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08.01.2016
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Regionale Kunst und Handwerk: Hufbeschlag Miedl

Ein sonniger Wintertag auf einem Reiterhof im Bayerischen Wald. Christian Miedl ist mit seiner mobilen Schmiede vorgefahren. Nach einer Ausbildung zum Mechaniker sattelte er um auf Hufschmied. Zwei Jahre ging er mit einem erfahrenen Kollegen in Oberbayern mit, danach folgten sechs Monate schulische Ausbildung in Österreich. Seit drei Jahren arbeitet der 30-jährige aus Rettenbach nun selbstständig.

"Um etwa 300 Pferde kümmere ich mich. Und das in einem Rhythmus von 8 bis 10 Wochen in einem Umkreis von ca. 60 km", berichtet der quirlige Jungunternehmer.

Christian Miedl bei der Arbeit an seiner mobilen Schmiede: Zangen, Feilen, Eisen, einen Ofen, den Amboss ... alles hat der Hufschmied vor Ort dabei.

Traditionell beschäftigt sich der Hufschmied mit dem Beschlag der Hufe mit Eisen. Bevor die Eisen aufgesetzt werden, wird der Huf durch Raspeln und Schneiden vorbereitet. Präzision ist dabei Pflicht. Vier bis acht mm wachsen die Hufe im Monat, je nach Jahreszeit. Dazu kommen das Kürzen und Korrigieren bei Barhufgängern.

"Fußpflege" bei der 19-jährigen Traberin Gina: Ausschneiden, Tragrand korrigieren, Strahl ausschneiden, Eckstreben ausgleichen, Zehen kürzen ...

Die Hufe sind ein sehr sensibler Bereich. Wenn der Schmied ein falsches Eisen aufsetzt oder nur wenige Zentimeter zu viel von den Hufen wegfeilt, kann das Pferd Probleme beim Laufen bekommen. Schmiede sind so etwas wie Pferde-Orthopäden.

Ein erfahrener Hufschmied wie Christian Miedl kann auch bei Stellungsfehlern einiges bewirken. Es gibt so stark ausgeprägte Stellungsfehler, die das Reiten oder selbst das problemlose Leben auf der Koppel eines Pferdes fast unmöglich machen. Wichtig ist, dass der Huf annähernd plan auffußt. Therapeutisch wird er als Schmied tätig, indem er durch das Anbringen spezieller Beschläge den Heilungsprozess
unterstützt. Die Hufrolle kann beispielsweise durch Überlastung erkranken. Dann
erhält sie Unterstützung durch ein geschlossenes Eisen. "Aber als Hufschmied lernst du nie aus", fügt Miedl noch an.

 

 

Wussten Sie ... Warum bringt ein Hufeisen Glück?

Pferde waren in fast jeder Kultur ein Symbol für Kraft und Stärke. Und was Pferde über Wege und durchs Gelände trägt, sah man auch für den Menschen als positiv an. So wurde das von den Römern erfundene Hufeisen zum Glücksbringer. An
Schiffsmasten sollte es für sichere Überfahrten sorgen, an Türbalken Haus und
Hof vor Geistern schützen oder dem Teufel auf den Kopf fallen.

 

 


- sh


Hufbeschlag MiedlGemeinde Thurmannsbang, Reitställe, Schmieden | Thurmansbang

Quellenangaben

Fotos: Stephen Hahn



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