zurück zur Übersicht
25.09.2018
681 Klicks
teilen

Jungforscher nehmen die Gewässer unter die Lupe

Grafenau. 2015 startete der Nationalpark Bayerischer Wald erstmals eine Junior-Forschergruppe. Drei Doktoranten beschäftigten sich bis zum Sommer dieses Jahres mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Wälder. Nun geht die Idee, junge Wissenschaftler mit einem Stipendium gezielt zu fördern, in die nächste Runde. Statt den Wäldern dreht sich aber alles um Gewässer im Nationalpark. Drei Jahre lang werden Jungforscher Informationen rund um den gelösten organischen Kohlenstoff in den Bächen sammeln und aktuelle wissenschaftliche Fragestellungen bearbeiten. Die Kick-Off-Veranstaltung fand nun im Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau statt.
Der gelöste organische Kohlenstoff ist ein Thema, das Forscher Burkhard Beudert schon lange unter den Nägeln brennt. Er ist im Nationalpark zuständig für Hydrologie und betreut in den Themenfeldern „Wasserhaushalt“ und „Chemische Qualität des Wassers“ mehrere Monitoring-Programme. „Im Laufe der vergangenen 40 Jahre sind außerordentlich wertvolle Messdatenreihen entstanden, mit denen sich die Veränderungen im Wasserhaushalt und in der Qualität der Gewässer beschreiben und untersuchen lassen“, so Beudert. Diese Ergebnisse können nun den Doktoranden Katharina Blaurock, Maria Paula da Silva und Nathan Baker bei ihren Forschungen im Rahmen des neuen Projekts von Nutzen sein.
Das Thema, mit dem sie sich beschäftigen, ist laut Beudert sehr komplex. „Der gelöste organische Kohlenstoff ist ein Stoffgemisch aus unzähligen chemischen Verbindungen. Er stammt aus der Biomasse von Pflanzen bzw. Pflanzenteilen. Nach deren Absterben wird er bei der Verrottung in der Humusschicht der Böden und den Mooren freigesetzt. Bei stärkeren Niederschlägen gelangt er dann in die Gewässer.“ In den letzten Jahrzehnten habe sich die Konzentration dieses Stoffes auf der gesamten Nordhalbkugel stark erhöht, auch im Nationalpark. „Die Folge: die Gewässer werden brauner.“
Hypothesen, warum dies so ist, gebe es laut Beudert mehrere. Eine favorisiert den Klimawandel. „Es wird immer wärmer. Dadurch beschleunigt sich die Photosynthese und der Aufbau von Biomasse. Aber je mehr Biomasse gebildet wird, desto mehr wird auch wieder durch Bakterien und Pilze abgebaut. Dabei fällt dann auch mehr gelöster organischer Kohlenstoff an, der wieder in die Gewässer gelangt.“
Eine weitere Hypothese bezieht sich auf den sauren Regen. „Es gibt keinen sauren Regen mehr.“ Dadurch fehlen chemische Verbindungen, die den gelösten organischen Kohlenstoff in den Böden festhalten. Hinzu kommt ein weiterer Ablauf, den Beudert am Beispiel des Rachelsees erklärt. „Kohlenstoffverbindungen können in einem stark sauren Milieu besser abgebaut werden als in einem schwach sauren. Deshalb war der Rachelsee in den früheren Jahrzehnten, also in Zeiten, als es den sauren Regen gab, sehr klar.“ Das heißt im Klartext: „Wir haben die Luftverschmutzung erfolgreich stark reduziert, was nun dazu führt, dass die Gewässer brauner werden.“ Das wäre laut Beudert ein Anzeichen dafür, dass die Ökosysteme zu naturnäheren Bedingungen zurückfinden.

Bei der Kick-Off-Veranstaltung im Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau tauschten sich Forschergruppen aus Bayreuth, Leipzig, Dresden und Gelnhausen mit den Mitgliedern des Große Ohe Forschungsverbunds über Konzepte und erste Maßnahmen im Rahmen der Juniorforschergruppe aus. Erstmals dabei waren die Doktoranden Katharina Blaurock (Bayreuth), Maria Paula da Silva (Leipzig) und Nathan Baker (Gelnhausen) und MasterstudentInnenBei der Kick-Off-Veranstaltung im Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau tauschten sich Forschergruppen aus Bayreuth, Leipzig, Dresden und Gelnhausen mit den Mitgliedern des Große Ohe Forschungsverbunds über Konzepte und erste Maßnahmen im Rahmen der Juniorforschergruppe aus. Erstmals dabei waren die Doktoranden Katharina Blaurock (Bayreuth), Maria Paula da Silva (Leipzig) und Nathan Baker (Gelnhausen) und MasterstudentInnen


Um weiteres Licht ins Dunkel der Ursachen zu bringen, haben sich die Doktoranden und ihre Betreuer einige zentrale Fragen gestellt. Wo in den Einzugsgebieten kommen die gelösten organischen Kohlenstoffverbindungen her? Wie erfolgt der Transport dieser gelösten organischen Kohlenstoffe in die Bäche und Seen während eines Hochwassers? Wie beeinflusst die Konzentration dieser Stoffe die Artengemeinschaften der Fischnährtiere in den Fließgewässern? „Wir hoffen, dass wir bis zum Jahr 2021 Antworten in einigen Bereichen geben können“, so Beudert. Die Jungforscher sind bereits im Gelände und nehmen in den Quellbächen der Großen Ohe mit verschiedenen Techniken Proben. Spätestens ab 2020 geht es dann an die Auswertung.
Zustande kommen konnte dieses Forschungsprojekt nur, weil Burkhard Beudert starke Partner gefunden hat, und zwar den Lehrstuhl für Hydrologie der Universität Bayreuth, das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, die Professur für Hydrologie der Technischen Universität Dresden sowie die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Abteilung Fließgewässerökologie und Naturschutzforschung. „Jedes Institut bringt sein besonderes Know how in das gemeinsame Forschungsvorhaben ein, widmet sich speziellen Fragestellungen und betreut einen jungen Wissenschaftler bei den Untersuchungen.“ Koordiniert und vor Ort unterstützt wird das Projekt vom Sachgebiet Naturschutz und Forschung des Nationalparks. Die Stipendien erhalten die Doktoranden vom deutschen Stiftungszentrum; sie stammen aus Mitteln der Rudolf und Helene Glaser-Stiftung und der Bernhard und Ursula Plettner-Stiftung.
Auch für Prof. Jörg Müller, stellvertretender Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald und Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Forschung, begrüßt dieses Projekt. „Zum einen können so die Ergebnisse, die wir in den letzten Jahrzehnten im Gewässerbereich bei den Monitoring-Programmen erhalten haben, verbessert ausgewertet werden. Und zum anderen unterstützen wir als Nationalpark natürlich sehr gerne die Ausbildung von Jungforschern.“


- sb


Nationalparkverwaltung Bayerischer WaldGrafenau

Quellenangaben

Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald



Kommentare

Bitte registrieren Sie sich um hier Kommentare eintragen zu können!
» Jetzt kostenlos Registrieren oder haben Sie Loginprobleme?

Ähnliche Berichte

Naturschutzwälder tragen zum Klimaschutz beiGrafenau Kann sich Deutschland nutzungsfreie Wälder für den Biotop- und Artenschutz leisten? Diese Frage wird aktuell oft vor dem Hintergrund des Klimawandels diskutiert und muss klar mit einem „Ja“ beantwortet werden.Mehr Anzeigen 16.02.2020Die Schultasche gegen Wanderschuhe getauschtNeuschönau Einen Vormittag lang nicht im Klassenzimmer lernen – sondern draußen im wilden Nationalparkwald. Das durften 273 Schüler der Realschule Grafenau bei einem Aktionstag. In den Nationalparkwäldern zwischen Spiegelau und Mauth waren die Klassen fünf bis sieben unterwegs, um die Vielfalt des Nationalparks kennenzulernen.Mehr Anzeigen 29.07.2019Rindenstreifenmesser ist jetzt im Handel erhältlichGrafenau Das Ausbreiten des Borkenkäfers verhindern aber trotzdem die Artenvielfalt erhalten – dass dies möglich ist, zeigten die Forscher des Nationalparks Bayerischer Wald im Jahr 2016 mit einer wegweisenden Entwicklung.Mehr Anzeigen 13.04.2019Müll aus – Natur anGrafenau Die faszinierende Natur des ältesten deutschen Nationalparks zieht jährlich über eine Million Besucher an. Trotz vielfältiger Informationen der Gäste über die Sensibilität des Schutzgebiets registriert die Nationalparkverwaltung in jüngster Zeit ein verstärktes Abfallaufkommen.Mehr Anzeigen 10.12.2017Von Fledermäusen, Wölfen und StörchenGrafenau Das jährliche Treffen der Commerzbank-Umweltpraktikanten aus dem Nationalpark und dem Naturpark Bayerischer Wald hat schon Tradition. Allerlei tierische Aktivitäten rund um Fledermaus, Wolf und Weißstorch standen diesmal beim Termin in Passau im Fokus.Mehr Anzeigen 11.08.2017Internationale Fernerkundungsexperten im NationalparkGrafenau Im Nationalpark Bayerischer Wald hat man schon einiges an Erfahrung, wenn es darum geht, den Wald aus der Luft genau unter die Lupe zu nehmen. Schließlich sind die Experten hier seit einigen Jahren damit beschäftigt, an Helikoptern befestige Scanner einzusetzen, um die Waldstruktur zu untersuchen.Mehr Anzeigen 09.08.2017

Diese Webseite verwendet Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Um die Funktionen unserer Webseite vollumfänglich Nutzen zu können, willigen Sie bitte in deren Nutzung ein.

Alle Cookies akzeptieren Cookie-Einstellungen anpassen
Cookie-Erklärung Über Cookies
Notwendig Präferenzen Statistiken Marketing

Notwendige Cookies helfen dabei, eine Webseite nutzbar zu machen, indem sie Grundfunktionen wie Seitennavigation und Zugriff auf sichere Bereiche der Webseite ermöglichen. Die Webseite kann ohne diese Cookies nicht richtig funktionieren.

Name Anbieter Zweck Ablauf
cookieinfoWAIDLER.COMSpeichert die Benutzereinstellungen zu den Cookies.90 Tage
waidler-sessionWAIDLER.COMEindeutige ID, die die Sitzung des Benutzers identifiziert.Session
waidler-hashWAIDLER.COMPrüfsumme zur eindeutigen ID, die die Sitzung des Benutzers identifiziert.Session
_gadsGoogleVerwendet von Google für die Werbeplätze und Werbeanzeigen1 Jahr

Präferenz-Cookies ermöglichen einer Webseite sich an Informationen zu erinnern, die die Art beeinflussen, wie sich eine Webseite verhält oder aussieht, wie z. B. Ihre bevorzugte Sprache oder die Region in der Sie sich befinden.

Name Anbieter Zweck Ablauf
waidler-logWAIDLER.COMSpeichert den User-Login mit Auswahl &bdqup;merken“ im aktuellen Browser für bis zu 30 Tage.30 Tage

Statistik-Cookies helfen Webseiten-Besitzern zu verstehen, wie Besucher mit Webseiten interagieren, indem Informationen anonym gesammelt und gemeldet werden.

Name Anbieter Zweck Ablauf
_gaGoogleRegistriert eine eindeutige ID, die verwendet wird, um statistische Daten dazu, wie der Besucher die Website nutzt, zu generieren.2 Jahre
_gatGoogleWird von Google Analytics verwendet, um die Anforderungsrate einzuschränken1 Tag
_gidGoogleRegistriert eine eindeutige ID, die verwendet wird, um statistische Daten dazu, wie der Besucher die Website nutzt, zu generieren.1 Tag
_gat_<CODE>GoogleWird von Google Analytics verwendet, um die Anforderungsrate einzuschränken1 Tag
_gat_auGoogleWird von Google Analytics verwendet, um die Anforderungsrate einzuschränken1 Tag

Marketing-Cookies werden verwendet, um Besuchern auf Webseiten zu folgen. Die Absicht ist, Anzeigen zu zeigen, die relevant und ansprechend für den einzelnen Benutzer sind und daher wertvoller für Publisher und werbetreibende Drittparteien sind.

Name Anbieter Zweck Ablauf
IDEGoogleVerwendet von Google DoubleClick, um die Handlungen des Benutzers auf der Webseite nach der Anzeige oder dem Klicken auf eine der Anzeigen des Anbieters zu registrieren und zu melden, mit dem Zweck der Messung der Wirksamkeit einer Werbung und der Anzeige zielgerichteter Werbung für den Benutzer.1 Jahr
test_cookieGoogleVerwendet, um zu überprüfen, ob der Browser des Benutzers Cookies unterstützt.1 Tag
ads/ga-audiencesGoogleUsed by Google AdWords to re-engage visitors that are likely to convert to customers based on the visitor's online behaviour across websites.Session
NIDGoogleRegistriert eine eindeutige ID, die das Gerät eines wiederkehrenden Benutzers identifiziert. Die ID wird für gezielte Werbung genutzt.1 Jahr
_fbpWAIDLER.COMWird von Facebook genutzt, um eine Reihe von Werbeprodukten anzuzeigen, zum Beispiel Echtzeitgebote dritter Werbetreibender.3 Monate
VISITOR_INFO1_LIVEYouTubeVersucht, die Benutzerbandbreite auf Seiten mit integrierten YouTube-Videos zu schätzen.179 Tage
YSCYouTubeRegistriert eine eindeutige ID, um Statistiken der Videos von YouTube, die der Benutzer gesehen hat, zu behalten.Session
yt-remote-device-idYouTubeSpeichert die Benutzereinstellungen beim Abruf eines auf anderen Webseiten integrierten Youtube-VideosPersistent
yt-remote-session-appYouTubeSpeichert die Benutzereinstellungen beim Abruf eines auf anderen Webseiten integrierten Youtube-VideosSession
yt-remote-session-nameYouTubeSpeichert die Benutzereinstellungen beim Abruf eines auf anderen Webseiten integrierten Youtube-VideosSession
Einstellungen speichern

Cookies sind kleine Textdateien, die von Webseiten verwendet werden, um die Benutzererfahrung effizienter zu gestalten.

Laut Gesetz können wir Cookies auf Ihrem Gerät speichern, wenn diese für den Betrieb dieser Seite unbedingt notwendig sind. Für alle anderen Cookie-Typen benötigen wir Ihre Erlaubnis.

Diese Seite verwendet unterschiedliche Cookie-Typen. Einige Cookies werden von Drittparteien platziert, die auf unseren Seiten erscheinen.

Sie können Ihre Einwilligung jederzeit von der Cookie-Erklärung auf unserer Website ändern oder widerrufen.

Erfahren Sie in unserer Datenschutzrichtlinie mehr darüber, wer wir sind, wie Sie uns kontaktieren können und wie wir personenbezogene Daten verarbeiten.

Bitte geben Sie Ihre Einwilligungs-ID und das Datum an, wenn Sie uns bezüglich Ihrer Einwilligung kontaktieren.