul Friedl:

Seinen Namen erhielt das Paul-Friedl-Haus durch seine Funktion als Geburtsort des niederbayerischen Schriftstellers und Heimatforschers Paul Friedl. Der „Baumsteftenlenz“, wie er auch genannt wurde, wurde am 22. Mai 1902 in diesem Haus geboren und war künstlerisch sehr begabt. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er zwei Jahre als Holzschnitzer, doch wegen seiner Sehschwäche gab er die Tätigkeit als darstellender Künstler auf. Bereits mit 17 Jahren trat er als Volkssänger auf und verfasste Erzählungen für bayerische Tageszeitungen. Früh begann er mit dem systematischen Sammeln von mundartlichen Gedichten und Liedern. Sein Ziel war es, das Volksgut des Bayerischen Waldes zu bewahren und in der Welt bekannt zu machen. Vor allem aber machte Friedl immer mehr als Schriftsteller auf sich aufmerksam. Alle seine Romane haben einen historischen Kern. Sein Werk umfasst 32 Heimatromane, 23 größere volkskundliche Werke, 12 Theaterstücke und Weihnachtsspiele, zwei Messen und zahlreiche kleinere volkskundliche Aufsätze. Sein erster Roman Wendl, der Waldhirte erschien 1936.

Das Freilichtmuseum Finsterau hat 2018 das Paul-Friedl-Haus in Pronfelden abgebaut und baut dieses aktuell in Finsterau wieder auf.


- SB


Bezirk NiederbayernLandshut

Quellenangaben

Bezirk Niederbayern

Sie möchten Ihren Bericht regional bewerben?

Alle Informationen und Ihren Ansprechpartner finden Sie HIER.


Kommentare

Bitte registrieren Sie sich um hier Kommentare eintragen zu können!
» Jetzt kostenlos Registrieren oder haben Sie Loginprobleme?


Ähnliche Berichte

Was die Biene alles kann: Ferienprogramm für Kinder im Freilichtmuseum Finsterau am 25. AugustMauth (Finsterau) Was so eine Biene alles kann, erleben Ferienkinder am 25. August von 10 bis 13 Uhr im Freilichtmuseum Finsterau. Dazu besuchen sie das Bienenhaus beim Schanzerhäusl, wo die regen Insekten zu hunderten ein- und ausfliegen.Mehr Anzeigen 18.08.2022 10:00 UhrErweiterung des Nationalparks ist besiegeltMauth (Finsterau) Die Erweiterung wurde bereits im Oktober 2020 – zum 50. Geburtstag des Schutzgebietes – durch Ministerpräsident Markus Söder und Staatsminister Glauber verkündet und war ein Geschenk der Bayerischen Staatsregierung.Mehr Anzeigen 06.07.2022Dem „Baumsteftenlenz“ wachsen FlügelMauth (Finsterau) Lange war es ungewiss, was mit dem denkmalgeschützten Geburtshaus des Heimatschriftstellers Paul Friedl geschehen würde. Über viele Jahre war das über 300 Jahre alte Holzblockhaus, in Pronfelden direkt an der Staatsstraße 2132 von Spiegelau nach Grafenau gelegen, dem Verfall preisgegeben.Mehr Anzeigen 05.12.2021Ein „neuer Herrgott“ im Freilichtmuseum FinsterauMauth (Finsterau) Wo in den 1990er Jahren die SAT-Schüsseln hingen und jetzt die Gleichrichter für die Solaranlagen montiert sind, da schaute vom 19. bis weit ins 20. Jahrhundert ein Herrgott auf die Dorfleute herab. Einige dieser Hauskreuze, die im unteren Bayerischen Wald besonders beliebt waren, gibt es bis heute.Mehr Anzeigen 24.08.2019Sauberkeit im Wandel der ZeitMauth (Finsterau) Bürsten, Besen und Rasierapparat werden auch heute noch genutzt, andere Utensilien zur Reinigung von Körper, Kleidung oder Haus sind hingegen aus den modernen Haushalten verschwunden. Im Freilichtmuseum in Finsterau kann man seit Freitag viele dieser alten Gegenstände wiederentdecken und sich darüber informieren, wie sich Hygiene und Sauberkeit im Laufe der Zeit verändert haben.Mehr Anzeigen 07.06.2019Informationsbesuch im Freilichtmuseum FinsterauMauth Die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Hagl-Kehl, MdB besuchte gemeinsam mit Bürgermeister Ernst Kandlbinder das Freilichtmuseum Finsterau und ließ sich von Museumsleiter Dr. Ortmeier über das geplante Paul-Friedl-Haus informieren.Mehr Anzeigen 12.08.2018