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02.10.2018
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Regionales Handwerk: Schindelmacher Josef Pfeffer

Endlich, möchte man fast sagen, entscheiden sich viele Bauherren wieder für Dächer und Fassaden aus Holzschindeln. Gerade wenn der Naturstoff Holz auf Aluminium oder Sichtbeton trifft, wenn Traditionshandwerk der Moderne begegnet, ergibt das ein sehr gefälliges Bild. Früher gab es im Bayerischen Wald auf fast jedem Hof einen Schindelmacher, das Handwerk war in der Region tief verwurzelt. Als die Holzschindeln aus der Mode kamen, als ärmlich verschrien waren, verschwand der Naturstoff von den Dächern und Wänden der Häuser. Ende der 1990er Jahre, mit Mitte 40, holte Josef Pfeffer die Holzschindeln aus der Versenkung und der gelernte Brauer, der viele Jahre als Zimmermann tätig war, machte sich mit seiner Schindelwerkstatt in Zwiesel selbstständig. Und seine Firma ist eine der wenigen, die die Schindeln nicht nur montiert, sondern ganz traditionell selbst herstellt.

 

Herr Pfeffer, welches Holz ist für die Schindeln geeignet, wie muss die Beschaffenheit sein?

Wir fertigen Schindeln aus Lärchenholz, aus Fichten-, Tannen- und Eichenholz. Das Holz beziehe ich von Waldbauern und Sägewerken in der Region. Jedoch ist nicht jeder Stamm für die Herstellung von Holzschindeln geeignet. Der Stamm sollte gerade gewachsen sein, nicht zu viele Äste haben. Wir bevorzugen feinwüchsiges Holz mit engen Jahresringen. Das sieht man aber erst nach der ersten Spaltung.

 

Was passiert während der ersten Bearbeitung des Holzes?

Schindeln machen wir grundsätzlich im Winter, wenn das Wetter die Arbeit auf den Baustellen nicht zulässt. Ich entferne den Kern und das Splintholz. Danach viertele ich die Stämme. Dann drücke ich die Schindeln mit dem traditionellen Schindelspaltmesser aus den gespaltenen Stämmen. Sägen darf man die Schindeln auf keinen Fall. Dabei würden die Holzfasern zerstört werden und die Schindel würde sich mit Wasser vollsaugen. Die Kunst ist es, mit der Struktur der Jahresringe zu arbeiten. Dann ergibt sich automatisch eine Wölbung. Dabei geht es darum, Holz so zu spalten, dass sich später bei der fertigen Schindel die harten Jahresringe - die wasserabweisende Seite - außenseitig befinden. Die weiche, wassersaugende Seite sollte nach innen weisen. Schließlich putze ich an der Werkbank, der Hoazlbeng, die Flächen und Kanten. Pro Jahr stellen wir so etwa 700 – 800 qm Schindeln her.

 

Wie viele Quadratmeter Schindeln verbauen Sie im Jahr?

Etwa 1.500 bis 2.000 qm. Die Differenz zu den selbst hergestellten müssen wir also zukaufen, von Schindelmachern in Böhmen und im Allgäu. Da hat dieses Handwerk auch noch Tradition.

 

Was sind die Vorteile von Schindelfassaden und -dächern?

Eine Holzschindelfassade ist ein zuverlässiger Wetterschutz für jedes Haus. Holzschindeln halten über Generationen dem Wind und Wetter stand. Fassadenschindeln verkörpern einen modernen Baustil mit traditionellen Baustoffen. Holz ist zudem ein natürlicher Wärmeschutz. Das Holzschindeldach ist sturm- und hagelsicher, leicht und langlebig – etwa 100 Jahre bei Verwendung von Eichenholz. Es handelt sich um eine alte traditionelle Dachdeckung, optisch in die Landschaft passend sowie hergestellt aus nachwachsenden Rohstoffen. Wir bemühen uns aber auch stets, neue Konzepte für den Innenausbau zu entwickeln.

Die gespaltene Wand steht beispielsweise für innovatives Wanddesign. Holzteile, meistens Lärche, werden an der Unterseite egalisiert. Die Struktur auf der Oberseite wird erhalten und macht so die so entstandene grobe Oberfläche zu einem Spiel aus Licht und Schatten. Das ist ein Hingucker für jede Wand.

                                                                    

 

Vielen Dank für das Gespräch.


- sh


Schindelwerkstatt Josef PfefferZwiesel

Quellenangaben

Fotos: Josef Pfeffer, Stephen Hahn
Text: Dr. Stephen Hahn



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