Wer durch die Tore des Tierheims in Schwandorf geht, wird sofort vom geschäftigen Treiben der Bewohner empfangen: Hunde bellen, Katzen maunzen und Menschen lachen. Kein Wunder, bei 21 Hunden, 30 Katzen und 13 Hasen ist immer was los.
Jeden Tag entstehen neue Erlebnisse, neue Geschichten. Jana Nießen, zweite Vorsitzende des Vereins, erinnert sich an Peppels. Vor zwei Jahren hat sie den Hund bei sich zuhause aufgenommen. Der körperlich stark geschädigte Peppels "war so eine reine Seele" erzählt die zweite Vorsitzende des Tierheimvereins heute immer noch voller Emotionen.
Das zeigt, dass hier mit Herzblut jedem Tier unter die Pfoten gegriffen wird- sei es der Hund mit Beißvorfall oder eine Katze mit typischen Krankheiten von Streunern.

Hündin Mina ist bei Besuchern noch zurückhaltend.
Gutes tun hat seinen Preis
Streunerkatzen sind ein großes Problem und es werden immer mehr. Bei ständig steigender Zahl der jährlichen Würfe-mittlerweile sind es bis zu 4 pro Jahr-bringt das die Tierheime an ihre Grenzen.
Für die Eindämmung der Streuner stellt die Gemeinde Schwandorf jährlich 30.000 Euro zur Verfügung. Doch bereits jetzt, Anfang März, musste die Hälfte des Geldes für deren Kastrationen eingesetzt werden.
Wilde Katzen werden nach Kastration wieder an ihren vorherigen Ort ausgesetzt. Zutrauliche Katzen können nach zwei Wochen Quarantäne vermittelt werden. Doch auch hier sind die Kosten kaum von der Abgabepauschale gedeckt.
Impfungen, Futter, Medikamente, Kastration- in jedem gesunden Tier steckt viel Zeitaufwand und hohe Kosten. Unterstützt durch Ehrenamt, Spenden und den Mitgliedschaftsbeiträgen werden alle Herausforderungen gestemmt. "Ohne die Gemeinschaft ist es nicht möglich. Auf gar keinen Fall" betont Jana Nießen.
Gibt etwa die Katzenmutter keine Milch, muss alle zwei Stunden mit der Flasche gefüttert werden-Tag und Nacht. Nicole Schmidl, erste Vorsitzende des Tierheimvereins, zieht solche Fälle ohne zu zögern bei sich Zuhause auf.

Entspannt können es die Katzen im Tierheim angehen.
Warum Tiere im Heim landen und wie man es vermeidet
Streuner, Abgaben, illegal gehandelt- jeder tierische Bewohner hat ein gewisses Päckchen zu tragen. In unserer Gegend werden regelmäßig Beißvorfälle abgegeben. Das Tierheim hilft gerne, eine alternative Lösung zu finden - durch Beratung oder Unterstützung bei der Vermittlung. "Das ist alles eine Sache von Management" verspricht Jana Nießen.
Das Tierheim Schwandorf bietet auch aus diesem Grund für Interessierte an, als Gassigänger erste Erfahrungen mit Hunden zu sammeln. Essentiell ist es zu lernen, Grenzen zu setzen. Welpen zum Beispiel muss beigebracht werden, allein sein zu können. Mit einer Mitgliedschaft von jährlich 15 Euro für Jugendliche und 30 Euro für Erwachsene plus einer internen Schulung kann man mit den Hunden spazieren gehen.
Dies beugt ein großes Problem vor: falsche Erwartungen an den Hund. Die Einteilung in sogennante Listenhunde erweckt den falschen Eindruck, dass allein dies zum qualifizierten Hundebesitzer reicht. Hier geht es aber nur um die Genetik der Rasse. So haben Schäferhunde beispielsweise einen starken Beschützerinstinkt. Dennoch liegt es am Halter mit Wissen, Zeit und einem guten Plan den Hund konsequent zu erziehen. Gelingt dies nicht, endet das häufig im Tierheim- als problematischer Hund. In Niedersachsen ist man schon einen Schritt weiter, ein Hundeführerschein ist Pflicht.

Das Zimmer nachtsüber für die Hunde.
Ablauf einer Vermittlung
Entscheidet man sich für eine Aufnahme, kann ein Termin vereinbart werden. Im Gespräch wird klar ausgesprochen, was von dem gewählten Vierbeiner zu erwarten ist: Soll die Katze Freigänger sein oder doch lieber Stubentiger? Eine alte, ruhige Katze oder junger Wirbelwind?
Bei Hunden spielen Themen wie Kinder im Haus, Berufstätigkeit und Hundeerfahrung eine Rolle. Auch ein Plan B bei z.B. Urlaubsfahrten ist abzuklären.
Oft folgt ein gemeinsamer Spaziergang. In manchen Fällen darf das Tier probeweise mit nach Hause genommen werden. Bei Zustimmung allerseits kann dann wenige Tage später die Vermittlung abgeschlossen werden.

Die Katzenquarantäne- dringend notwendig um die anderen Tiere vor Krankheiten zu schützen.
Illegale Transporte aus dem Ausland
Leider wird dem Tierheim oft "in den Rücken gefallen". Der illegale Tierhandel wird zwar verpönt, trotzdem ist es aufgrund des "unschlagbaren" Preises ein florierendes Geschäft. Die Folgen sind gravierend. Abseits der Mutter wachsen diese Hunde ohne jegliche Hygiene und Impfungen in Zwingern auf. Krankheiten wie hochansteckendes Parvovirose werden dadurch nach Deutschland gebracht. Für den leidenden Hund gibt es auch nach unzähligen Tierarztbesuchen oft keine Rettung mehr. Doch hier wird bis jetzt nicht gehandelt.
Geldbußen von bis zu 25.000 Euro sind für die "Züchter" keine Schmerzen, werden die Kosten beim nächsten Wurf vielfach wieder eingebracht. Dem Käufer droht Strafe von bis zu 10.000 Euro. Seriöse Züchter und Tierheime hingegen sind immer beim Veterinäramt gemeldet.
Genug essen, trinken, soziale Kontakte mit Mensch und Tier, Auslauf und keine Gewalt- das Tierheim ist für geschädigte Tiere oftmals ein Schlaraffenland.
Registrations-, Impf- und Chippflicht sind aber in Zukunft unentbehrlich. Strengere Kontrollen an den Grenzen, internationale Zusammenarbeit und stärkere Bestrafungen würden die Arbeit der Tierheime immens erleichtern. Was aber das eigentliche Ziel ist: Tiere sind Lebewesen und sollten nicht als Sachbeschädigung im Gesetz und den Köpfen mancher Menschen verankert sein.

Die Katzen freuen sich über jeden Besucher.
Willst auch du dich für Hunde, Katzen und Co. einsetzen: am 22. März 2026 von 11-16 Uhr ist im Tierheim Schwandorf ( Am Sollring 11, 92421 Schwandorf) Tag der offenen Tür. Dort können auch Infos zur neu entstehenden Jugendgruppe erhalten werden.

Tierschutzverein Stadt und Landkreis Schwandorf e.V.