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18.09.2015
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Regionale Kunst und Handwerk: Stefan Simmet, Kunstschmied

Nach 18-jähriger Berufserfahrung, zweijähriger Wanderschaft in England sowie der Mitarbeit bei vielen bekannten Kunstschmieden gründete
Stefan Simmet 2003 seinen eigenen Meisterbetrieb auf dem elterlichen Bauernhof in Stützersdorf bei Tittling. Zahlreiche Kurse bei dem renommierten Kunstschmiedemeister und Professor Alfred Habermann und die Teilnahme am "MASTRO"-Lehrgang im Zentrum für die Denkmalpflege in Venedig runden seine Handwerkskunst ab.

 

Im Gespräch mit WAIDLER.COM berichtet er von der Kunst des Schmiedens.

 

Herr Simmet, was macht einen Schmied aus?

Was das Handwerk betrifft, so arbeite ich nach demselben Grundprinzip wie vor 300 Jahren: Ich brauche eine Esse, also das Schmiedefeuer, und einen etwa 250 kg schweren Amboss, auf dem ich das Metall, das Eisen schlage und der auch als Konter dient. Jeder Schmied lebt vor allem von dem Wissen, das er durch seinen Meister vermittelt bekam, von Erfahrungswerten. Man muss verschiedene Techniken erlernen, wie beispielsweise das Spalten, das Lochen oder das Stauchen.

 

Die Kunden und ihre Bedürfnisse haben sich aber geändert, oder?

Ja, selbstverständlich. Ursprünglich kamen ja vor allem die Handwerker zum Schmied, um sich ihre Werkzeuge von ihm herstellen zu lassen. Individuell angepasste Werkzeuge wie Hammer, Stemmeisen und so weiter. Heute mache ich Werkzeuge nur noch für meinen eigenen Bedarf als Schmied. Aber die sind dann halt auch genau auf mich abgestimmt, für meine Anforderungen optimiert.

 

Wer sind dann heute Ihre Kunden, wer beauftragt Sie?

Heute werde ich hauptsächlich als Kunstschmied beauftragt. Das beinhaltet die Restauration, z. B. das Gitter des Hochbarockportals im Kloster Aldersbach. Und es sind Auftragsarbeiten, das freie Gestalten für Kunden. Das erfordert eine tiefe Vertrauensbasis zwischen Kunde und mir. Da stecken schon mal 50 bis 60 Stunden Vorarbeit drin, die Zeichnung und so weiter bis es zur eigentlichen Schmiedearbeit kommt. 

Priestergrabmal

 

Was auch eine Frage des Budgets ist?

Natürlich ist es auch eine Frage des Budgets. Aber grundsätzlich treibt uns Handwerker ja ein tief verwurzelter Stolz an. Wir wollen uns mit jedem Projekt selbst verwirklichen, eine perfekte Arbeit abliefern. Das kannst du im Vornherein gar nicht so genau kalkulieren. Da ist viel Leidenschaft, viel Herzblut dabei. Aber leider geht das Wissen immer mehr verloren, es gibt kaum mehr Nachwuchs.

 

 Steinmetz

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 


- sh



Quellenangaben

Fotos: Stefan Simmet, Stephen Hahn



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