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19.08.2020
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„Es war ein Erlebnis und ein echter Gewinn“

Seine Anfänge im Deutschen Alpenverein hat Walter Schweitzer bereits mit 18 Jahren gemacht, damals noch in der DAV-Sektion Kaufbeuren im Allgäu. Aufgewachsen in Oberstdorf und Kaufbeuren hat der gebürtige bayerische Schwabe schon immer eine Affinität zu den Bergen gehabt – „klar, im Winter war das Skifahren ein Muss. Das kann man als Bub, der in Oberstdorf aufwächst, einfach. Ansonsten habe ich mir die Berge eher von unten angesehen, da meine Eltern keine Bergsteiger waren“, erinnert sich Schweitzer an seine Kindheit. Die Begeisterung für die Höhe hat er erst als Abiturient erfahren und dann verstärkt mit seinem Eintritt in die Alpenvereinssektion des Universitätssportclubs im Rahmen seines Studiums in München. „Seit dieser Zeit war ich dann wirklich regelmäßig in den Bergen, Sommer wie Winter, habe sämtliche Kletter- und Gletscherkurse gemacht. Skifahren konnte ich ja schon ganz passabel, auch Skitouren bin ich gegangen und meine ersten 3-Tausender in den Ostalpen.“

„Ehrenamt ist eine Chance“

Im Jahr 1978 erhielt Schweitzer einen Ruf auf den Lehrstuhl für Statistik an die neu gegründete Universität Passau, deren Präsident er dann von 1997 bis 2012 war. „Es ist ja auch ein Stück weit Integration in die neue Heimat, wenn man sich im Rahmen der Dinge, die man gerne betreibt und die einem Spaß machen, engagiert“, begründet der leidenschaftliche Bergsteiger seinen Beitritt zur DAV-Sektion Passau – übrigens gemeinsam mit seiner Frau. „Wir sind jetzt seit 50 Jahren verheiratet und sie ist heuer 50 Jahre Mitglied – man könnte meinen, ich habe es ihr zur Bedingung für die Heirat gemacht“, lacht Schweitzer.

Am 14. Juli 2020 übergab Prof. Dr. Walter Schweitzer (rechts) das Amt des 1. Vorsitzenden der Sektion Passau des DAV kommissarisch an Lothar Schramm (links). Schweitzer war 25 Jahre Vorsitzender des Passauer Alpenvereins.Am 14. Juli 2020 übergab Prof. Dr. Walter Schweitzer (rechts) das Amt des 1. Vorsitzenden der Sektion Passau des DAV kommissarisch an Lothar Schramm (links). Schweitzer war 25 Jahre Vorsitzender des Passauer Alpenvereins.


Von Beginn an hat er sich aktiv in das Sektionsleben vor Ort eingebracht, war oft und gern gesehener Gast in der Geschäftsstelle, auch um sich Führer und Kartenmaterial auszuleihen. Dennoch kam es für Schweitzer sehr überraschend, als er vor 25 Jahren vom damaligen Ehrenvorsitzenden Otto Peppel angesprochen wurde, sich für das Amt des 1. Vorsitzenden zur Verfügung zu stellen. „Darüber muss man natürlich erst einmal einige Tage nachdenken.“ Die Antwort war jedoch schnell gefunden: „Schließlich war es für mich auch die Gelegenheit, ein Stück weit das zurückzugeben, was mir die Gesellschaft all die Jahre gegeben hat. Ein Ehrenamt ist immer auch eine Chance und dann auch noch in einem solch bedeutenden Verein – daher habe ich zugestimmt.“

DAV-Sektion Passau ist stetig gewachsen

Bereits 1869 gegründet, ist der DAV mit seinen heute rund 1,3 Millionen Mitgliedern der größte Bergsportverein der Welt. Dennoch möchte Walter Schweitzer betonen: „Die Berge quellen keinesfalls über. Auch wenn das Wandern und Bergsteigen derzeit in Mode ist, so finden sich zahlreiche Plätze, an denen man völlig alleine ist und die besondere Atmosphäre genießen kann.“  Die DAV-Sektion Passau hat über viele Jahre hinweg durchschnittlich sogar deutlich höhere Mitglieder-Zuwächse als der Dachverein erfahren – sicherlich auch in den wegweisenden Kooperationen mit der Kletterhalle im oberösterreichischen Freinberg und neuerdings der Boulderhalle in Passau begründet. „Vor allem junge Menschen und die Studierenden in Passau schätzen diesen Verbund.“                                                  

In den 25 Jahren Vorsitz von Walter Schweitzer habe sich die Sektion grundlegend verändert und weiterentwickelt: „Das Vereinsleben hat mit heute 7300 Mitgliedern eine Größe erreicht, die es erfordert, dass wir eben auch hauptamtliche Mitarbeiter*innen anstellen mussten – allein aus dem Ehrenamt heraus ist die Arbeit nicht mehr zu bewältigen.“

Der Gipfelsammler Walter Schweitzer nimmt auch gerne „einfachere“ Ziele ins Visier: 2019 bestieg er das Mosermandl  (2680 m) im Zederhaustal, Lungau.Der Gipfelsammler Walter Schweitzer nimmt auch gerne „einfachere“ Ziele ins Visier: 2019 bestieg er das Mosermandl  (2680 m) im Zederhaustal, Lungau.


Persönlich will sich der ehemalige Vorsitzende nichts auf die Fahnen seiner Amtszeit schreiben: „Das Team ist alles, allein ist man gar nichts. Man braucht Menschen, die sich engagieren und solche hatte ich immer an meiner Seite.“ Dennoch sei für das letzte Vierteljahrhundert sicherlich eines charakteristisch für die Sektion Passau: Die hohe Bautätigkeit bei den beiden Hütten in den Loferer und Leoganger Steinbergen, seit 1888 Arbeitsgebiet der Sektion Passau. So mussten aufgrund von Behördenauflagen und äußeren Einflüssen immer wieder gewaltige Maßnahmen in Angriff genommen werden: Begonnen 1999 mit dem Bau einer biologischen Kläranlage auf der von-Schmidt-Zabierow-Hütte bis hin 2017 zur Fertigstellung eines Anbaues mit Schlafräumen auf der Passauer Hütte. Allein auf der Passauer Hütte wurden seit 2012 fast 2 Millionen Euro in die umweltgerechte Verbesserung der Wasser- und Abwasserversorgung und Energiegewinnung investiert. „Diese Projekte haben wir auch genutzt, um allgemein infrastrukturelle Verbesserungen auf den Hütten zu erzielen. Beispielsweise haben wir die Hütten-Küchen erweitert und modernisiert.“ Auch in die sektionseigene Schauhöhle, die Lamprechtshöhle bei Lofer, habe man kräftig investiert – das Sorgenkind des ehemaligen Vorsitzenden: „Besonders mit dem Hochwasserereignis 2015 in unserer Höhle habe ich wirklich Blut geschwitzt. Da hat man als Vorsitzender teils schlaflose Nächte. Das war wirklich sehr belastend, auch weil wir anfangs nie wussten, wie sich die Lage vor Ort genau darstellt, ob vielleicht sogar Personenschaden entstanden ist. Das war eine schwierige Situation, die Gott sei Dank gut ausgegangen ist.“ Auch als es um anstehende Wechsel der Pächter auf den Hütten und im Höhlengasthaus ging, hat Schweitzer keine einfachen Zeiten durchlebt – „man weiß halt vorher nie, ob es auch tatsächlich passt.“ Inzwischen weiß er: Es hat gepasst!

Baumaßnahmen und Betrieb der Hütten und der Höhle sind das Eine, das Vereinsleben, die Mitglieder, die Organisation und Verwaltung sind das Andere, das einen Sektionsvorsitzenden beschäftigt: So war es ihm besonders wichtig, den Mitgliedern ein umfassendes Kurs- und Tourenprogramm anzubieten, das stets eine große Resonanz erfahren hat. Frauen und Männer der Sektion qualifizierten sich in anspruchsvollen Ausbildungsgängen des DAV zu Fachübungsleitern in den verschiedenen Bergsportdisziplinen, um ihr Wissen und Können an die Sektionsmitglieder in Kursen weiterzugeben oder als Tourenleiter*innen viele Mitglieder in die Berge zu führen. Schweitzer ist froh, dass es in all den Jahren keine tödlichen Unfälle bei diesen sektionsinternen Veranstaltungen gegeben hat. Legendär sind auch die alljährlichen Ehrungen für langjährige Mitglieder, die er besonders gerne moderierte. „Dies waren immer festliche Veranstaltungen, bei denen stets renommierte Volksmusikgruppen für einen musikalischen Genuss sorgten.“ Wenn dann zum Schluss – auf seinen Wunsch hin – die „Bayerwaldhymne“ „Mia san vom Woid dahoam“ angestimmt wurde, sang er mit Begeisterung mit und die textkundigen Jubilare ließen sich dadurch ebenfalls mitreißen.

Walter Schweitzer am Gipfel des Ulrichshorns (2155 m) in den Loferer Steinbergen. Dort sitzt der ehemalige Vorsitzende quasi vor „seinen“ Leoganger Steinbergen.
Walter Schweitzer am Gipfel des Ulrichshorns (2155 m) in den Loferer Steinbergen. Dort sitzt der ehemalige Vorsitzende quasi vor „seinen“ Leoganger Steinbergen.


Für Walter Schweitzer sind rückblickend die letzten 25 Jahre ein großes Erlebnis und ein echter Gewinn gewesen. „Ich durfte viele tolle Menschen kennenlernen und es hat viel Freude gemacht. Jetzt weiß ich aber den Verein in guten Händen und bin daher auch nicht traurig das Zepter weiterzureichen.“ Walter Schweitzer wünscht seinem Nachfolger Lothar Schramm, dem er bei Bedarf gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen werde, alles erdenklich Gute. Schließlich könne man nach 25 Jahren dem Verein nicht einfach den Rücken kehren – „ich habe mich für einzelne Projekte angeboten und bereits die Aufgabe bekommen, das neue Jahresprogrammheft wieder mitzugestalten. „Das mache ich natürlich gerne“, schmunzelt Schweitzer.

Die 1.000 Gipfel sind voll!

Er hat nicht vor das Bergsteigen aufzugeben:  Nach wie vor ist er viel und gerne in den Bergen unterwegs, auch auf anspruchsvollen Skitouren im Winter und  Hochtouren im Sommer, oft aber nur auf „einfachen“ Bergtouren, am liebsten in „seinen“ Loferer und Leoganger Steinbergen. „Ja, man wird von Jüngeren mittlerweile schon überholt, aber das muss man eben schlucken oder einfach eine halbe Stunde früher losgehen.“ Als ehemaliger Statistikprofessor habe er natürlich auch eine Gipfelstatistik geführt: „So bin ich im vorletzten Winter extra in die Tauern gefahren und habe mit dem Stubacher Sonnblick meinen tausendsten Gipfel erklommen“, lacht Schweitzer. Er habe zahlreiche klangvolle Namen in seiner Statistik und könnte viel von seinen persönlichen Erfolgen erzählen: Die großen Viertausender in den Westalpen und die Dreitausender in den Ostalpen – viele hat er mitgenommen. „Ein Highlight war mit Sicherheit die Dachstein-Südwand und auch meinen Lieblingsberg, den Großvenediger, habe ich von allen Seiten bestiegen, insgesamt sicherlich sieben oder acht Mal.“ Sicher wäre da noch der eine oder andere Traum offen: „Am Biancograt in der Bernina bin ich zwei Mal wegen Materialproblemen bei den Bergschuhen und wegen Schlechtwetter gescheitert, jetzt habe ich das Vorhaben bei Seite geschoben. Es gibt auch noch andere lohnende Ziele.“

Im Jahre 2007 durchquerte Walter Schweitzer die Monte Rosa in der Schweiz und bestieg u.a. auch die Zumsteinspitze (4563 m).
Im Jahre 2007 durchquerte Walter Schweitzer die Monte Rosa in der Schweiz und bestieg u.a. auch die Zumsteinspitze (4563 m).


Schon seit jeher sei das Bergsteigen für Schweitzer Meditation gewesen. Es ist die Konzentration auf den Weg, die das Aufsteigen zum Ziel so besonders macht. „Man kann sich komplett auf eine Sache konzentrieren und ich habe beim Bergsteigen schon so manche Probleme gelöst.“ Außerdem gehöre auch immer etwas Mut dazu, bei entsprechenden Verhältnissen umzudrehen. „Und natürlich ist man am Ende des Tages ein wenig stolz, wenn man sein Ziel erreicht hat.  Nun ist er auch als 1. Vorsitzender der DAV-Sektion Passau sozusagen „an seinem Ziel“ angekommen und blickt berechtigt mit ein wenig Stolz auf diesen Weg zurück.


- sb


Sektion Passau des DAV e.V.Passau

Quellenangaben

medienkollektiv blumenseele PR
Stefanie Starke

DAV-Sektion Passau



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