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« zurück zur Übersicht | veröffentlicht am 06.05.2017 von Stephen Hahn | 2399 Klicksteilen auf

Bürstenholzfabrik Fuchs: Von Besen und Borsten

In Empertsreut tut sich was. Und das seit fast 100 Jahren. Die Bürstenholzfabrik ist längst übergeben an den Sohn Robert, doch Vater Hans-Karl Fuchs ist immer noch täglich mit Leib und Seele bei der Arbeit dabei. Denn die Familie verbindet mit der Herstellung von Bürsten eine lange Tradition, Herzblut und viel Innovationsgeist, wie der Senior im Interview mit WAIDLER.COM zu berichten weiß.

 

Herr Fuchs, erzählen Sie bitte von den Anfängen der Bürstenfabrik.

Mein Großvater Johann Fuchs (Jahrgang 1881, Anm. der Red.) begann mit der Herstellung von Bürsten im Jahr 1925. Er betrieb neben der Landwirtschaft noch einen kleinen Holzhandel. Einer seiner Kunden berichtete ihm von einer steigenden Nachfrage nach Bürsten. Also entschied sich der Opa, aus Scheitholz Brotzeitbrettl, Handfeger, Besen, Schrubber oder auch Eisstöcke zu fertigen. Die Griffe wurden an der Drehbank gedreht. Man muss sich den Aufwand vorstellen. Der Großvater beschäftigte damals schon etwa 8 bis 10 Leute. Heute beziehen wir fertig zugeschnittene Bretter aus dem Sägewerk. Das Besenholz inklusive Sattel wird vollautomatisch produziert. Mein Vater, gelernter Drechsler, führte die Geschäfte von 1950 bis 1974, ehe ich den Betrieb übernahm.

Hans-Karl Fuchs mit einem Wiener Besen vor dem Bohrvollautomat, der ca. 250 Löcher in ein Besenholz bohrt

 

Wie kommen die Borsten in die Bürsten und aus welchem Material bestehen diese?

Wir haben einen Bohrvollautomat. Die Steuerung erfolgt mittels 120 unterschiedlicher Lochbänder. Die Maschine bohrt Löcher in das Besenholz. Die Anzahl variiert je nach Modell. Bei einem Wiener Wandbesen sind es etwa 250 Löcher. In die werden dann per Handeinzug ca. 200 gr Ziegenhaar eingezogen. Spezialaufträge oder kleinere Serien, also so um die 100 Stück, werden mit dem Vierspindel-Halbautomat gebohrt, ganz kleine Serien per Hand. Bei Großserien werden die Borsten automatisch eingezogen, bei Sonderbestellungen per Hand in Heimarbeit. Die Borsten stammen größtenteils aus Südamerika und China. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Kunst- und Naturfasern. Aktuell stehen die Naturfasern hoch im Kurs, die Leute stehen auf Bio. Rosshaar, Ziegenhaar, Schweineborsten ... die werden dann per Hand eingezogen, das wollen die Kunden.

 

Der Vierspindel-Handautomat eignet sich vor allem für kleine Serien und wird mit Hand und Fuß betrieben

 

Geben Sie uns bitte einen Einblick in Ihre Bürstenwelt, welche Modelle gibt es?

Insgesamt haben wir sicher einige hundert Modelle im Sortiment, die kann ich gar nicht alle aufzählen. Wir hatten mal einen Sonderauftrag über 300 Stück Zahnbürsten mit Schweineborsten, da der Kunde Allergiker war. Spezialanfertigungen per Hand sind beispielsweise die sogenannten Silberbürsten. Das sind Haar- und Kleiderbürsten mit einem Silberkopf, in den ein Monogramm eingeprägt wird. Adelshäuser wollen diese stabilen Naturbürsten, ebenfalls mit Schweineborsten. Wir produzieren antistatische Bürsten für die Filmindustrie, Tapezierbürsten für den Malerfachgroßhandel, Typenbürsten aus Nussbaumholz zur Reinigung der Computertastatur, Kuchenpinsel, Wannenschrubber zum Putzen von Schiffen, gebogene Rückenkratzbürsten, Hutbürsten aus Birnbaumholz, Nackenpinsel für Friseurfachgeschäfte, Schneeschieber für Photovoltaikanlagen und natürlich die gängigen Kehrbesen, Schrubber, Staubwedel usw.

Der Geldbesen ... immer wieder gern nachgefragt als Geschenk

 

Sehr interessant sind auch die Bienenbürsten für Imker. Die Borsten müssen aus hellem Rosshaar sein, da Bienen allergisch auf schwarzes Haar reagieren. Für eine Fluglinie haben wir mal Spezialbürsten zur Reinigung der Flugzeugturbinen produziert, für die Lufthansa die Hölzer für Handwaschbürsten.

 

Vielen Dank für das Gespräch.



Quellenangaben

Fotos: Stephen Hahn




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