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20.07.2020
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„Was ist los im Wald?“

Seit nunmehr 5 Jahren ist Gudula Lermer zuständig für den Forstbetrieb Neureichenau der Bayerischen Staatsforsten. Damit kennt sie die heimischen Wälder in- und auswendig – mit dem erschreckenden Fazit: Der Wald hat sich stark verändert. „Bei den Bürgern ist dies leider noch nicht angekommen. Wir müssen die Menschen mehr mitnehmen und ihnen erklären, wie schlecht es den Wäldern geht“, macht Lermer in einem Austausch mit den CSU-Landtagsabgeordneten Prof. Dr. Gerhard Waschler und Max Gibis deutlich.

Doch was ist los im Wald? Seit dem Sturm Kolle im Sommer 2017 gehe praktisch nichts mehr seinen normalen Gang im Wald. „Seither bewegt sich alles auf den Straßen durch den Wald: Harvester, Lastwagen, Bagger, Walzen – womit wiederum die Wege komplett hinüber sind. Wir sind hier nur am Nach- und Aufarbeiten. Das kostet Geld, Kraft und Geduld, letzteres bringen die Bürger leider wenig auf“, so Lermer gegenüber den Abgeordneten. Unter normalen Umständen bereite man die Forstwege in einem Revier jährlich mit bis zu 500 Tonnen Schotter auf – „Mittlerweile sind wir in einem der hauptbetroffenen Reviere bei 9.000 Tonnen angekommen. Das sind 450 Lastwagen voll mit Schotter – das ist unvorstellbar. Wir benötigen starke Tragschichten, um mit den scheren Geräten überhaupt noch in die Wälder zu kommen.“ Sturm, Schadholz, Käfer – man drehe sich im Kreis und komme mit den Aufräum- und Instandssetzungsarbeiten nicht mehr nach. Die Forststraßen waren für diese Beanspruchung nicht vorbereitet. „Wir haben 28 Unternehmereinheiten, die von Woche zu Woche in andere Einsatzgebiete gesteuert werden. Heißt: Wir sind schnell am Käfer dran und auch sehr schlagkräftig, können aber nicht überall gleichzeitig sein.“ Dies wiederum sorge für großen Ärger in der Bevölkerung. „Teilweise müssen sich die Forstmitarbeiter von Waldbesuchern, Touristen und Freizeitsportlern sogar beschimpfen lassen“, bedauert Gudula Lermer. Gerade der Zustand vieler Forstwege, mit groben, großen Schottersteinen versehen, sorge für viel Aufregung. „Wir verstehen die Menschen, die sich beschweren, dass sie nicht mehr bequem laufen können, aber Forststraßen sind unser Arbeitsplatz und dienen der Forstwirtschaft und sind grundsätzlich erstmal gesperrt“, so Lermer weiter zur Rechtslage. Natürlich sei die freie Natur für jedermann offen zu betreten, jedoch nicht für organisierte Gruppen.
„Hierfür gibt es Wege – Wanderwege, Pfade, Radwege, die übrigens auch extra als solche ausgewiesen sind.“ Auch Forststraßen seien zur Freizeitnutzung möglich.
„Man darf natürlich im Wald Spazierengehen, muss aber mit waldspezifischen Gefahren rechnen.“ Grundsätzlich bemühe sich das Forstamt um eine entsprechende Besucherlenkung im Wald, denn nicht jedem Bürger sei verständlich zu erklären, worum es bei der Waldarbeit eigentlich gehe. In diesem Zusammenhang schlagen die Abgeordneten vor, beispielsweise Social-Media-Kanäle für eine Kommunikation mit dem Bürger zu nutzen – „wir werden uns hier mit dem Landwirtschaftsministerium in Verbindung setzen, die Problematik erläutern und uns nach zusätzlichen Kapazitäten für den Bereich Kommunikation, beziehungsweise Marketing erkundigen“, so MdL Max Gibis. „Je besser die Bürger von und über die Maßnahmen in den Staatsforsten informiert werden, umso mehr kann man für Geduld und Verständnis werben“, will auch MdL Waschler nochmals betonen.

(v.l.) MdL Max Gibis, Gudula Lermer von den Bayerischen Staatsforsten und MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler.(v.l.) MdL Max Gibis, Gudula Lermer von den Bayerischen Staatsforsten und MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler.


Ernüchternd gestalte sich der gesamte Holzmarkt in Bayern. „Das ist zum Weinen“, weiß auch MdL Max Gibis aus seiner Erfahrung als Waldbesitzer. Die Thematik belaste die Waldbauern und sorge gehörig für Verzweiflung. „Wir sind mittlerweile Holzimportland – und das in Bayern“, will Lermer in diesem Zusammenhang nochmals betonen. Einzig und allein die Sägewerke würden in diesen Zeiten massiv profitieren.

„Der Rohstoff braucht ein neues Image. Immerhin einer der edelsten Rohstoffe und auch noch zur energetischen Verwertung ideal geeignet – auf dem Bau, für Möbel und zur Energienutzung. Deswegen müssen Waldbesitzer für ihr Produkt wieder etwas bekommen“, sind sich die Abgeordneten Waschler und Gibis einig. Hier müssten sämtliche Instanzen und Akteure auf dem Markt zusammenhelfen, um die Problematik in den Griff zu bekommen. „Eine Möglichkeit wäre die Aufstockung von Nasslager- Kapazitäten, wie es beispielsweise auch bei unseren Nachbarn in Oberösterreich praktiziert wird“, gibt Lermer den Abgeordneten mit auf den Weg.


- sb



Quellenangaben

Abgeordnetenbüro
Walter Taubeneder, MdL
Prof. Dr. Gerhard Waschler, MdL
Foto: Stefanie Starke

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