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28.06.2019
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Bewusstsein für die Heimat gibt Halt in einer bewegten Welt

Die historischen Häuser der Region zu erhalten und mit ihnen auch die Erinnerung an die Lebens- und Arbeitsweise der Menschen früher wachzuhalten, ist heute genauso wichtig und wertvoll wie vor 50 Jahren. Bei der Jubiläumsfeier im Freilichtmuseum in Massing am Sonntag wurde dies immer wieder hervorgehoben – zumal dieses Bewusstsein für die eigenen Wurzeln und die Identifikation mit der Heimat gerade in bewegten Zeiten Halt und Orientierung bieten.

Nach der Feldmesse, zelebriert von Pfarrer Klaus-Peter Lehner, begrüßte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich im idyllischen Innenhof des Heilmeierhofes die Ehrengäste, darunter neben Festredner Kultusminister Bernd Sibler, auch Regierungspräsident Rainer Haselbeck, Altbezirkstagspräsident Manfred Hölzlein sowie die ehemalige Landtagsabgeordnete Reserl Sem. Er blickte auf die Entstehungsgeschichte des Museums zurück, die 1965 mit dem Ankauf des Stockhauses von Schusteröder bei Massing und 1969 mit der Gründung des „Niederbayerischen Bauernhofmuseums“ begann.

Das Museum habe sich seither „prächtig entwickelt“, so Heinrich. Nachdem in den Anfangsjahren die Gebäude im Mittelpunkt standen, widmete sich man in den vergangenen 15 Jahren zunehmend der Museumspädagogik – und das mit großem Erfolg. „Wenn wir das Historische bewahren, dann müssen wir es vor allem an die Jüngsten unter uns weitergeben“, betonte der Bezirkstagspräsident, der auf die aktuellen Projekte im Museum verwies: die Integration der Berta-Hummel-Sammlung und die für 2021 geplante Eröffnung des Hafnerhofs.

Das Bewusstsein dafür, dass das Alte nicht wertlos, sondern ein wertvoller Teil der Heimatgeschichte ist, sei nicht selbstverständlich. Es müsse gepflegt und immer wieder deutlich gemacht werden. „Nicht weil wir in Niederbayern rückwärts gewandt wären, sondern weil uns Niederbayern auszeichnet, dass wir uns mit unserer Heimat verbunden fühlen. Das schafft gerade in der heutigen globalisierten und digitalisierten Welt Orientierung und Halt“, so Heinrich. „Und deshalb ist das Freilichtmuseum in Massing auch und gerade nach diesen 50 Jahren ein sehr wertvoller Ort für die Region und ganz Niederbayern.“

Von einem „Niederbayern-Paradies“, das im Museum „g’wachsen is“, sprach Josef Hirl aus Massing. Er trug das Festgedicht vom Ponzauner Wigg vor, das vor 50 Jahren zur Eröffnung entstanden war und hatte es um aktuelle Verse ergänzt. Er stimmte dem Bezirkstagspräsidenten zu mit den Worten: „Wer seine Wurzeln net veracht’ und sich dazua Gedanken macht, der find’t aa im Sturm der Zeit an fest’n Hoit, a Sicherheit.“

Feierten gemeinsam mit Hunderten Gästen im Freilichtmuseum Massing (v.r.): Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl, Staatsminister Bernd Sibler, Landrat Michael Fahmüller, Massings Bürgermeister Josef Auer,  Altbezirkstagspräsident Manfred Hölzlein, die ehemalige Landtagsabgeordnete Reserl Sem, der ehemalige Bezirksrat Dr. Franz Lichtnecker und Regierungspräsident Rainer Haslbeck.Feierten gemeinsam mit Hunderten Gästen im Freilichtmuseum Massing (v.r.): Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl, Staatsminister Bernd Sibler, Landrat Michael Fahmüller, Massings Bürgermeister Josef Auer, Altbezirkstagspräsident Manfred Hölzlein, die ehemalige Landtagsabgeordnete Reserl Sem, der ehemalige Bezirksrat Dr. Franz Lichtnecker und Regierungspräsident Rainer Haslbeck.

 

Dass in den 60er Jahren der Zeitgeist nicht sehr viel anders war als heute, daran erinnerte Festredner Bernd Sibler. Auch damals habe es häufig die Meinung gegeben, „das alte Glump“ einfach abzureißen. Umso wertvoller sei der Erhalt der Denkmäler, dieses „wunderbare Stück bayerischer, niederbayerischer und Rottaler Geschichte“ im Rückblick zu bewerten, so der Staatsminister. Der Erhalt diene vor allem den nachfolgenden Generationen, weshalb es ein schönes Zeichen sei, so Sibler, dass viele Ehrengäste samt Familie zum Festakt gekommen waren.

Ein plötzlicher Regenschauer sorgte dafür, dass die Festrede kürzer ausfiel als geplant, ebenso beschränkte sich Landrat Michael Fahmüller auf das Wesentliche. Das Freilichtmuseum sei sowohl geschichtlich und wissenschaftlich als auch was den Bildungsauftrag angehe, von großer Bedeutung für die Region. „Hier wird vieles wieder erlebbar, etwa wie viel härter als wir es die Menschen damals hatten, aber ich bezweifle, dass sie unglücklicher waren.“

Leichter als heute war hingegen vor 50 Jahren offenbar das Vertragswesen, wie Bürgermeister Josef Auer mit dem Kaufvertrag, den er dabei hatte, bewies. „Nur ein paar Zeilen, jeder Jurist würde das heute zerlegen und wer weiß, ob sich in den Gremien heute so leicht eine Mehrheit für ein Vorhaben dieser Größenordnung fände“, so Auer amüsiert. Er nutzte deshalb die Gelegenheit, allen Mandatsträgern für ihre Unterstützung für dieses „touristische Highlight“ im Westen des Landkreises zu danken. Besonders die gute Zusammenarbeit mit dem Bezirk, dem Hauptträger des Museums, hob er hervor. „Die Zweckverbandssitzungen sind stets von einem vertrauensvollen, freundschaflichten Miteinander geprägt.“ Nachdem der Samen, der 1969 gesät wurde, laut Bürgermeister Auer aufgegangen sei und sich prächtig entwickelt habe, hatte wohl auch der Regen sein Einsehen und ermöglichte es den Festgästen, sich gemütlich beim Mittagessen auszutauschen. Den ganzen Tag über gab es auf dem gesamten Museumsgelände viel zu sehen und entdecken, so dass auch dieser Festtag, genau wie der Eröffnung vor 50 Jahren, noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte.


- sb |


Bezirk NiederbayernLandshut

Quellenangaben

Bezirk Niederbayern
Foto: Nixdorf, Freilichtmuseum



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