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31.03.2021
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Abschied nehmen - Hospizverein im Landkreis Freyung-Grafenau e.V.

Abschied nehmen vom Leben, das ist wohl für niemandem leicht. Weder für die Angehörigen, noch für den Sterbenden selbst.

Eines der ältesten und größten Ehrenämter ist die Hospizbegleitung. Es ist kaum sichtbar, passiert eher im Stillen. Aber gerade deshalb leisten diese Ehrenamtlichen eine herausragende Arbeit.

 

Frau Wagner-Meier ist Koordinatorin des Hospizvereins im Landkreis Freyung-Grafenau e. V.. Sie hat sich Zeit genommen, um uns über den Verein und das Ehrenamt zu informieren. „Im Jahr 2001 wurde der Verein in Freyung gegründet“, so Frau Wagner-Meier, „dieses Jahr feiern wir 20-jähriges Jubiläum.“ Der Hospizverein im Landkreis Freyung-Grafenau e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der Leistungen und Hilfe ehrenamtlich und kostenfrei anbietet. Die Finanzierung wird über Mitgliederbeiträge und Spenden aufgebracht.

Aufgaben des Vereins

Die Aufgaben des Vereins lassen sich in drei Säulen gliedern:

  • I. Hospizarbeit und Hospizbegleitung
  • II. Begleitung der Angehörigen in der Trauer (Erwachsene und Kinder)
  • III. Hilfe und Informationsgebung bei der Patientenverfügung und der Vorsorgevollmacht


Die Hauptaufgabe des Vereins ist die Hospizbegleitung. Hier werden schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige in der letzten Lebensphase unterstützt und begleitet. Dies ist unabhängig von jeder Konfession und ist weltanschaulich offen in alle Richtungen.

Es ist ein aufsuchender Dienst und die Betroffenen können sich, wenn sie Hilfe in Anspruch nehmen möchten, melden. Nach einem Gespräch mit den Angehörigen und der Person selbst, wählt die Koordinatorin aus den einsatzbereiten Hospizbegleitern/innen eine/einen aus, der die Familie und den Sterbenden unterstützt und begleitet. Gespräche, Spaziergänge aber auch ganze Nachtbetreuungen werden übernommen, um so auch die Angehörigen etwas entlasten zu können.


Wichtig ist auch, durch Öffentlichkeitsarbeit den Hospizgedanken zu fördern und dazu beizutragen, dass Tod und Sterben als Teil des Lebens ihren normalen Platz einnehmen und nicht verdrängt werden müssen.

Hospizbegleiter/innen im Aktiven-Treffen/Austausch. (Hinweis: Foto wurde vor der Corona Pandemie aufgenonmmen)Hospizbegleiter/innen im Aktiven-Treffen/Austausch. (Hinweis: Foto wurde vor der Corona Pandemie aufgenonmmen)

Ausbildung zum Hospizbegleiter/in

Im Landkreis Freyung-Grafenau gibt es in etwa 160 ausgebildete Hospizbegleiter/innen, von denen 58 einsatzbereit sind und die, um es nochmal zu erwähnen, ihre Arbeit ehrenamtlich machen.

Die Ausbildung zum/zur Hospizbegleiter/in umfasst 80 bis 130 Stunden und findet direkt in den Räumlichkeiten des Hospizvereins in Freyung statt. Neben der Theorie gehört auch eine Hospitation von 15 Stunden zur Ausbildung. In einem Kurs sind acht bis zwölf Personen unterschiedlichen Alters. Wie in allen sozialen Bereichen ist auch hier der Frauenanteil sehr hoch.

Im Kurs beschäftigt man sich viel mit sich selbst, seinen eigenen Ängsten und seiner eigenen Biografie. Das Auseinandersetzen mit der Trauer und dem Tod ist ein wichtiger Bestandteil. „Wir wissen alle von Geburt an, dass wir sterblich sind, jedoch verdrängen das viele“, erklärt Frau Wagner-Meier.

Ausbildungsraum während der Corona-ZeitAusbildungsraum während der Corona-Zeit

Hospiz und Corona - Aber auch mit Abstand kann man nah sein.

Die Hospizbegleitung findet in Alten- ,Senioren-, und Behinderteneinrichtungen, auf der Palliativstation und natürlich auch zu Hause statt. Es ist fast immer der/die gleiche Begleiter/in. „So kann ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Das Geschenk in einer Hospizbegleitung ist das Einlassen des Sterbenden und seiner Familie auf den/die Hospizbegleiter/in“, erklärt Frau Wagner-Meier.

Auch während der Corona-Zeit wird der Dienst angeboten. Alle Hygienemaßnahmen, wie FFP2-Masken tragen, Desinfektion und Abstand halten, müssen auch hier eingehalten werden.

Der Verein hat auch eine Kooperation mit einem Kinderhospizdienst. Hier werden sterbende und schwerstkranke Kinder und Jugendliche betreut und begleitet.

Es ist okay zu weinen und es ist in Ordnung, fröhlich zu sein.

Nach dem Tod werden natürlich auch die Angehörigen weiter begleitet und unterstützt, wenn sie das möchten.

Hier gibt es das Angebot von Einzelgesprächen, aber auch das Lichtblickcafe. Hier kann man sich auch mit anderen Betroffenen austauschen.

Dieses Treffen findet einmal monatlich, wenn es die Situation wieder zulässt, jeden Dienstag statt. Das Angebot wird gut angenommen. Tendenz steigend. „Durch die Corona-Pandemie können die Angehörigen nicht oder nicht richtig Abschied von dem Verstorbenen nehmen. Unser Angebot der Einzelgespräche wird daher vermehrt in Anspruch genommen, “ so Wagner-Meier.

Niemand sollte alleine sterben, wenn er es nicht möchte.


Hospizbegleiterinnen während dem Regionaltreffen.
Hospizbegleiterinnen während dem Regionaltreffen.

 

Vielen Dank an alle Hospizbegleiter/innen, die wie wir finden, eine tolle und wichtige Arbeit leisten!

 

Gerne können Sie sich bei Bedarf an den Hospizverein im Landkreis Freyung-Grafenau e.V. wenden:

 

 

Kontakt:

Hospizverein im Landkreis Freyung-Grafenau e.V. 
Stadtplatz 1
94078 Freyung

Ansprechpartner 
Silvia Wagner-Meier 
Tel. +49 (0) 171 483 6819 
hospizverein-frg@web.de

www.hospizverein-frg.de


- cg


Hospizverein im Landkreis Freyung-Grafenau e. V.Freyung
Serie: Heimat-VereinWir stellen die verschiedensten Vereine aus der Region vor.

Quellenangaben

Fotos: Hospizverein im Landkreis Freyung-Grafenau e.V.

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