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10.09.2020
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Zu Gast beim Bayerwald Rinderhof in Neudorf

Mit einem lauten „Muh“ werde ich von den 35 Kühen von Florian Götz aus Neudorf begrüßt, als ich den Kuhstall betrete. Alle Kühe stehen gerade in einer Reihe und freuen sich über das frische Heu, das Florians Frau Maria den großgewachsenen, dunkelbraunen Tieren gerade vor ihre großen Nasen schiebt. Ganz neugierig schauen sie mich alle an.

„Alle sind sehr neugierig, interessiert und freundlich. Wir verbringen viel Zeit mit ihnen, sie sind gutmütig und manche können auch gestreichelt werden“, erklärt mir Florian. Die meisten, der im Stall lebenden Rinder, sind Wagyus, manche davon eine Kreuzung mit dem Angus Rind. Diese Gattungen sind eigentlich genau für unsere Bedürfnisse hier am Land abgestimmt: Sie mögen es eher kühler als zu heiß.

Florian hat 2015 den Hof seines Onkels übernommen und wollte ihn weiterführen. Anfangs hat er an den damals bestehenden Hof in L-Form noch angebaut, dann aber bald gemerkt, dass er sich seine Tierhaltung anders vorstellte. 2019 wurde dann der neue Stall gleich nebenan gebaut. „Es ist ein Stall, von dem aus die Kühe 365 Tage im Jahr nach draußen können. Unsere Philosophie ist es, den Tieren, die sich komplett frei im Stall und auf den Weiden bewegen können, ein glückliches Leben zu bieten. Mutter und Kalb – Seite an Seite“, erklärt er mir. Sein Hof ist bio-zertifiziert, gefüttert wird nur mit Gras und Heu.

Die Rinder von Familie Götz sind ganz zutraulich, wie Maria Götz zeigt.
Die Rinder von Familie Götz sind ganz zutraulich, wie Maria Götz zeigt.


Was mich sehr beeindruckt, ist, dass seine Frau und er die Arbeit am Hof ganz alleine stemmen und das auch noch neben ihrer eigentlichen Arbeit. Denn beruflich ist der leidenschaftliche Landwirt bei der Bundeswehr tätig. „Falls ich mal nicht kann, habe ich vier, fünf gute Freunde, auf die ich mich verlassen kann und die uns immer zur Seite stehen“, so Florian dankbar.

Bei dem Besuch merke ich, dass in dem Betrieb sehr viel Herzblut und Fürsorge steckt. Viel Zeit, Kraft und Ausdauer stecken die beiden in den Hof.

Während des Gesprächs beobachte ich ein Rind, das nicht bei den anderen steht, sondern auf der Seite, für die Rinder eigentlich nicht zugänglich. Schmunzelnd erklärt mir Florian: „Das ist Mausi. Sie ist eine Handaufzucht und macht immer schon, was sie will. Sie musste zweimal am Tag mit Milch versorgt werden und das schon vor meiner Schicht in der Bundeswehr. Schon um vier Uhr morgens war die erste Fütterung im Stall.“ Bei Florian hat nicht nur jedes Tier eine Nummer sondern auch einen Namen, so stehen im Stall Hanzo und Mausi neben vielen anderen „Brownies“. Jedes Tier hat seine Eigenschaften und Vorlieben, die Florian und seine Frau nur zu gut kennen.

Das Fleisch der Tiere, das dann verkauft wird, gibt es nur gemischt abgepackt, denn das komplette Tier sollte verwertet werden, nicht nur das Beste. „Das ist man dem Tier schuldig“, findet Florian. Wie ich finde, eine sehr gute Einstellung.

Florian Götz mit einem seiner Rinder.
Florian Götz mit einem seiner Rinder.

 

Genau so viel Herzblut und auch Zeit steckt Florian Götz in die Kampagne „made in FRG“, in der er mit zum Organisationsteam gehört. Unter dem Namen „Landwirtschaft in FRG – Gemeinsam was bewegen“ sollten alle Bereiche und Tätigkeiten der hiesigen Landwirtschaft aufgezählt und erläutert werden. „Denn viele wissen nicht, was alles hinter einer Landwirtschaft steckt und vor allem auch wie Vielfältig es ist und wie viel Arbeit es kostet“, befürwortet Götz die Kampagne.

Ebenfalls sollten die regionalen Produkte aber auch wieder regional vermarktet werden, dass „hinter dem Produkt auch ein Gesicht steht“. Das heißt konkret, dass in den Supermärkten Produkte aus der Heimat vermarktet werden sollten. So zum Beispiel Produkte der Firma Goldsteig, die von unseren Landwirten der Region mit Milch beliefert werden. Der Lebensmittelkonzern REWE hat hier schon seine Unterstützung zugesagt, viele andere sollen folgen.

Foto: Filmbildfabrik

 

An dem Projekt können sich hier natürlich die Landwirte, aber auch Gemeinden und Bürger beteiligen. Das Konzept „Unsere Landwirtschaft bietet mehr als du erwartest“ sollte nach außen getragen werden, egal ob durch Presseberichte, social media oder dem persönlichen Kontakt auf Messen oder Veranstaltungen.

Mehr zum Projekt erfahren Sie auf der Internetseite unter https://www.mehralsduerwartest.de/landwirtschaft/.

„Ich finde die Kampagne sehr wichtig, um den Leuten wieder mehr regionale Produkte anzubieten aber auch die Arbeit der Landwirte zu beleuchten“, verstärkt Florian nochmals seine Meinung zum Projekt.

Immer wieder blickt Florian während des Gesprächs mit einem Lächeln im Gesicht zu seinen Vierbeinern. Sehr zufrieden sehen die Rinder aus, sehr ruhig stehen sie da und genießen, so finde ich, die Freiheit, die ihnen Florian zugesteht.

Nach dem Gespräch wird auch mir klar, wie viel Arbeit, Zeit und Entbehrung hinter der Haltung der Tiere für Familie Götz liegt. Ich bewundere sie für die tolle Arbeit, die sie in die Tiere und den Hof stecken und wünsche ihnen für ihr weiteres Vorgehen viel Glück und weiterhin viel Freude mit den großen dunkelbraunen Vierbeinern.


- CG


Bayerwald RinderhofGrafenau
Serie: Ein Herz für Tiere"Wie groß das Herz eines Menschen ist, können wir daran erkennen, wie er mit Tieren umgeht." In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Tieren im Allgemeinen, als Seelentröster, als Sportpartner.
Serie: RegioMahlIn der Serie RegioMahl berichten wir von regionalen, oft landwirtschaftlichen (Familien-)Betrieben, die ihre Höfe und Läden mit viel Herzblut führen.

Quellenangaben

Titelfoto: Filmbildfabrik
Fotos: Florian Götz
Text: Christina Graf

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