Infos & Tipps: Notfälle bei Freizeitaktivitäten in Mittelgebirgen und im Alpenraum

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03.08.2020
Freyung
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Die Planung einer Wanderung im heimatlichen Bayerwald oder einer Bergtour im alpinen Gelände ist normalerweise mit einer gewissen Vorfreude verbunden. Wer denkt da schon ernsthaft an die Möglichkeit eines Unfalls oder einer akuten Erkrankung während der Tour.

Aber natürlich ist uns allen klar, dass wir von solchen unangenehmen Ereignissen überrascht werden könnten – hoffentlich nicht als selbst Betroffener, vielleicht aber als Zeuge und Hilfeleistender. In derartigen Situationen ist es gut, wenn man nicht völlig unvorbereitet ist und die richtigen Maßnahmen einleiten kann.

Unfälle oder akute Erkrankungen (z.B. ein Herzinfarkt), die sich im unwegsamen oder alpinen Gelände ereignen, bringen gewisse Besonderheiten mit sich:

Die Zeitspanne, die bis zum Eintreffen der Rettungsmannschaft vergeht, ist naturgemäß wesentlich länger als bei Notfällen im besiedelten Raum oder im einfachen Gelände – jedenfalls dann, wenn die Rettung bodengebunden stattfindet. Wird dagegen ein Rettungs-hubschrauber eingesetzt, kann die Rettungs- und Transportzeit meist enorm verkürzt werden. Im unwegsamen Gelände gibt es aber oft keine Landemöglichkeit für Hubschrauber. Dieses Problem lässt sich umgehen, wenn der Hubschrauber über eine Rettungswinde verfügt; mit dieser werden Retter und ggf. Notarzt zum Patienten abgelassen, dieser wird dann nach medizinischer Versorgung zum Hubschrauber hochgezogen und zum nächsten geeigneten Krankenhaus geflogen.

Allerdings ist nur ein relativ geringer Teil der Hubschrauber mit Rettungswinde ausgestattet. Außerdem ist nicht überall ein Windeneinsatz möglich, z.B. im dichten Wald oder in engen, tiefen Schluchten. Abgesehen davon sind Hubschraubereinsätze generell von den Wetter- und Sichtbedingungen abhängig; bei widrigen Verhältnissen bleibt nur die bodengebundene Rettung mit entsprechend erhöhtem Zeitaufwand. Für solche Einsätze verfügt die Bergwacht über besondere Transportmittel (Gebirgstrage, Ackja) und geländegängige Spezialfahrzeuge. Damit ist die Bergwacht quasi der „verlängerte Arm“ der Rettungsdienste im schwer zugäng-lichen Gelände, insbesondere in Bereichen mit Absturzgefahr. Wenn ein Hubschrauberein-satz möglich ist, so wird dieser von der Bergwacht unterstützt. Ein großer Teil der aktiven Einsatzkräfte trainiert daher regelmäßig Luftrettungsverfahren inklusive Einsätze mit der Rettungswinde.

Wie soll man sich nun verhalten, wenn es beim Wandern oder Bergsteigen zu einem Zwischenfall kommt? Die Bergwacht empfiehlt, folgende Maßnahmen in der angegebenen Reihenfolge durchzuführen:

 

Was tun, wenn was passiert? 

  • Ruhe bewahren und einen Überblick über die Situation verschaffen.
  • Ggf. sofortige Bergung aus einem Gefahrenbereich (z.B. Steinschlagzone in alpinem Gelände). Einschränkung: Niemand ist verpflichtet, sein eigenes Leben für die Rettung anderer Personen zu riskieren.
  • Lebensrettende Sofortmaßnahmen (z.B. Schocklagerung, Wiederbelebungsversuche)
  • Notrufnummer 112 wählen (bei Anwesenheit mehrerer Helfer parallel zu den Sofort-maßnahmen). Beim Telefonieren nicht drauflosreden, sondern auf die gezielten Fragen von Seiten der Rettungsleitstelle antworten. Der Leitstellendisponent führt durch das Gespräch. Handy keinesfalls ausschalten, sondern auf eventuelle Rückfragen seitens der Rettungsleitstelle oder der Bergwacht warten!
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen: z.B. Wundverband, Schutz vor Hitze bzw. Kälte, angepasste Lagerung, evtl. provisorische Schienung bei Verletzungen der Extremitäten, psychische Betreuung und ständige Überwachung.
  • Ist ein Rettungshubschrauber im Anflug, sollte man dessen Besatzung durch geeignete optische Signale auf sich aufmerksam machen (z.B. Winken mit einer Jacke, Auslegen eines Biwaksackes). Achtung: Bevor der Hubschrauber zur Landung ansetzt, müssen alle losen Gegenstände, die vom Rotorwind aufgewirbelt werden könnten (z.B. Kleidungsstücke), sicher verstaut oder beschwert werden! Auf keinen Fall dürfen irgendwelche Gegenstände in den Haupt- oder Heckrotor gelangen! Nicht zum Hubschrauber hingehen, so lange nicht alle Rotoren stillstehen. Annäherung an den Hubschrauber – wenn überhaupt - immer nur im Sichtbereich des Piloten.

 

Ergänzung zu Punkt 4.:

Nie ohne Handy auf Tour gehen! Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass draußen im Gelände nicht überall ein Netz verfügbar ist. Bei Touren im Alpenraum kann man bei fehlender Verbindung auf das alpine Notsignal zurückgreifen: 6 x pro Minute ein akustisches oder optisches Signal (z.B. Trillerpfeife, Taschenlampe) – 1 Minute Pause – laufende Wiederholung. Wenn es vertretbar ist, die verletzte bzw. erkrankte Person allein zu lassen, um Hilfe zu holen, kann das sinnvoller sein, als bei fehlendem Handynetz das alpine Notsignal abzusetzen und auf Antwort zu warten; das gilt besonders für Zwischenfälle in einsameren Regionen.

Möglichst genaue Ortsangaben sind für die Rettungsmannschaft äußerst hilfreich und verkürzen die Zeit bis zu deren Eintreffen am Notfallort. Wenn man sich anhand einer Routenbeschreibung (Wanderführer, Internet etc.) und mit Hilfe einer topographischen Karte gut vorbereitet hat, weiß man während der Tour normalerweise, wo man sich gerade befindet und kann somit ausreichend genaue Angaben machen. Im Idealfall hat man ein GPS-Gerät dabei und kann der Leitstelle oder der Bergwacht die Koordinaten durchgeben. Auch Google-Maps auf dem Handy kann weiterhelfen.

Ein schwerer Unfall oder eine ernsthafte akute Erkrankung ist für die Ersthelfer natürlich mit erheblichem Stress verbunden – gerade im unwegsamen Gelände, wo man nicht damit rechnen kann, dass innerhalb weniger Minuten professionelles Rettungspersonal eintreffen wird. In einer derartigen belastenden Situation kann ein Laienhelfer Erste-Hilfe-Maßnahmen nur dann korrekt und zielgerichtet durchführen, wenn er optimal darauf vorbereitet ist. Eine sehr gute Möglichkeit, sich auf diesem Gebiet „fit zu machen“, bietet eine Ausbildung zur Bergwacht-Einsatzkraft. Hier werden u.a. notfallmedizinische Grundkenntnisse vermittelt, die weit über das Niveau üblicher Erste-Hilfe-Kurse hinausgehen (bis hin zur Notarzt-Assistenz). An dieser Stelle möchte die Bergwacht Wolfstein ein bisschen Werbung in eigener Sache machen:

Sind Sie ein(e) Outdoor-Sportler(in), der/die zu allen Jahreszeiten gerne draußen ist und möchten Sie fundierte, erweiterte Kenntnisse in Erster Hilfe erwerben?

Dann könnte eine aktive Mitgliedschaft in der Bergwacht für Sie interessant sein!

Wenn Sie nähere Informationen wünschen, z.B. zu den Aufgaben der Bergwacht oder zu den Einzelheiten der Ausbildung, wenden Sie sich bitte per Mail an christian.kerschbaum@bergwacht-wolfstein.org


- ER


Bergwacht WolfsteinBergwacht WolfsteinMauth

Quellenangaben

Bergwacht Wolfstein
Bildupload: Erich Rosenberger

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