Die Trotzphase eines Kleinkindes

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09.12.2021
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Hallo liebe Leserinnen und Leser,

Da ich selbst Mutter einer 9-jährigen Tochter bin, erzähle ich euch heute etwas über die erste Trotzphase des Kindes.

Sie wird auch Autonomiephase genannt und beginnt zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr. Ganz genau kann man es nie sagen, jedes Kind ist anders. Sie kann auch schon mit einem Jahr beginnen, oder aber auch erst mit 3.

Die Trotzphase solltet ihr positiv aufnehmen, denn es ist ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt. Die Kinder entdecken ihre Persönlichkeit und ihren eigenen Willen und das ist eine sehr wichtige Erfahrung für den Charakter und das weitere Leben des Kindes.

In dieser Phase entdecken sie vor allem das Wort „Nein“ und lernen dessen Bedeutung kennen. Es wird dann sehr gerne der Umgang und die Reaktion darauf getestet und endet dann oft mit Tränen, Geschrei, Getrampel oder sonstigem, da natürlich auch nicht jeder Wunsch erfüllt wird. Auch das Wort „Ich“ wird von nun an häufig verwendet. Das hat die Folge, dass das Kind auf „Ich will!“ oder „Ich will nicht!“ besteht. Der eigene Wille kommt zum Vorschein. Wir als Eltern stellen demnach Regeln und Verbote auf und das ist auch richtig so. Das Kind muss lernen, dass nicht alle Bedürfnisse befriedigt werden können und deswegen die eigenen Gefühle kontrolliert werden müssen. Ich weiß sehr gut, es kann wahnsinnig anstrengend sein, aber für das Kind ist es genauso. Es findet in der Trotzphase eine starke Veränderung im Gehirn statt. Die Verbindungen der Hirnregionen nehmen zu und gewinnen sehr an Gewicht. Das Frontalhirn, zuständig für Planung, Urteil und Regulation, kommt aber mit dem Wachstum nicht hinterher und die ganzen Emotionen strömen ungefiltert auf das Kind ein - dadurch kommt es zum Kurzschluss, also zum Wutanfall.

Es gibt Kinder, bei denen sich die Trotzreaktionen im Zaum halten, bei anderen geht es richtig zur Sache. Sie haben dann richtige Anfälle mit Schreien, Stampfen, Werfen, auf dem Boden wälzen, Sachen umwerfen, mit Gegenständen werfen, mit dem Kopf gegen Möbelstücke hauen bis hin zum Luft anhalten, das unter Umständen mit einem Ohnmachtsanfall enden kann. Ich kann euch nur raten: bitte bleibt ruhig. Mit Schimpfen, Schreien oder Hand anlegen macht ihr es nur noch schlimmer. Behaltet euren positiven Umgang auch in der Trotzphase bei. Erzieht aktiv aber auch selbstbewusst, denn Kinder erkennen die Schwäche der Eltern und nutzen sie aus. Zeigt den Kindern, wie man Wut äußern kann und zeigt genaue Grenzen auf, verbietet aber nicht alles.

Hier ein paar kleine Tipps, die euch helfen können:

1. Lasst euer Kind auch mal selbst etwas entscheiden, aber nicht zu viel. Ein Kind kann noch keine Vergleiche anstellen oder abwägen, aber kleine Sachen wie das Essen oder wohin es am Nachmittag gehen soll, sind in Ordnung. Andere Sachen bitte selbst entscheiden.

2. Wenn ihr zu oft „Nein“ sagt, wächst der Frust des Kindes und spätestens beim 10. Nein bekommt ihr Kind einen Wutanfall. Erklärt dem Kind stattdessen, warum das gerade nicht geht und gebt ihm Alternativen um die Situation zu entschärfen.

3. Gebt dem Kind kleine Aufgaben, solche, von denen ihr wisst, dass es keine Probleme gibt. Das können sein: Windeln wegschmeißen, Hausschuhe bringen, Tisch decken, Wäsche bringen, Staub wischen, Geschirrspüler ausräumen oder Spielzeug aufräumen. Eben ganz einfache Sachen. Es stärkt ungemein das Selbst- und Verantwortungsbewusstsein des Kindes. Bei etwas schwereren Aufgaben sagt vielleicht nicht gleich wieder „Nein“, sondern erklärt, dass diese Aufgabe einfach noch zu schwer ist und helft am besten mit, um es gemeinsam zu schaffen.

4. Kinder sind wahnsinnig ungeduldig und können auch noch keine Zeitansagen einordnen. Am besten vermeidet ihr Wartezeiten. Wenn ihr zum Beispiel raus gehen möchtet und gebt dem Kind die Information „gleich gehen wir“, bedeutet es für das Kind "sofort".
Für uns bedeutet es aber vielleicht nach dem Bügeln, das vielleicht sogar noch 1 Stunde dauern kann. Ihr wisst worauf ich hinaus will.

5. Sehr wichtig ist ausreichend Schlaf. Ein müdes Kind ist schneller traurig, trotzig oder wütend.

6. Wie ich vorher schon erwähnt habe, bleibt bitte ruhig, wenn euer Kind einen Wutanfall hat. Ihr macht es wirklich schlimmer, wenn ihr schimpft oder schreit. Aber: Gebt auf keinen Fall nach, euer Kind wird die Trotzreaktionen sonst sehr gezielt einsetzen.

7. Euer Kind braucht Trost, Ermutigung, Sicherheit und Unterstützung. Es kann auch sein, dass es in irgendeiner Situation der Wut gar keinen Trost oder Umarmungen will, behaltet das Kind aber trotzdem im Auge. Ihr könnt auch Beispiele aufzeigen, wie man am besten mit der Wut umgeht. Stampft gemeinsam in den Boden oder boxt in ein Kissen, zum Schluss wird es wahrscheinlich eine lustige Kissenschlacht.

8. Der letzte Punkt ist vielleicht nicht so einfach, das weiß ich. Es kann auch mal passieren, dass euer Kind euch sehr verletzende Worte zuwirft. Bitte, bitte, nehmt diese nicht persönlich. Ich weiß, es ist verletzend, aber es ist auf keinen Fall so gemeint. Ich habe euch erklärt warum diese Kurzschlussreaktionen passieren. Helft eurem Kind, da durchzukommen und habt Verständnis.


Hiermit werde ich mich für heute wieder verabschieden. Ich hoffe, der Bericht hat euch etwas geholfen. Ich bin da auch durchgekommen, viele andere auch schon und ihr werdet es auch schaffen.

Bis bald, eure Nicole Stöger


- NS


Serie: Familie & PartnerschaftIm besten Fall begleiten Glück und Freude das Familienleben. Dennoch treten häufig Probleme und Herausforderungen auf, die es zu meistern gilt. In dieser Serie möchten wir euch ganz einfache Tipps für euren Familienalltag mit auf den Weg geben.

Quellenangaben

Foto: Pixabay.com
Bildupload: Nicole Stöger

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