zurück zur Übersicht
01.02.2016
2697 Klicks
teilen

RegioMahl: Biohof Scherm

Ludwig Scherm züchtet auf seinem Biohof in Höllmannsried, 750 m hoch im Bayerischen Wald gelegen, eine alte Landrasse: das Schwäbisch Hällische Landschwein, eine stark gefährdete Haustierrasse. Und er achtet nicht
nur auf eine biologisch-ökologische Aufzucht, sondern vor allem auch auf eine artgerechte, schonende Tierhaltung.

Herr Scherm, wie viele Schweine halten Sie zur Zeit?

Der Bestand auf unserem Hof liegt aktuell bei knapp 80 Schweinen. Bei der Haltungsart haben wir uns für eine Mischung aus Auslauf und Weidehaltung entschieden. Das bedeutet, die Tiere haben Sommer wie Winter jederzeit Zugang zum Außenbereich. Während der Vegetationszeit halten sich die Schweine hauptsächlich auf der Weide auf. Eine weitere Besonderheit unseres Betriebes ist die so genannte Familienhaltung, bei der die Schweine nicht getrennt aufgezogen werden, sondern alle Tiere, vom Ferkel mit ca. 1,5 kg bis zum Eber mit ca. 350 kg, ganz natürlich in einer Rotte zusammenleben.

Gewähren Sie uns noch ein paar Einblicke, was macht Ihre Schweinezucht besonders?

Die Tiere leben wie in der Natur im normalen Temperaturbereich der Jahreszeiten, lediglich durch ein Dach über dem Kopf geschützt gegen die in der Region zum Teil extremen Witterungsverhältnisse. Im Stall haben die Schweine einen selten eingesetzten Lehmboden. Natürlich wird der verdichtete Boden je nach Witterung mit Stroh und Heu eingestreut. In den Sommermonaten und bei guter Witterung bevorzugen die Schweine offenes Liegen auch auf der Weide. Die Weide ist rund um die Uhr für die Schweine begehbar, welche insgesamt ca. 10.000 m² umfasst.

Der Hofeigene Brunnen liefert sowohl für die Tränke als auch für die Suhle frisches Wasser. Während die Schweine im Sommer ihr Futter über die Weidefläche weitgehend eigenständig aufnehmen, wird auch im Winter zweimal täglich im Freien gefüttert. Zwei Stallbereiche stehen den Muttersauen zum Abferkeln zur Verfügung, in denen sich Mutter und Ferkel frei bewegen können. Im langsamen Übergang werden dann die Ferkel in die Herde integriert. Die Ferkel werden nicht abgesetzt, d. h. die Jungtiere werden nicht abrupt nach ca. 21 Tagen von der Mutter getrennt und separat aufgezogen, sondern dürfen säugen bis der Milchfluss stagniert oder die Mutter es verbietet. Eine Besonderheit ist auch, dass der Eber zu jeder Tages- und Nachtzeit bei der Herde ist und dadurch Familienanschluss hat. Außerdem werden in unserem Betrieb weder die Zähne der Ferkel abgeschliffen, noch wird deren Schwanz kupiert.

Womit füttern Sie Ihre Schweine?

Während der Sommermonate ernähren sich die Schweine bis zu 80% vom Gras der speziellen Schweineweide aus niedrig wachsenden, saftigen Gräsern mit einem hohen Kleeanteil. Je nach Anzahl der Tiere und Weidezustand wird eine spezielle Getreidemischung zugefüttert, besonders für säugende Muttertiere ist dies wichtig. Durch Anlegen von Wurmnestern und der Möglichkeit zum Wühlen werden nahezu alle Nähr- und Mineralstoffe aufgenommen. Im Frühjahr und im Herbst erfolgt ein der Witterung angepasster Übergang zum Winterfutter aus Kartoffeln, Rüben, Karotten, Kraut, Erbsen, Gerste, Weizen und Silage. In dieser Zeit erfolgt bei Bedarf der Einsatz von ca. 1% Mineralfutterzusatz. Auch verwenden wir – soweit zu erhalten, bezahlbar und und in ökologischer Qualität verfügbar – Obst, Molkepulver aus dem Lebensmittelbereich, Sonnenblumenkerne, Bierhefe oder sonstige Leckereien, um unser Futterangebot möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Heu und Stroh kommen aus Naturschutzgebieten, die weder gedüngt noch mit chemischen Mitteln behandelt werden.

Die Art der Haltung wirkt sich sicher auch auf das Fleisch aus, oder?

Ja, natürlich. Das Fleisch der Schwäbisch Hällischen Landschweine ist sehr hochwertig. Es zeichnet sich auch durch einen vergleichsweise hohen Fettanteil aus.

Verkaufen Sie auch Sauen an andere Züchter?

Ja. Die meisten Abnehmer sind kleinere regionale Betriebe, die 2-4 Ferkel pro Jahr für den Eigenbedarf aufstellen. Es gibt allerdings auch größere Abnehmer, die bis zu 40 Ferkel pro Jahr zur Aufzucht aufstellen und mit dem Fleisch den Endverbraucher sowie die Gastronomie beliefern. 

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 


- sh



Quellenangaben

Fotos; Stephen Hahn



Kommentare

Bitte registrieren Sie sich um hier Kommentare eintragen zu können!
» Jetzt kostenlos Registrieren oder haben Sie Loginprobleme?

Ähnliche Berichte