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16.12.2022
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Landestheater Niederbayern spielt Händels Oper „Rinaldo“ im Fürstbischöflichen Opernhaus in Passau

Barocke englische Operntradition überrascht, verwundert und begeistert das Publikum mit Händels Zauberoper um die Kreuzzüge, und wird mit tosendem Applaus belohnt.

 

Das Stadttheater liegt am südlichen Steilhang des Passauer Domberges, direkt am Inn. Im 17. Jahrhundert wurde das Gebäude für ein beliebtes spanisches Hallenballspiel erbaut und erlebte in seiner wechselvollen Geschichte viele Pächter. Vom anspruchsvollen Musentempel stieg es ab zu einem mittelmäßigen Theater, in dem Varietés und schlechte Inszenierungen gegeben wurden. Heute ist das Fürstbischöfliche Opernhaus ein liebesvoll restauriertes und modernisiertes Kleinod der Theaterszene mit 350 Sitzplätzen. Es dient für Oper, Operette, Musical, Konzert und Schauspiel, und ist Sitz der Musiktheaterabteilung und feste Spielstätte des Landestheaters Niederbayern.

 

Der Zuschauerraum - von Gerhard Bauer-Schmitz
Der Zuschauerraum - von Gerhard Bauer-Schmitz

 

Darum geht es in Rinaldo: Ritter gegen Zauberin. Gut gegen böse. Christlich gegen muslimisch.

Während der Kreuzzüge steht der christliche Ritter Rinaldo (Sabine Noack), der tapferste Ritter des Heeres, kurz vor dem Sieg gegen die Sarazenen. General Goffredo (Juliane Wenzel) verspricht: wenn es Rinaldo gelingt, Jerusalem einzunehmen, bekommt er seine Tochter Almirena (Emely Fultz) zur Frau.

Auf der anderen Seite steht Argante (Miroslav Stričević), der muslimische König von Jerusalem und der möchte, mit Hilfe der Zauberin Armida (Ina Yoshikawa), die Übernahme der heiligen Stadt in letzter Minute verhindern.

 

 

Die Figur der Zauberin Armida, die mit übernatürlichen Mächten im Bunde steht und einen christlichen Ritter von seiner Mission abbringt, war zu Händels Zeiten ein beliebter Opernstoff. Der Krieger gerät in die Fänge einer zauberhaften Frau und vergisst inmitten des Zwiespalts von Liebe und Ruhm seine Pflicht. Erst mit Hilfe von außen und einem christlichen Gegenzauber kann er in die Realität zurückgeholt werden.

Im 18. Jahrhundert:

Für den Komponisten Georg Friedrich Händel wurde Rinaldo (1711) in London zu einem glänzenden Startschuss seiner Karriere im Vereinigten Königreich.

Während der Uraufführung, konnte das Londoner Haymarket Theatre bereits, dank der, für die damalige Zeit, modernster Bühnentechnik, mit spektakulären Effekten aufwarten. Schiffe wurden versenkt und Städte erobert, Sirenen und Zauberer trieben ihr Unwesen.

„Händel setzte bei der Komposition der Arien auf eine unmittelbare musikalische Verständlichkeit der emotionalen Situation auch ohne ein genaues Verstehen des Textes“, so die Musikwissenschaftlerin Silke Leopold. „Hierzu dienten ihm vor allem die Tanzrhythmen und die Tonarten. Beides war dem Opernpublikum aufs Intimste vertraut, denn sowohl das Tanzen als auch das Musizieren gehörte so selbstverständlich zum Bildungskanon deren, die in die Oper gingen, wie Lesen und Schreiben.“

 

 

Aufführung im Landestheater Niederbayern:

2022 verwendet Videokünstler und Barockmusikexperte Kobie van Rensburg für seine Inszenierung von Rinaldo modernste Bluescreen-Technik, um die barocke Ästhetik lebendig werden zu lassen.

Dafür wird die Bühne in der Horizontale zweigeteilt. Unten agieren die Sänger in ihren Kostümen vor blauem Hintergrund und werden von verschiedenen Kameras live gefilmt. Oben erscheinen sie zeitgleich in Großaufnahme in einer virtuellen Realität, die Händels Zauberoper mit Leben und Action füllt.

Fliegende Teppiche, weiße Haie und reitende Heerscharen lassen sich so problemlos darstellen.

 

 

Für alle Besucher, die mit dieser spezifisch englischen Tradition, die auf surreale Handlungsmomente und spektakuläre Bühneneffekte setzt, keine Erfahrung haben, mag es anfangs ungewohnt und an einigen Stellen dilettantisch in der Umsetzung wirken. In Zeiten, da mit Hilfe von Computeranimation fast alles möglich ist, erinnern die Bilder samt Untertitel an Filme aus den 80er Jahren.

Während Musiker und Sänger ihr Publikum verzaubern, zeigen Applaus und Gelächter nach und nach, dass das Publikum angekommen ist. Etwa wenn Goffredo um sein Leben schwimmt und hinter ihm der weiße Hai auftaucht …

 

 

Am Schluss gibt es tosenden Applaus für Musik, Gesang und Spielfreude, und viel Gesprächsstoff für die Premierenfeier oder den Nachhauseweg.

Spielzeiten, Programm und weitere Infos entnehmen Sie bitte:  https://www.landestheater-niederbayern.de


- SB



Quellenangaben

Text: Dagmar Isabell Schmidbauer
Fotos: Peter Litvai
Bildrechte beim Landestheater Niederbayern

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