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26.09.2021
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Das Herz kennt keine Demenz – Ein Beitrag zur Demenzwoche

Immer mehr Menschen sind als Angehörige von demenzkranken Frauen oder Männern, Müttern oder Vätern betroffen. Im Demenzreport 2020 der Uni Bremen heißt es, dass heute 1,6 Mio. Menschen an Demenz erkrankt sind - mit dem Schwerpunkt der Alzheimerdemenz. Bis zum Jahr 2050, so die Hochrechnung, werden es voraussichtlich 3 Mio. Betroffene sein. Auch im Bezirksklinikum Mainkofen werden Jahr für Jahr immer mehr Patienten mit einer Demenzerkrankung behandelt – Tendenz steigend.

Was bedeutet dies für die Angehörigen? Sind sie den Belastungen und der Verantwortung gewachsen, die die altersbedingte Erkrankung mit sich bringt? Wo gelangen sie selbst an ihre Grenzen und wie lassen sich einfache Mittel finden, damit die Würde im Alter und die Erhaltung der Fähigkeiten so lange wie möglich bewahrt bleiben?

Antwort auf diese Fragen will das Pflegeteam der gerontopsychiatrischen Station C6/O geben. Die Gruppe um Stationsleiter Erhard Jungbauer fördert die Arbeit mit und für demenzkranke Menschen und haben aus genau diesem Grund ihr Angebot immer wieder erweitert.

Andreas Ulrich erarbeitete im Rahmen der Fachweiterbildung psychiatrische Pflege ein Konzept zur Angehörigenarbeit durch die Pflegenden – für pflegende Angehörige. Dies soll die bestehende Angehörigengruppe um Chefarzt Dr. Bernd Weigel ergänzen. Mit einfachen Worten soll Angehörigen vermittelt werden, welche Wege es zur Begleitung gibt, wie Verständnis für herausfordernde Situationen hergestellt werden kann und worauf es beim täglichen Kontakt als Angehöriger ankommt. Das Projekt „Das Herz kennt keine Demenz“ soll die Beziehungsarbeit mit Betroffenen ansprechen. Es gilt, auf Augenhöhe Kontakt aufzunehmen, mit ruhiger Stimme langsam und in kurzen Sätzen zu sprechen.

Anknüpfungspunkte gibt es dabei viele: teilweise lebt die an Demenz erkrankte Person in ihrer eigenen Welt, ohne Zeitgefühl oder Orientierung zur aktuellen Situation. Dabei ist es hilfreich, sich mit der Biografie auseinanderzusetzen: was hat der/ die Betroffene gerne gemacht, womit war sein/ ihr Leben ausgefüllt. Ist es die Sorge um die Kinder, den Hof oder ist es ein leidenschaftliches Hobby wie Fußball oder handwerkliche Betätigung? In diesen „Herzensangelegenheiten“ lebt die alte Erinnerung an schöne Erlebnisse wieder auf. Es lassen sich angespannte Gedanken oder herausfordernde Verhaltensweisen oft damit abfedern oder auslenken. Unüberlegtes Verhalten Angehöriger kann unerwünschte Reaktionen fördern, z.B. ständiges Zurechtweisen, Kritisieren, übermäßiges „Betüteln“ überfordert die Person mit Demenz. Der Focus soll mehr auf das „Können“ gerichtet sein. Dem alten Menschen in seiner eigenen Welt zu begegnen und ihn dort abholen, um den Alltag meistern zu können.

Erhard Jungbauer, Stationsleiter C6/O mit der interaktiven Katze und dem Snoezelen-Wagen mit Lichteffekten und Duftlampe
Erhard Jungbauer, Stationsleiter C6/O mit der interaktiven Katze und dem Snoezelen-Wagen mit Lichteffekten und Duftlampe


Dabei sind die Gesprächsthemen nicht nur auf Demenz begrenzt: Auseinandersetzung mit dem Sterben und der palliativen Behandlung gehören ebenso zur Expertise des Pflegeteams.
Damit auch das Equipment auf die anspruchsvolle Arbeit abgestimmt ist, hat die Station vor einiger Zeit Spenden erhalten. Gemeinsam mit dem Laienhelferkreis Mainkofen e.V. und dem Förderverein Mainkofen konnte ein mobiler „Snoezelen-Wagen“ angeschafft werden. Die Sinne werden dabei mittels Lichtprojektion, Wassersäule oder Duftaromen sanft stimuliert. Auch eine „interaktive Hauskatze“ haben die Patienten vor kurzem erhalten. Das possierliche Tierchen kann schnurren, miauen, die Augen öffnen oder den Kopf drehen. Ermöglicht hat dies eine Spende der orientalischen Tanzgruppe „Sahira“ aus Wallersdorf. Dabei wirkt das Auflegen der Hand auf das Tier oder Streicheln beruhigend, angstlösend. Auch ein Effekt des „Nicht-allein-gelassen-seins“ ist zu beobachten. Stereotypien wie lautes Jammern oder Unruhe lassen merklich nach.

Einmal wöchentlich will die Gruppe künftig den pflegenden Angehörigen Raum für ermutigende Gespräche, Aufklärung und Beratung geben und auftretende Fragen zur häuslichen Versorgung und den alltäglichen Umgang beantworten.


- sb


Bezirksklinikum MainkofenMainkofen

Quellenangaben

Bezirksklinikum Mainkofen

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