zurück zur Übersicht
31.05.2019
111 Klicks
teilen

Neue Ansätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Mehr als 120 Pflegende aus ganz Süddeutschland trafen sich jetzt in Landshut zum überregionalen Austausch und zur fachlichen Fortbildung. Gastgeber des „15. Süddeutschen Fachtags für den Pflege- und Erziehungsdienst der Kinder- und Jugendpsychiatrie“ war das örtliche Bezirkskrankenhaus. Pflegedirektorin Claudia Knab begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl  dankte den Anwesenden für ihr Interesse: „Da Sie in einem noch recht jungen Feld tätig sind, das sich rasant entwickelt und stets neue Ansätze hervorbringt, ist diese Art der Fortbildung besonders wichtig.“ Er verwies auf die großen Investitionen des Bezirks Niederbayern als Träger der stationären Psychiatrie und betonte: „Wir wissen genau, dass dies absolut notwendig ist.“ Dabei machte er auf den steigenden Behandlungsbedarf aufmerksam: „Besorgniserregend ist ganz besonders die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Hier steigen die Fallzahlen und die Aufnahmen zur Krisenintervention stetig an.“ Darum werde auch in den nächsten Jahren weiter investiert, insbesondere in dezentrale Angebote wie die neue psychiatrische Institutsambulanz in Zwiesel, die 2020 eröffnet werden soll. Die Teilnehmer des Fachtags ermutigte er, trotz gesamtgesellschaftlicher Diskussionen über Ursachen steigender Fallzahlen und Finanzierbarkeit den Blick für das einzelne notleidende Kind nicht zu verlieren. Denn im Akutfall seien solche Diskussionen zweitrangig: „In dem konkreten Moment, in dem ein Kind Hilfe benötigt, geht es nicht um gesamtgesellschaftliche Analysen, sondern um eine möglichst praxisnahe Unterstützung, damit wir diese Kinder und Jugendlichen nicht ‚verlieren‘.“

Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl (2. v. li.) im Kreise der Veranstalter und Gastgeber (v.re.): Bernhart Leutert-Scholler, Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Bayern für leitende Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdienstes der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Claudia Knab, Pflegedirektorin am BKH Landshut, Dr. Dietmar Eglinsky, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am BKH Landshut und Hans-Ulrich Neunhoeffer, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdienstes kinder- und jugendpsychiatrischer Kliniken und Abteilungen e.V. Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl (2. v. li.) im Kreise der Veranstalter und Gastgeber (v.re.): Bernhart Leutert-Scholler, Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Bayern für leitende Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdienstes der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Claudia Knab, Pflegedirektorin am BKH Landshut, Dr. Dietmar Eglinsky, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am BKH Landshut und Hans-Ulrich Neunhoeffer, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdienstes kinder- und jugendpsychiatrischer Kliniken und Abteilungen e.V.


Verantwortung, Verständnis, Vertrauen und Verpflichtung

Für die Veranstalter hob Bernhart Leutert-Scholler, der Leiter der „Landesarbeitsgemeinschaft Bayern für leitende Mitarbeiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Pflege- und Erziehungsdienstes“ die Bedeutung guter Mitarbeiterführung hervor: „Mitarbeiter, denen der Angstschweiß schon auf der Stirn steht, lösen bei unseren Kunden eher Mitleid als Begeisterung aus.“ Stattdessen sollten sich Vorgesetzte auf die „4-V-Regel“ besinnen: Verantwortung, Verständnis, Vertrauen und Verpflichtung. Allen Beschäftigten in Krankenhäusern legte er eine Service-Grundeinstellung ans Herz. Diese bedeute keinesfalls ein „Immer mehr“ an Angeboten, sondern die richtigen Angebote. Was das richtige Angebot sei, müsse jedes Unternehmen selber herausfinden. Klar sei aber: „Exzellenter Service hilft dem Kunden und macht ihm das Leben leichter.“ Wichtig sei, Patienten und Angehörige nie als Störung im eigenen Arbeitsablauf zu sehen, und vor allem den allerersten Kontakt professionell und wertschätzend zu gestalten.

In drei Vorträgen beleuchteten die Referenten ganz unterschiedliche Themenfelder. Während Chefarzt Dr. Dietmar Eglinsky über „Jungs und ihre Väter“ sprach, referierte Oliver Kröger über die vor wenigen Jahren in Nordrhein-Westfalen neuentwickelte Hilfe-App „Between the lines“  und Heike Barthruff sprach über „Was ist eine Borderline-Störung“. Anschließend ging es in einen der zehn verschiedenen Workshops von „Ambulanter Familienunterstützung“ bis „Sekundäre Traumatisierung“. Damit ist das psychische Leiden gemeint, das bei Helfern entsteht, wenn sie sich beruflich viel mit belastenden Lebensgeschichten von Kindern auseinandersetzen müssen.

Angefüllt mit neuem Fachwissen und nach einer abschließenden Führung verabschiedeten sich die Pflegenden am frühen Abend in ihre Heimatorte. Der 16. Fachtag wird in einem Jahr in Weinsberg nördlich von Stuttgart stattfinden.


- sb

[PR]

Bezirk NiederbayernLandshut

Quellenangaben

Bezirk Niederbayern
Foto: Dieter Schmid-Hermann/Bezirkskrankenhaus Landshut



Kommentare

Bitte registrieren Sie sich um hier Kommentare eintragen zu können!
» Jetzt kostenlos Registrieren oder haben Sie Loginprobleme?

Ähnliche Berichte

Überraschende BegegnungViechtach „Na, den kenn ich doch“, entfuhr es Bezirkstagspräsident und Freyungs Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich, als er kürzlich die Fotoausstellung „Setkani - Begegnungen“ auf Großleinwänden in der Viechtacher Innenstadt besichtigte. Journalist und Fotograf Herbert Pöhnl ist seit Jahren mit seinem Partner Edmund Stern dies- und jenseits der Landesgrenze unterwegs, um Menschen und deren grenzüberschreitenden Begegnungen in Bildern festzuhalten.Mehr Anzeigen 16.06.2019Sauberkeit im Wandel der ZeitMauth (Finsterau) Bürsten, Besen und Rasierapparat werden auch heute noch genutzt, andere Utensilien zur Reinigung von Körper, Kleidung oder Haus sind hingegen aus den modernen Haushalten verschwunden. Im Freilichtmuseum in Finsterau kann man seit Freitag viele dieser alten Gegenstände wiederentdecken und sich darüber informieren, wie sich Hygiene und Sauberkeit im Laufe der Zeit verändert haben.Mehr Anzeigen 07.06.2019Den europäischen Gedanken lebenLandshut Europa kann nur funktionieren, wenn der europäische Gedanke gelebt wird – und das vor allem unter jungen Menschen. Dies war die Kernbotschaft des französischen Generalkonsuls Pierre Lanapats bei einem Gespräch mit dem niederbayerischen Bezirkstagspräsidenten Dr. Olaf Heinrich in Landshut.Mehr Anzeigen 02.06.2019Weiterbildung im Rettungswesen und in der Pflege aktiv gestaltenDeggendorf Qualifizierte Fach- und Führungskräfte im Gesundheitsbereich werden händeringend gesucht. Das Weiterbildungszentrum der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) reagiert auf diese Entwicklungen mit berufsbegleitenden und maßgeschneiderten Weiterbildungsstudiengängen für Rettungswesen und Pflege.Mehr Anzeigen 30.05.2019Personalmangel erschwert die PflegeRegen „Es ist gut, wenn sich die Pflege und die Gemeindevertreter an einem Tisch versammeln“, sagte Pfarrer Matthias Schricker bei seiner Begrüßung zur Pflegekonferenz in Regen. Als Vorsitzender des Agendaarbeitskreises Soziales hatte er zu dem Treffen eingeladen.Mehr Anzeigen 11.10.2018Die Pflege im FokusRegen Der Agenda Arbeitskreis Soziales unter Leitung von Pfarrer Matthias Schricker hat nochmals auf die „Woche der Pflege der Pflege und Betreuung im Landkreis Regen“ zurückgeblickt.Mehr Anzeigen 21.09.2018