Ortsnamen und ihre Geschichte | Teil 4

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30.09.2022
Schöfweg
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Schöfweg und Schiefweg

Die zwei Scheefe des Landkreises Freyung-Grafenau

Gleichlautende Ortsnamen gab es schon immer und sind auch heute noch sehr verbreitet. Um sie dennoch unterscheiden zu können, werden teils Zusätze angehängt wie beispielsweise „im oder vorm Wald“. Andere, ursprünglich gleiche Ortsnamen haben sich mit der Zeit gewandelt und lauten heute unterschiedlich, so wie im Fall Schöfweg am Fuße des Brotjacklriegel und Schiefweg bei Waldkirchen. Beide Ortsnamen lassen sich auf die mittelhochdeutsche Form schëfwëc, (schëf als Nebenform von mittelhochdeutsch schif und wëc – Weg), also „Schiffweg“ zurückführen. Schiefweg ist etwas älter als Schöfweg, aber die ursprünglichen Schreibweisen waren gleich. Erste Nachweise gab es Anfang bis Mitte des 13. Jhd. als Scefwegare bzw. etwas später als Schefweg.

Beim heutigen Schiefweg kann man mit relativ großer Sicherheit sagen, dass der Ortsname von „Weg zu den Schiffen“ herzuleiten ist. Lag der im Jahr 1200 zum ersten Mal schriftlich erwähnte Ort doch an einem wichtigen Saumpfad, dem unteren Goldenen Steig. Schiefweg war sicher schon vor 1200 ein wichtiger Ort und gewann als Raststation für reisende Händler und deren Tiere stetig an Bedeutung.

 

Das bekannteste Bild von Schiefweg: das Emerenz-Meier-Haus, Geburtsort der bayerischen Volksdichterin.Das bekannteste Bild von Schiefweg: das Emerenz-Meier-Haus, Geburtsort der bayerischen Volksdichterin.

 

Beim heutigen Schöfweg hingegen gab es auch noch im 20. Jhd. verschiedene Theorien, woher der Ortsname ursprünglich stammte. Der zweite Teil, das Grundwort des Siedlungsnamen, -weg, ist selbsterklärend, beim vorangestellten Schöf- hingegen gingen die Meinungen auseinander. Es gab Vermutungen, dass es von dem althochdeutschen "scafan" herzuleiten ist, welches heute noch als Schaff (offenes Gefäß, Zuber) bzw. Schiff in unserem Wortschatz erhalten ist. Man nahm an, dass damit ein Wagen, der eine schaff­ähnliche Ladewanne hatte, gemeint sein könnte. Somit hatte der Weg, an dem der Ort entstand, zwar keine allzu große Bedeutung, da er in keiner Urkunde verzeichnet ist, aber immerhin war er so gut ausgebaut, dass er mit Fuhrwerken befahrbar war. Dies war zu dieser Zeit nicht selbstverständlich, da viele andere Wege nur für Saumtiere geeignet waren.

Letztendlich wurde dann aber doch dieselbe Erklärung wie bei Schiefweg für die wahrscheinlichste gehalten, also „Weg zu den Schiffen“, auch wenn der Schöfweger Weg weder bedeutsam war, noch geschichtlich belegt ist. Höchstwahrscheinlich war er eine Querverbindung zwischen dem von Niederalteich über Rinchnach nach Böhmen führenden Guntherweg und dem Goldenen Steig von Passau, bzw. Vilshofen. Diese Querverbindung führte von Schönberg nach Innernzell durch Schöfweg hinunter in den Lallinger Winkel, um dann in Niederalteich, also an der Donau mit ihren Schiffen zu enden. Um 1880 verlegte man den Weg über den „Maisberg“ an Allhartsmais vorbei, was heute ein Teil der B533 ist. Die Bedeutung dieses Weges für die Entstehung des Ortes wird mit einem roten Balken im heutigen Schöfweger Wappen festgehalten, bei dessen Gestaltung man sehr auf die Geschichte und die Herkunft des Ortsnamen achtete.

 

Der rote Balken symbolisiert einen Weg, der eine große Bedeutung für die Entstehung des Ortes hat. Sonne und Baum stellen die Lage im Sonnenwald dar. Die Farben verweisen auf die geschichtliche Verbindung zum Hochstift Passau (rot) und dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher (weiß/silber-blau).

Der rote Balken symbolisiert einen Weg, der eine große Bedeutung für die Entstehung des Ortes hat. Sonne und Baum stellen die Lage im Sonnenwald dar. Die Farben verweisen auf die geschichtliche Verbindung zum Hochstift Passau (rot) und dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher (weiß/silber-blau).

 

Dies erklärt aber nicht die Entstehung der heutigen Varianten der Ortsnamen. Im Verlauf der Namensänderung von Schiefweg wurde im 16. Jhd. aus Schefweg plötzlich Schöffweg bzw. sogar Schöfwög. Dies passiert in ähnlicher Form um den gleichen Zeitraum ebenfalls mit der damaligen Version des heutigen Schöfwegs. Grund für das plötzliche Auftreten des Umlautes ö ist die vermeintliche „Rückumwandlung“ von e zu ö. Man nahm an, dass das e in Schefweg vom bairischen Dialekt herrührte und dieses das ursprüngliche, hochdeutsche ö verdrängt hätte. Es schien in dieser Zeit eine Tendenz zum Hochdeutschen gegeben zu haben, weswegen solche hyperkorrekten Änderungen vorgenommen wurden und kurzerhand der Vokal ausgetauscht wurde. Während sich im weiteren Verlauf bei Schöfweg die e- und die ö-Varianten abwechselten und schließlich beim ö blieb, wurden bei Schiefweg weitere schreibsprachliche Änderungen vorgenommen. Im 19. Jhd. änderte man es erst zu Schifweg, angelehnt an das Nomen Schiff und einige Jahre später an das Adjektiv schief, zu Schiefweg.

Interessanterweise sagt die gesprochene, mundartliche Variante der beiden Ortsnamen mehr über die gemeinsame, ursprüngliche Variante aus als einem im ersten Moment bewusst ist. Denn dass Scheefe von einer der ersten Varianten, das im 13. Jhd. gängige Schefweg, zurückzuführen ist, scheint mehr als nachvollziehbar.


- TL


Serie: Zeitreise - Geschichten aus der RegionStädte, Märkte, Gemeinden - von der Entstehung bis zur Neuzeit.

Quellenangaben

atizu.uni-passau.de/de/atizu/ortsnamenliste/S/OnigUndAtizu
Private Aufzeichnungen von Christian W. Meier
Bildupload: Tabea Lepšík Tabea Lepšík Tabea Lepšík

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