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07.04.2021
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Der Passauer Vertrag von 1552 | Ein Meilenstein der deutschen Konfessionsgeschichte

Reformation und Luthers 95 Thesen. Hat man alles schonmal in der Schule gehört, aber schon Ewigkeiten her. Wittenberg? Da hat doch Luther seine Thesen an die Kirche genagelt! Was hat das alles mit Passau zu tun? Eine ganze Menge.

Was war geschehen?

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts setzte sich das Gebiet des heutigen Deutschlands aus vielen kleinen sog. Reichsständen zusammen. Von einer einheitlichen Nation Deutschland konnte damals noch keine Rede sein.

Für die Gründung des deutschen Kaiserreichs sollten noch weitere ca. 300 Jahre ins Land gehen. Die sogenannten Reichsstände wurden von Fürsten, Herzögen, Markgrafen oder Kurfürsten regiert. Allen übergeordnet war der damalige habsburgische, römisch-katholische Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, Karl V. Anders als im Nachbarland Frankreich, konnte Karl V. allerdings nicht ohne die Zustimmung und das Wohlwollen der jeweiligen Reichsstände regieren. Diese Abhängigkeit sollte ihm zu Beginn des 16. Jahrhunderts zum Verhängnis werden. Zu dieser Zeit etablierten sich nämlich die Lehren von Martin Luther im gesamten Heiligen Römischen Reich. Luther kritisierte erstmals öffentlich die Zustände der römisch-katholischen Kirche. Hierbei verwies er u.a. auf das unverhältnismäßig große Vermögen der Pfarrer und sonstiger Geistlicher und hinterfragte den Sinn des Ablasswesens. Diese Kritik manifestierte sich in den 95 Thesen, die er im Jahr 1517 an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg nagelte. Das Ereignis selbst, als auch die Lehren verbreiteten sich in rasender Geschwindigkeit im gesamten Reich, sodass sich diese bald in den höchsten Rängen des Reiches wiederfanden. Es folgten Konvertierungen vom römisch-katholischen zum evangelisch-lutherischen Glauben. Eine wichtige Unterscheidung beider Konfessionen: Die evangelisch-lutherische Konfession war im Gegensatz zur römisch-katholischen Konfession der Überzeugung, dass die Vergebung Gottes allein durch den Glauben an Gott erreicht werden könne. Diese Überzeugung sah Geistliche als logische Konsequenz nicht mehr als unabkömmliche Zwischeninstanz zwischen dem Gläubigen und Gott. Dem Katholizismus angehörigen Kaiser Karl V. war diese Entwicklung ein Dorn im Auge. Er forderte Luther im Jahr 1521 anlässlich des Reichstags zu Worms zur Widerrufung seiner Thesen auf. Luther hingegen trat am Tag der Vernehmung vor und verharrte auf seinen Thesen mit den Worten „Hier stehe ich. Gott helfe mir. Ich kann nicht anders“. Nachdem man schließlich die Reichsacht über ihn verhangen und ihn für vogelfrei erklärt hatte, brachte ihn der sächsische Kurfürst Friedrich III. zur Sicherheit in die Wartburg. Friedrich - auch genannt - der Weise, war überzeugter Anhänger von Luthers Thesen und sollte ihn für die nächsten Jahre schützen. Aufgrund zunehmender Spannungen zwischen den Konfessionen entwickelte sich schließlich im Jahr 1531 der Schmalkaldische Bund – Ein Verteidigungsbündnis aus protestantischen Fürsten. In den Folgejahren von 1546 -1547 mündeten diese Spannungen im schmalkaldischen Krieg, bei dem die protestantischen Fürsten zunächst große Siege in Süddeutschland verzeichnen konnten. Jedoch wurde der Krieg bereits ein Jahr nach Ausbruch in der Schlacht bei Mühlberg 1547 zugunsten der kaiserlichen Truppen entschieden. Der protestantische Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen geriet in Gefangenschaft und der Krieg endete. Im darauffolgenden Jahr wurden im „geharnischten Reichstag“ von 1548 anschließend die zuvor von den protestantischen Fürsten eingeführten Reformen in Teilen Süddeutschlands wieder rückgängig gemacht. Die Reaktion der protestantischen Fürsten ließ nicht lange auf sich warten. Zusammen mit dem französischen König Heinrich II. erklärten sie dem katholischen Kaiser erneut den Krieg. Dieser ging als „Fürstenaufstand“ in die Geschichtsbücher ein. Mithilfe des französischen Königs gelang es den protestantischen Truppen erneut, die süddeutschen Gebiete zu besetzen und Kaiser Karl V. zum Rückzug bis nach Villach zu drängen. Die Ausgangslage, den Protestantismus reichsrechtlich anerkennen zu lassen, war damit besser denn je.

 

Gedenktafel am Lamberg-Palais am Domplatz in PassauGedenktafel am Lamberg-Palais am Domplatz in Passau

 

Die Verhandlungen zum Passauer Vertrag von 1552

Während erste Verhandlungen in Linz zu keiner Einigung führten, einigte man sich infolgedessen auf eine neue Verabredung. Die Wahl fiel auf das nahegelegene Passau. Am 1. Juni 1552 tagten daher erstmals Vertreter der protestantischen- als auch der katholischen Seite im heutigen Lamberg-Palais in Passau. Kaiser Karl V. ließ sich hier von seinem Bruder Ferdinand I. vertreten. Die Forderungen seitens der Protestanten beinhalteten u.a. die Freilassung der gefangen genommenen Fürsten sowie eine Einbindung und Anerkennung der protestantischen Konfession ins Reichsrecht. Außerdem sollte der Reichsfrieden gewahrt bleiben. Wenige Tage später wurden die Forderungen an Kaiser Karl V. übergeben. Dieser lehnte jedoch ab. Er hielt bis zuletzt an einer Wiederherstellung der religiösen Einheit fest und kam demnach den Forderungen nicht nach. Im darauffolgenden Villacher Gespräch zwischen Ferdinand I. und Karl V. wurden die Religionsartikel der Passauer Abrede insofern abgeändert, dass der Gewaltverzicht nur bis zum nächsten Reichstag beschränkt wurde. Unter erneuter Berufung seines Gewissens lehnte Karl V. weiterhin einen unbefristeten Religionsfrieden ab. Am 14. Juli 1552 – 6 Wochen nach Beginn der Verhandlungen- wurde der neue Vertragstext in Passau vorgestellt und unterzeichnet. Ebendieser Vertrag wurde der entscheidende Ausgangspunkt für den im Jahr 1555 beschlossenen Augsburger Reichs- und Religionsfrieden, der in seinem Kern die dauerhafte Koexistenz von Luthertum und Katholizismus festsetzte und damit den Frieden (wenn auch nicht dauerhaft) im Reich wahrte. Dem Passauer Vertrag von 1552 wird von Historikern eine fundamentale Schlüsselrolle zugeschrieben, da dieser die Voraussetzung für eine gegenseitige Annäherung gewährleistete. Eine reichsrechtliche Lösung zur gegenseitigen Verständigung von Konfessionen schien bis dato unmöglich gewesen zu sein. Noch heute erinnert die Gedenktafel am Domplatz in Passau an die historische Tragweite dieses Ereignisses.

 

Anmerkung:

Dieser Beitrag soll sozusagen die "Pilotfolge" für eine Serie von regionalen Ereignissen mit historischem Hintergrund sein. Wenn ihr euch für weitere solcher Themen interessiert, lasst es uns wissen und hinterlasst einen Kommentar!


- mh


Stadt PassauPassau

Quellenangaben

Foto: Andreas Praefcke

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