zurück zur Übersicht

09.09.2019
1035 Klicks
teilen

Zurück zur Natur

Beruflich ist Thomas Klaus, Leiter des Referats für Finanzen und Beteiligungen des Bezirks Niederbayern, ein Mann der Zahlen, dennoch zieht es ihn in der Freizeit ans Wasser und in die Natur. So lag es nahe, dass er zum ‚Rollenwechsel‘ einen Tag bei der Fischereifachberatung des Bezirks verbringt. Das Projekt ‚Rollenwechsel‘ wurde Anfang des Jahres ins Leben gerufen, um Führungskräften Einblicke in die verschiedenen Fachgebiete des Bezirks zu verschaffen.

Fischereifachberater Dr. Stephan Paintner hat viel vor an diesem Tag, an dem er Unterstützung durch den Kämmerer bekommt. Auf der Agenda steht eine Fischbestandserhebung in der Ilm bei Neustadt an der Donau, die zusammen mit Max Mayer, Mitarbeiter der Fachberatung für Fischerei des Bezirks, und Klaus Gumpp, Gewässerwart vom Verein Neustädter Fischerfreunde, durchgeführt wird.

Die Beteiligten treffen sich mit Ulrich Menacher, dem Leiter der Flussmeisterstelle in Neustadt, an einem renaturierten Teilstück der Ilm. Die Fragestellung an diesem Tag lautet: Wie wirkt sich die Renaturierung auf den Fischbestand und die Artenvielfalt aus?

Der ‚Streber‘ ist ein seltener kleiner Fisch, der auf saubere, schnell strömende Gewässer angewiesen ist. Wo er zu finden ist, ist der Lebensraum intakt.Der ‚Streber‘ ist ein seltener kleiner Fisch, der auf saubere, schnell strömende Gewässer angewiesen ist. Wo er zu finden ist, ist der Lebensraum intakt.


Obwohl die Renaturierung erst vor wenigen Jahren durchgeführt wurde, bietet sich dem Bezirkskämmerer ein Bild, das ganz anders ist als das vieler anderer heimischer, meist begradigter Fließgewässer: Das Flüsschen ist verschlungen, mal schmal und mal breit, hat kleine Inseln, die von Bewuchs bedeckt sind. Es liegt viel Totholz im Wasser und verschiedene Schilfarten haben sich angesiedelt. Nach einer kurzen Vorbesprechung und Arbeitseinteilung geht es mit dem Boot der Fischereifachberatung ins Wasser. Thomas Klaus hat sich bereit erklärt, Protokoll zu führen, also auf Zuruf seiner heutigen Kollegen Art und Größe jedes gefangenen Fischs schriftlich zu erfassen.

Fangmethode der Wahl bei wissenschaftlichen Erhebungen ist das Elektrofischen. Mit dieser schonenden Methode wird der Fisch sichtbar gemacht und kann nach seiner Erfassung wieder unbeschadet in die Freiheit entlassen werden. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich auch an diesem Tag, dass Jungfische gerade im Bereich von Totholz bzw. natürlichem Bewuchs anzutreffen sind – eben dort, wo sie Schutz vor sogenannten Prädatoren (Räubern) finden. Nach etwa drei arbeitsintensiven Stunden legt das Boot wieder an seiner ursprünglichen Ablegestelle an.

Fischereifachberater Dr. Stephan Painter und Bezirkskämmerer Thomas Klaus bei der Bestandserhebung mit Klaus Gumpp und Max Mayer (v. l.) auf einem renaturierten Teilstück der Ilm.Fischereifachberater Dr. Stephan Painter und Bezirkskämmerer Thomas Klaus bei der Bestandserhebung mit Klaus Gumpp und Max Mayer (v. l.) auf einem renaturierten Teilstück der Ilm.


Die erste Zwischenbilanz kann sich sehen lassen: 25 verschiedene Fischarten wurden gezählt. „In einem nicht renaturierten Gewässer hätten wir kaum die Hälfte vorgefunden“, so Paintner. „Insbesondere die heimischen Arten Nase und Barbe haben sich offenbar bereits etabliert und fortgepflanzt. Wir haben sogar Arten erfasst, die vom Aussterben bedroht sind wie beispielweise den Streber. Das zeigt, dass eine Renaturierung viel für die Artenvielfalt und auch für den Bestand insgesamt bringt. Solche Erfolge gibt es aber nur, wenn die Beteiligten vor Ort an einem Strang ziehen. Im konkreten Fall ist es unter anderem der Arbeit der Flussmeisterstelle von Ulrich Menacher und dem Engagement des hiesigen Vereins ‚Neustädter Fischerfreunde‘ zu verdanken, dass es so erfreuliche Resultate gibt.“

Auch Thomas Klaus ist sehr zufrieden mit seinem Tag auf der Ilm: „Ich hätte nicht mit derart vielen verschiedenen Fischen gerechnet. Heute habe ich Arten gesehen, von denen ich vorher nicht einmal gehört hatte“.


- sb


Bezirk NiederbayernLandshut

Quellenangaben

Bezirk Niederbayern

Sie möchten Ihren Bericht regional bewerben?

Alle Informationen und Ihren Ansprechpartner finden Sie HIER.


Kommentare

Bitte registrieren Sie sich um hier Kommentare eintragen zu können!
» Jetzt kostenlos Registrieren oder haben Sie Loginprobleme?


Ähnliche Berichte

Weniger Besucher, höheres Defizit, mehr FlexibilitätDeggendorf (Mainkofen) Ein großes Minus bei den Besuchern, ein hohes Defizit bei den Einnahmen und fürs neue Jahr viel Flexibilität bei der Planung von Veranstaltungen – so könnte man die Situation in den niederbayerischen Freilichtmuseen in Finsterau und Massing zusammenfassen, die am Donnerstag bei der Zweckverbandsversammlung in Mainkofen im Mittelpunkt stand.Mehr Anzeigen 01.12.2020Kostüm- und Requisitenfundus unter neuer LeitungDeggendorf (Mainkofen) Der Kultur-, Jugend- und Sportausschuss war ein willkommener Anlass, den Ausschussmitgliedern Stephanie Griebl als neue Leiterin des Kostüm- und Requisitenfundus in Mainkofen vorzustellen.Mehr Anzeigen 25.11.2020Ein Lichtblick in dunklen ZeitenLandshut Seit 2016 unterstützt der Bezirk Niederbayern den gemeinnützigen Verein KlinikClowns Bayern e. V.. Auch für 2020 genehmigte der Kultur-, Jugend- und Sportausschuss unter dem Vorsitz von Bezirkstagvizepräsident Dr. Thomas Pröckl Fördermittel in Höhe von 10.000 Euro für die Clowns-Visiten.Mehr Anzeigen 14.11.2020Hoffen auf bessere Zeiten nach CoronaLandshut Die Auswirkungen der Corona-Pandemie schlagen sich enorm in den Zahlen des Bayerischen Golf- und Thermenlandes nieder, dessen Beirat am Dienstag per Videokonferenz tagte. Im Zeitraum von März bis Juli 2020 belief sich der Verlust im Zuge der Betriebs- und Thermenschließungen auf knapp 450 Millionen Euro, wie Alexander von Poschinger, Marketingleiter des Bayerischen Golf- und Thermenlandes, den Beiratsmitgliedern erörterte.Mehr Anzeigen 14.11.2020Bayerischer Wald - ein Ort der Verbundenheit mit der Natur Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein echtes Phänomen. Kann man sich heute unberührte Natur, unberührte Flora und Fauna im Herzen des dicht besiedelten Mitteleuropas vorstellen? Es stellt sich heraus, dass ein solcher Ort existiert.Mehr Anzeigen 10.11.2020Lindbergmühle kommt mit Produktion kaum hinterherLindberg (Lindbergmühle) Immer mehr Fischzüchter stellen ihren Betrieb ein und so kommt es, dass die Nachfrage beim Fischereilichen Lehr- und Beispielbetrieb des Bezirks Niederbayern immer mehr steigt. „Hier werden nicht nur die ‚Klassiker‘ wie Bach- und Regenforelle, Bach- oder Seesaibling gezüchtet, sondern auch gefährdete heimische Fischarten wie Huchen, Äsche, Barbe, Nase und Rutte vermehrt.Mehr Anzeigen 24.06.2019