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05.12.2021
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Dem „Baumsteftenlenz“ wachsen Flügel

Lange war es ungewiss, was mit dem denkmalgeschützten Geburtshaus des Heimatschriftstellers Paul Friedl geschehen würde. Über viele Jahre war das über 300 Jahre alte Holzblockhaus, in Pronfelden direkt an der Staatsstraße 2132 von Spiegelau nach Grafenau gelegen, dem Verfall preisgegeben. Mehrere Jahrzehnte scheiterten zahlreiche engagierte Initiativen, eine Sanierung in die Wege zu leiten. Dann endlich Schritt 1 eines Rettungsplans: 2018 wurde das Gebäude fachmännisch abgetragen und für einen Wiederaufbau im Freilichtmuseum Finsterau feinsäuberlich eingelagert.

Vor Monaten genehmigte die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Niederbayerischer Freilichtmuseen unter Vorsitz von Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich den Wiederaufbau des Paul-Friedl-Geburtshauses. In das bemerkenswerte Gebäude – ursprünglich ein Wirtshaus mit Tanzsaal – soll dann ab 2023 wieder Leben einziehen und ein Stück waldlerische Bautradition erhalten bleiben. „Der Wiederaufbau hat begonnen. Darüber freue ich mich sehr. Das Ergebnis wird eine dauerhafte Aufwertung für unser Freilichtmuseum“, ist Heinrich überzeugt. „Und eine großartige Sache“, wie Kreisheimatpfleger und Paul-Friedl-Fan Karl-Heinz Reimeier betont. „Schließlich hat Paul Friedl stets daran appelliert, dass wir Bayerwaldler selbstbewusst zu unserer Geschichte und Kultur stehen“, so Reimeier, der gleich noch sein Lieblingszitat des Schriftstellers anfügt: „Niederbayern sind keine niedern Bayern.“

Bautradition und literarisches Erbe bewahren

Der Schriftsteller und Heimatforscher Paul Friedl (1902–1989), der bis heute als „Baumsteftenlenz“ bekannt ist, prägte mit seinen Romanen der 1950er bis 1970er Jahren nachhaltig das Bild der Menschen, des Lebens und der Bräuche im Bayerischen Wald. An der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert gehörte Friedl zu den wichtigsten und prominentesten Literaten im bayerisch-böhmischen Grenzgebirge. Einen überwiegenden Teil seiner Werke widmete der Autor inhaltlich dem Bayerischen Wald und dem ©umava-Gebiet. Bereits 2018 gründete sich unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Reimeier und Alexandra von Poschinger der „Verein zur Förderung des Literaturhauses Bayerwald-Böhmerwald im Geburtshaus Paul Friedl“, der hier mithelfen will künftig im Freilichtmuseum Finsterau Akzente zu setzen.

Und nun vor wenigen Tagen die nächste freudige Nachricht: Geldmittel der EU ermöglichen weitere Aktivitäten rund um Paul Friedl: Über das Förderprogramm INTERREG V, ein Programm zur Förderung grenzübergreifender Zusammenarbeit von Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik, stellte der Zweckverband Niederbayerischer Freilichtmuseen einen Förderantrag für ein begleitendes Projekt und hatte Erfolg. Maximal 215.271 Euro Fördermittel fließen für das Projekt „Paul-Friedl-Ausstellung“ an den Zweckverband. Hauptziel des Vorhabens ist zum einen, die Biographie von Paul Friedl zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zum anderen erstmals die seinen Werken innewohnende besondere, zum Teil zeitlose Sicht auf die regionalen Kultur- und Naturschätze zu erschließen und heutige Generationen dafür zu sensibilisieren.

Geplant sind u. a. eine zweisprachige Sonderausstellung zu Paul Friedl und seinem Werk mit begleitenden museumspädagogischen Angeboten sowie eine vorbereitende zweisprachige Seminarreihe für Literaturwissenschaftler, Heimatpfleger und Museumsfachleute. Auch soll neben einer zweisprachigen Publikation zur Seminarreihe die grenzübergreifende Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden, um Touristen und Einheimische gleichermaßen zu erreichen.

(v. l.): Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Museumsleiter Timm Miersch und Kulturwissenschaftler Roland Pongratz
(v. l.): Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Museumsleiter Timm Miersch und Kulturwissenschaftler Roland Pongratz

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Die Projektinhalte auf bayerischer Seite sind eingebunden und abgestimmt mit einem Spiegelprojekt auf tschechischer Seite: In der Gemeinde Srní (Rehberg) entsteht parallel ein Dokumentationszentrum für den Schriftsteller Karl Klostermann (1848–1923), den sogenannten „Dichter des Böhmerwaldes“. Als Projektleiter für den Finsterauer Part in den nächsten zwei Jahren wurde bereits der Regener Kulturwissenschaftler Roland Pongratz vom Zweckverband beauftragt, er hatte auch die erfolgreiche Bewerbung um die EU-Fördermittel maßgeblich begleitet. „Für mich ist es eine Ehre, mich mit dem Erbe Paul Friedls beschäftigen zu dürfen. Als Kind habe ich ihn mehrfach bei Veranstaltungen getroffen und seine Volksliedsammlung sowie die volkskundlichen Bücher aus seiner Feder sind mir bestens vertraut.“

Zusammenarbeiten wird Pongratz im Rahmen des Projektes nicht nur mit dem Verein zur Förderung des Literaturhauses Bayerwald-Böhmerwald im Geburtshaus Paul Friedl e. V, sondern auch mit der bayerischen und tschechischen Sektion des Vereins „Karl Klostermann – Dichter des Böhmerwaldes e. V“. Erster Vorstand Ossi Heindl aus Frauenau zeigt sich begeistert von der Initiative: „Es ist fantastisch, wenn hier an einem besonderen Ort wie dem Freilichtmuseum Kräfte gebündelt werden und so die Literatur unserer Region in Vergangenheit und Gegenwart zugänglich gemacht wird.“

Wichtiger Impuls für die Kultur- und Tourismusregion

Auch Bezirkstagspräsident und Vorsitzender des Zweckverbandes Dr. Olaf Heinrich zeigte sich erfreut über die positive Förderzusage: „Das Lebenswerk von Paul Friedl ist zweifellos beachtenswert. Ich freue mich über die Förderung, denn neben dem Wiederaufbau seines Geburtshauses auf dem Gelände des Freilichtmuseums Finsterau ist die Auseinandersetzung mit Friedls literarischem Erbe im grenzübergreifenden Kontext eine spannende Aufgabe. Ohne Frage wird die Umsetzung des Projektes in kollegialer Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Partnern zu einer Aufwertung des Freilichtmuseums Finsterau führen und für die gesamte Kultur- und Tourismusregion einen Mehrwert bringen.“


- SB


Bezirk NiederbayernLandshut

Quellenangaben

Bezirk Niederbayern
Foto: Konrad Obermeier, Freilichtmuseum Finsterau

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