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18.06.2018
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Als Künstler der Menschlichkeit den Menschen mit Behinderung dienen

Freyung/Passau (can.) Den Menschen mit Behinderung soll das Gebäude dienen und mehr sein als nur ein Arbeitsort. Sie sollen dort ihre Stärken und Fähigkeiten einbringen können, diese sich selbst, den Familien sowie der ganzen Gesellschaft beweisen können. Deshalb hat der Caritasverband für die Diözese Passau e.V. die Wolfsteiner Werkstätten in Freyung erweitert. Am Freitag, 15. Juni, hat Diözesanbischof Dr. Stefan Oster (SDB) den Ersatzneubau gesegnet und für die insgesamt 395 zu betreuenden Menschen mit Behinderung offiziell in Dienst genommen. Mit ihnen feierte eine große Gästeschar.

Bischof Stefan Oster betonte beim Festakt, die Caritas-Einrichtung bringe Gottes Heil in die Welt. Eine Gesellschaft werde daran gemessen, wie sie Humanität und sittliche Werte lebe; und umgehe mit Menschen, die weniger heil seien. Die Kirche hole sie von den Rändern in die Mitte. Gott, so der Bischof, sei ein Künstler, der aus jedem Menschen das Wahre heraushebe. Entsprechend seien die in der Betreuung Mitarbeitenden „Künstler der Menschlichkeit“, die jeden Menschen als Unikat sehen und mit viel Zuwendung die wahre Persönlichkeit „herausarbeiten und herauslieben“. An solcher Liebesfähigkeit messe Gott jeden. Die Menschen mit Behinderung spornen an, solche Liebesfähigkeit zu entwickeln. Beim Rundgang durch die neuen Räume nahm sich der Bischof viel Zeit für die persönliche Begegnung und segnete die Menschen mit Behinderung.

Bischof Stefan Oster segnet die Mitarbeitenden und die neuen Räume. Beim Rundgang mit dabei die Caritasvorstände Michael Endres und Diakon Konrad Niederländer.Bischof Stefan Oster segnet die Mitarbeitenden und die neuen Räume. Beim Rundgang mit dabei die Caritasvorstände Michael Endres und Diakon Konrad Niederländer.

Teilhabe leben und der Teilhabe dienen
Dienen, war das zentrale Thema für Caritasvorstand Michael Endres. Mit dem Segen Gottes möge das neue Gebäude den Menschen dienen. Nämlich der persönlichen und beruflichen Bildung, dem Erhalt, der Wiedergewinnung der Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit, der Weiterentwicklung der Persönlichkeit, um wenn möglich wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig zu werden. Das Leben in der Gemeinschaft sei es bei der Arbeit oder bei Freizeitangeboten und das gemeinsame Beten komme dazu. Der Caritasdirektor rief dazu auf, Verantwortung zu übernehmen, ob als einzelner oder gesamtgesellschaftlich „um den Menschen mit Behinderung zur Teilhabe an Kirche, Gesellschaft und Arbeitsleben zu dienen“. Es dürfe nicht bei „schönen Worten“ bleiben. Michael Endres unterstrich im Beisein seines Vorstandskollegen, dem Bischöflichen Beauftragten für die Caritas, Diakon Konrad Niederländer: in den Caritas-Werkstätten werde Teilhabe gelebt und der Teilhabe gedient, oft von der breiten Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen.

Wie Menschen mit Behinderung den Alltag erleben, machte der Caritasdirektor mit beispielhaften Aussagen deutlich: „In der Werkstatt sind alle meine Freunde, da fühle ich mich wohl und werde unterstützt. Darum möchte ich auch so lange wie möglich arbeiten!“ Oder: „Ich habe erst in der Werkstatt gelernt, dass ich auch Stärken habe und etwas kann“.

Zeit für die persönliche Begegnung. Bischof Oster spendet Lisa Bürdek den Segen. Beim Rundgang begleiten ihn die Caritasvorstände (li.) Michael Endres und Diakon Konrad Niederländer.Zeit für die persönliche Begegnung. Bischof Oster spendet Lisa Bürdek den Segen. Beim Rundgang begleiten ihn die Caritasvorstände (li.) Michael Endres und Diakon Konrad Niederländer.

Helmut Weber: Zukunftsfähige und flexible Produktionsorte
Der Einrichtungsleiter Helmut Weber gab einen Überblick über die Zeit des Planens und Bauens und der Provisorien, er dankte für die vielfältige Unterstützung seitens der Caritas, dem Bischof und der am Bauprojekt beteiligen Behörden und Firmen. Man habe ökonomische wie ökologische Verbesserungen realisieren können. „Durch die Zukunftsfähigen und flexiblen Produktionsräume mit entsprechender Infrastruktur auf dem neuesten Stand der Technik konnte das Wohlbefinden am Arbeitsplatz gesteigert werden“. Bereits im Vorfeld hatte der Leiter der Wolfsteiner Werkstätten, Helmut Weber, betont: die Mitarbeitenden sollten „Sicherheit, Verlässlichkeit und Zugehörigkeit erfahren. Auch einen Ort, an dem sie Arbeit als einen wichtigen integralen und erfüllenden Teil des Lebens erfahren“.

Stefan Köck und Andreas Mager würdigten als Vorsitzende der Mitarbeitervertretung nach „etlichen ereignisreichen und auch turbulenten Jahren der Bauphase“ den Abschluss der Baumaßnahme. Für die Menschen mit Behinderung bestätigte Anna Ranzinger, die Vorsitzende des Werkstattrates, dass nach den Einschränkungen beim Umbau jeder Mitarbeiter nun seinen Platz in einem angenehmen Arbeitsumfeld gefunden habe. Großzügige, helle, freundliche und gut ausgestattete Gruppenräume, funktionelle Aufenthaltsräume sowie neue Sanitärräume: „Der Neubau ist rundum gelungen“, fasste sie zusammen.

Der Schlüssel ist offiziell übergeben: Einrichtungsleiter Helmut Weber, Bischof Oster, die Caritasvorstände, Diakon Konrad Niederländer und Michael Endres, die Abteilungsleiterin Behindertenhilfe/Psychiatrie, Brigitte Lengdobler, und Christian Lankl vom Planungsbüro PPP.Der Schlüssel ist offiziell übergeben: Einrichtungsleiter Helmut Weber, Bischof Oster, die Caritasvorstände, Diakon Konrad Niederländer und Michael Endres, die Abteilungsleiterin Behindertenhilfe/Psychiatrie, Brigitte Lengdobler, und Christian Lankl vom Planungsbüro PPP.

Schlüsselübergabe
Jetzt sind auch die Schlüssel offiziell durch die Planer Christian Lankl und Werner übergeben. Im neuen Werkstatt-Bereich finden 230 Menschen mit Behinderung bedarfsgerechte Arbeitsplätze, sowie mit der neuen Küche, dem Speisesaal, sowie den Gruppen- und Sanitärräumen auf 6.295 Quadratmetern einen ansprechenden Lebensraum. Dafür hat der Diözesan-Caritasverband insgesamt 16,4 Millionen Euro investiert, davon 10,6 Millionen Euro aus Eigenmitteln. Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales hat einen Zuschuss in Höhe von 5,3 Millionen Euro, der Bezirk Niederbayern einen Zuschuss in Höhe von rund 500.000 Euro geleistet. Zur Finanzierung gewährten das Ministerium und die Bundesagentur für Arbeit Darlehen in Höhe von 1,3 Millionen Euro sowie rund 1 Million Euro. Der Caritasdirektor dankte allen Zuschussgebern und ihren Verantwortlichen für die mehr als tatkräftige finanzielle Unterstützung.

Pädagogisch, therapeutisch, technisch und in der Verwaltung begleiten und betreuen rund 200 Personen die Menschen mit Behinderung. Dem Team rund um den Einrichtungsleiter Helmut Weber und seinen Stellvertreter Andreas Manthey, dankte Michael Endres mit sinnigen Vergleichen aus dem Automobilbereich, dem die Einrichtung stark verbunden ist. Damit ein Rennauto wie die Wolfsteiner Werkstätten laufen könne, brauche man Benzin, also Mitarbeitende in der Produktion, im Berufsbildungsbereich, im begleitenden Dienst, in der Förderstätte, sowie in der Verwaltung und Versorgung. Motor, Zündkerze, Scheinwerfer, auch einmal ein Airbag seien als Einrichtungsleitung nötig, eine Renningeneurin wie Brigitte Lengdobler, Abteilungsleiterin Behindertenhilfe und Psychiatrie, sowie Techniker im Bau-Steuerungsteam.

Der Landtagsabgeordnete und Zweite Bürgermeister Alexander Muthmann würdigte für die Stadt Freyung die Qualität der Einrichtung und die Wertschätzung gegenüber den Menschen mit Behinderung als „bleibende Heimat“. Der stellvertretende Bezirkstagspräsidenten Max Brandl sagte: Hier werde das Gefühl vermittelt in der Gesellschaft gebraucht zu sein. Deswegen müsse die Arbeit in der Werkstätte und der soziale Raum unterstützt werden. Landrat Sebastian Gruber sprach von einem „Freudentag für die gesamte Region“, mehr noch für die Menschen mit Behinderung, denen Lebens- und Teilhabemöglichkeiten erschlossen würden.

Gruppenfoto mit Bischof Oster. Mitarbeitende in der Schreinerei mit Einrichtungsleiter Helmut Weber (li.), Caritasdirekt Michael Endres (5.v.li.) und Konrad Niederländer, Bischöflicher Beauftragter für die Caritas (5.v.re.) Bischof Oster, die Caritasvorstände, Diakon Konrad Niederländer und Michael EndresGruppenfoto mit Bischof Oster. Mitarbeitende in der Schreinerei mit Einrichtungsleiter Helmut Weber (li.), Caritasdirekt Michael Endres (5.v.li.) und Konrad Niederländer, Bischöflicher Beauftragter für die Caritas (5.v.re.) Bischof Oster, die Caritasvorstände, Diakon Konrad Niederländer und Michael Endres

Am Samstag, 16. Juni, „Tag der offenen Tür“
Am Samstag, 16. Juni, stellen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim „Tag der offenen Tür“ ihre Arbeit und die Bereiche der Einrichtung vor. Seit Jahrzehnten sind die Wolfsteiner Werkstätten Partner internationaler Konzerne, mittelständischer Betriebe und regionaler Geschäfte. In den Fertigungs- und Verpackungsbereichen werden Montagetätigkeiten ausgeführt, im Innenausstattungsbereich kreative und hochwertige Näharbeiten oder Holzarbeiten in der Schreinerei. Dazu kommt die

Wäscherei für Kliniken, Altenheime und Hotels sowie die moderne Metallabteilung. Eigene integrative Betriebe wie das barrierefreie 4-Sterne-Hotel „Witikohof“ in Bischofsreut, die chemische Reinigung und der Werkstattladen direkt im Zentrum von Freyung, ermöglichen Tätigkeiten nahe am ersten Arbeitsmarkt. Für schwerstmehrfachbehinderte Menschen gibt es die Förderstätte „BesondersAnders“. Es gibt Informationen über arbeitsbegleitende Angebote, die soziale Begleitung und die pädagogische Arbeit. Ein buntes Rahmenprogramm mit vielen Aktivitäten und Attraktionen rundet das Angebot für Groß und Klein ab.

Ein Blick in die Gästeliste:
Groß war die Zahl der Gäste, darunter: Caritasvorstand und Bischöflicher Beauftragter, Diakon Konrad Niederländer, Dekan Kajetan Steinbeißer und Stadtpfarrer Magnus König, Pfarrer Thomas Weinmair, für die Evangelische Kirchengemeinde Freyung, Alban Westenberger, Aufsichtsrat des Diözesan-Caritasverbandes, die Landtagsabgeordneten Alexander Muthmann, Max Gibis, Helmut Brunner und Bernhard Roos, der stellvertretende Bezirkstagspräsident Max Brandl, die Bezirksrätin und Landrätin des Landkreises Regen Rita Röhrl, Landrat Sebastian Gruber, Günther Faltermeier für den Bezirk Niederbayern, Andrea Stempfhuber, für das Zentrum Bayern Familie und Soziales, Simone Sievers, Agentur für Arbeit, Josef Bauer, geschäftsführender Vorstand des Kreiscaritas-Verbandes, Vertreter der am Bau beteiligten Planer und Unternehmen, Vertreter der Abteilungen und Fachbereiche des Diözesancaritasverbandes.


- SB

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Wolfsteiner WerkstättenFreyung

Quellenangaben

Caritasverband für die Diözese Passau e. V.



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