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16.04.2020
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Ein Brief von Herzen

Caritas-Mitarbeiter des Zentrums für Arbeit und Beschäftigung stellen ehrenamtlich ihre Freizeit für Senioren und Seniorinnen in COVID-19-Zeiten zur Verfügung.

Es gibt Menschen, die arbeiten mit dem Kopf. Es gibt Menschen, die sind handwerklich gefordert. Und es gibt Menschen, die nicht nur mit den Händen und dem Köpfchen arbeiten, sondern mit noch etwas mehr - Herzenswerker eben … Diese Menschen sind in dieser Krisenzeit besonders gefragt, denn sie können aus der Not wirklich eine Tugend machen. Indem sie sich für andere einsetzen und ganz naheliegende Lösungen für das erschwerte soziale Miteinander finden.

Barbara Wolf, Fachgebietsleitung im Caritas Zentrum für Arbeit und Beschäftung (ZAB), Barbara Wolf, Fachgebietsleitung im Caritas Zentrum für Arbeit und Beschäftung (ZAB), "Motor" der Aktion Herzensbriefe.


Eine dieser Herzenswerker ist Barbara Wolf (37). Die gelernte Pädagogin und Diplom-Kauffrau hatte sich immer für andere eingesetzt: „Das war immer schon so. Schon von klein auf. Ungerechtigkeit, Intoleranz und Hilflosigkeit konnte ich nie tatenlos gegenüber stehen!“ Dass dies Wolf letztendlich zu einem großen Wohlfahrtsverband geführt hatte – naheliegend. Ihre Einsatzgebiete: Die Jugendhilfe im „Lebensraum Schule“ (Offene Ganztagsschule und Jugendsozialarbeit an Schulen) und im Ausbildungsprojekt „Aktion Jugend und Beruf“ (AJB). Darüber hinaus ist Barbara Wolf die Chefin des „Zentrum für Arbeit und Beschäftigung“ (ZAB) der Caritas, das arbeitstherapeutische Projekte und ein Tageszentrum für Menschen mit psychischer Erkrankung oder Suchtproblematik beherbergt. Ziemlich viel zu tun, die vielen Einrichtungen und Projekte durch die schwierigen COVID-Zeiten zu bringen, denn die Caritas-Einrichtungen mussten aufgrund der Pandemie vorübergehend alle schließen: Hausaufgaben via Mail für die Lehrlinge der AJB müssen entwickelt werden. Verständnisfragen seitens der Auszubildenden wollen telefonisch beantwortet werden. Ebenso sollen die Betreuten des Tageszentrums zu Hause nicht allein gelassen werden. Die ZAB – Mitarbeiterinnen organisierten daher eine Betreuung per Telefon und Vidoechat und entwickelten eine Beschäftigungsmappe mit Rätseln & Co., die über Email oder durch das Hinterlegen an der Haustür funktioniert. Aber auch die laufenden Aufträge im arbeitstherapeutischen Projekt – vom Pflanzen für den städtischen Auftraggeber bis hin zum Konfektionieren von Bauteilchen für den nahen Wohnmobilhersteller – wollen fristgerecht und qualitativ hochwertig abgeliefert werden. Nicht von den Klienten, denn die müssen zuhause bleiben, sondern vom ganzen „Caritas-Rudel“ – von der Chefin, der Bürofachfrau bis hin zu den Handwerksmeistern.

Und doch blieb da eine Sequenz offen: „Wir spüren Tag für Tag, wie die Isolation unseren Klienten zusetzt“, die ZAB-Chefin. „Aber was ist mit all denen, die nicht in ein großes Netzwerk eingebunden sind. Vor allem die – wenn auch gesundheitlich notwendige - Isolation unserer Landkreisbürger in den Heimen wollte ich einfach nicht so stehen lassen!“

Sebastian malt fleißig einen Gruß an für die vielen Opas und Opas in Seniorenheimen: sein Kunstwerk wird eingescannt und vor Ort dann ausgedruckt und verteilt.Sebastian malt fleißig einen Gruß an für die vielen Opas und Opas in Seniorenheimen: sein Kunstwerk wird eingescannt und vor Ort dann ausgedruckt und verteilt.


Da es für den Träger ihrer Einrichtungen, dem Kreis-Caritasverband Freyung-Grafenau diesbezüglich keine finanziellen Spielräume gibt – ergriff die junge Grafenauerin selbst die Initiative. Sie gründete die ehrenamtliche Aktion „Herzensbriefe“: Handgeschriebene Briefe werden jeden Tag an die Seniorenheime – nicht nur die der Caritas - über Email geschickt. „Wir wollten ja das Infektionsrisiko auf null halten!“ Auch selbstgemalte Bilder der Kinder von Mitarbeitern des Lebensraums Schule sind der täglichen elektronischen Post als „Zuckerl“ beigelegt.

Mit dem ersten „Herzensbrief“ ging das Interesse der kontaktierten stationären Einrichtungen der Altenhilfe „durch die Decke!“. Alle Seniorenheime der Region und sogar darüber hinaus – wie in Starnberg – wollen diese Herzenspost. Drucken diese aus. Manche packen die Seiten dann sogar in personalisierte Briefumschläge. Die junge Niederbayerin freut sich aber nicht nur über den tollen Anklang, den die Initiative in den Altenheimen findet. Auch im persönlichen Umfeld erfährt sie viel Unterstützung für ihre Idee: „Meine Sandkastenfreundin Birgit betreibt zusammen mit ihrem Mann die Werbeagentur Direttissima in Schärding. Als ich ihr von der Idee erzählte, war sie sofort mit an Board und hat mir das Logo mitsamt Briefpapier für unsere ‚Herzensbriefe‘ kostenlos entwickelt. “ Auch bei der Entwicklung unserer eigenen Facebook-Seite bekommen wir von vielen Seiten Hilfe. „Mit dem Datenrecht ist ja nicht zu spaßen“; weiß Wolf. „Und ohne meine ZAB-Truppe wäre das ehrenamtliche Engagement schon alleine inhaltlich nicht machbar. Aber so wie wir in der derzeitigen Situation als Gesellschaft zusammenhalten müssen, gilt auch hier: gemeinsam schaffen wir das!“

Das
Das "Herzensbriefe"-Logo


Jeder aus dem ZAB-Team schreibt Zeilen aus seinem Alltag – in seiner Freizeit und unentgeltlich: Kleine Geschichten und manchmal eben auch nur Banalitäten. Etwa, wenn der Stubentiger wieder einmal das Bügelbrett demonstrativ besetzt und nicht weichen will. „Die Empfänger der ‚Herzensbriefe‘ sollen so erfahren“, weiß die Herzenswerkerin Wolf, „dass wir an sie denken und sie – trotz der erforderlichen Distanz – ganz nah zu uns heranholen. Dass jeder uns am Herzen liegt. Uns wichtig ist!“


- sb


Kreis-Caritasverband Freyung-Grafenau e.V.Firmenpartner-BronzeFirmenpartner BronzeFreyung

Quellenangaben

Kreis-Caritasverband Freyung-Grafenau e.V.



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