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22.05.2019
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Regionales Handwerk: Haferlmacherei Hilgenreith

Sie liebt die Musik und das Reisen, gerade war sie erst drei Monate auf kultureller Erkundungstour in Uruguay. Vor allem aber ist Irmi Bleibinger eine Meisterin ihres Handwerkes. Sie töpfert keltisches Keramik-Gebrauchsgeschirr. Aber auch für viele Spezialaufträge wird die umtriebige Künstlerin aus dem Bayerischen Wald immer wieder engagiert, wie sie im Interview mit WAIDLER.COM berichtet.

 

Welche Ware produzieren Sie in der Haferlmacherei?

Ich bin seit Kindestagen eine leidenschaftliche Musikerin und kam über die Musik zur Mittelalterszene. Auf den Märkten musiziere ich und habe meinen Stand. Deshalb töpfere ich heute vor allem Geschirrkeramik, keltische Mittelalter-Ware in bester Qualität und spülmaschinenfest.

Nehmen wir beispielsweise einen Bierkrug, wie gestaltet sich da der Herstellungsprozess?

Zunächst hole ich mir mal den Rohstoff an einem Weiher in der Nähe von Wasserburg. Der Lehm dort enthält Quarze, die dienen als Hartmacher. Den Lehm muss ich zunächst flüssig machen, sieben und trocknen, um Steine und Äste entfernen zu können. Dann mische ich ihn mit anderen Naturtonen, um ihn drehfähig zu machen. Die Konsistenz entscheide ich nach Gefühl. Einen Bierkrug drehe ich dann etwa fünf Minuten. Danach muss er einen Tag trocknen. Dann verputze ich ihn und füge einen Henkel an. Es folgen drei weitere Tage des Trocknens. Danach wird der Krug bei 900 Grad Celsius vorgebrannt. Ich trage innen und außen eine Glasur auf, die aber nicht zwingend notwendig ist. Abschließend folgt der Glattbrand bei 1.200 Grad Celsius. Dieses Dichtbrennen schafft die Qualität der Ware. Der Ton kann sich nicht mit Flüssigkeit vollsaugen und damit nicht zu schimmeln beginnen.

Sie sind aber nicht nur auf die Mittelalterware spezialisiert ...

... nein, ich mache natürlich auch ganz viele andere Sachen. Gerade habe ich einen eigenen Stil entwickelt, eine Art Marmorierung. Vier verschiedene Tonsorten in einem Objekt vereint. Da habe ich ganz schön lange gebraucht, bis die Technik und somit Optik sowie Qualität gestimmt haben. Man darf den Ton nur von außen auftragen.

Und Sie haben 25 Jahre in Holland gearbeitet.

Genau. In der Töpferei Basalt in Den Haag. Da habe ich Porzellanvasen gedreht. Das erfordert Schnelligkeit und Formsicherheit. Sogar das niederländische Königshaus hat bei Basalt bestellt. Für eine Produktionsfirma habe ich letztes Jahr etwa 20 Objekte aus schwarzem Ton gefertigt. Schüsseln mit geometrischen Mustern, die in Ritztechnik graviert wurden. Die Firma drehte eine Dokumentation zur Jungsteinzeit. Als Vorlage für die Keramiken hatte ich Bilder der Originale bekommen.

Interessant war auch der Auftrag des österreichischen Lehmhausbauers Martin Rauch. Für ihn habe ich 300 Lampen gedreht.

Dann wurden sie mit der Rakubrandtechnik gebrannt. Nach dem Brennen wurden sie in Sägespänen gewälzt, was wunderbare Schattierungen in verschiedenen Farben ergab. Die Lampen wurden später in die Decken der Lehmhäuser eingemauert.

 

Vielen Dank für das Gespräch.


- sh

HaferlmachereiKeramik | Hilgenreith

Quellenangaben

Fotos: Irmi Bleibinger, Stephen Hahn
Text: Stephen Hahn



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