Feuerwehren brauchen neues Image und neue Anreize

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10.03.2021
Teisnach
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Noch haben die Feuerwehren in der Marktgemeinde kein Nachwuchsproblem, aber es wird kommen! Davon ist 1. Kommandant Sandro Plötz überzeugt. Interessiert hatte er am 10. Februar 2021 per Video eine Expertenanhörung im Innenausschuss des Bayerischen Landtags zur Situation und Zukunft der Feuerwehren verfolgt. „Ich hätte sofort aus dem Nähkästchen erzählen können“, schrieb er anschließend dem Landtagsabgeordneten Alexander Muthmann (FDP), der Mitglied im Innenausschuss ist. Der Mail folgte jetzt ein Gespräch, an dem auch Bürgermeister Daniel Graßl teilnahm. „Es ist dringend nötig, neue Formen der Wertschätzung zu finden und Anreize zu schaffen, dass sich Menschen weiterhin ehrenamtlich engagieren“, fasste Alexander Muthmann das Ergebnis der Unterredung zusammen.

Sandro Plötz zum Beispiel fordert, dass die Feuerwehren das Geld, das sie erwirtschaften, mehr für ihre Zwecke ausgeben dürfen, denn vor allem die Förderung von Kameradschaft, Anerkennung und Motivation der Mitglieder, Nachwuchsgewinnung, und Werbung werden immer wichtiger und aufwändiger. Eine Idee wäre zum Beispiel auch ein Nachlass bei den Kindergartengebühren, wenn Familienväter bei der Feuerwehr Dienst leisten. 

An der Anhörung vor einem Monat im Landtag hatte Doris Rosenkranz als Sachverständige  teilgenommen, Soziologie-Professorin an der Technischen Hochschule in Nürnberg und  Vorstandsmitglied der Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern. Ihr Blick von außen und der Blick der einzigen Frau in der Expertenrunde auf den „Männerverein Feuerwehr“ hatte Sandro Plötz weiter motiviert, das Außenbild der Feuerwehr in Frage zu stellen. Die Aussagen der Professorin lauteten: Feuerwehren haben in zehn Jahren ein "massives Nachwuchsproblem.“ Um das zu vermeiden, müssten Vereine und Verbände immer mehr Zeit und Geld aufwenden, um die Freiwilligen zu betreuen. Anders als früher brauche das Ehrenamt jemanden, der sich darum kümmere, einen Freiwilligenmanager zum Beispiel. Als positiv wurde in der Teisnacher Gesprächsrunde vermerkt, dass das Regionalmanagement  der Arberland Regio GmbH im Landkreis Regen ein umfassendes Basis-Beratungs- und Weiterbildungsangebot für Ehrenamtliche geschaffen hat, das den Funktionsträgern viel bürokratische Arbeit abnehmen soll. „Man kann den Vereinen die Vorschriften nicht ersparen, aber man kann ihnen die Abwicklung abnehmen“, stellte der Landtags-abgeordnete Alexander Muthmann fest und nannte als Beispiel für enormen Aufwand die Datenschutzgrundverordnung oder den doppelten Verwaltungsaufwand zwischen Verein und Aktiven: „Dieser lästige Verwaltungskram muss vereinfacht werden, sagte Kommandant Plötz. Gut komme auch die Ehrenamtskarte des Landkreises Regen mit attraktiven Preisnachlässen an, berichtete Bürgermeister Daniel Graßl.

Gerade in ländlichen Regionen erschwere es der  demografische Wandel, genug Nachwuchskräfte zu gewinnen. Einige Jugendliche und Eltern ließen sich außerdem vom Image der Feuerwehr abschrecken. Sandro Plötz nannte dabei einige Vorurteile,  die sich hartnäckig hielten. Mit diesem negativen Bild könne man keine Leute erreichen, die der Feuerwehr nicht von Haus aus nahestehen. Er selbst könne sich kein vielseitigeres Engagement für das Allgemeinwohl, für das Miteinander und auch für die  eigene Entwicklung und Weiterbildung vorstellen. Derzeit sorge die Corona-Pandemie für zusätzliche Probleme. Der Übungsbetrieb falle weitgehend aus; es werde von Woche zu Woche schwieriger, bei den Kindern und Jugendlichen die Motivation aufrecht zu halten. Die Prognose des Kommandanten für die Zukunft der vier Wehren im Einzugsbereich der Gemeinde „In 10, 15 Jahren haben wir ein akutes Problem. Die Lücke tut sich jetzt schon bei den 25- bis 40-Jährigen auf und bei den Kindern und Jugendlichen unter 18.“

Wie lässt sich der drohende Nachwuchsmangel bei der Feuerwehr abwenden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Landtagsabgeordneter Alexander Muthmann, Kommandant Sandro Plötz und der Teisnacher Bürgermeister Daniel Graßl (v. l.)Wie lässt sich der drohende Nachwuchsmangel bei der Feuerwehr abwenden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Landtagsabgeordneter Alexander Muthmann, Kommandant Sandro Plötz und der Teisnacher Bürgermeister Daniel Graßl (v. l.)


Neben den Nachwuchssorgen mache den Feuerwehren auch der Ausstieg gut ausgebildeter und erfahrener Kräfte zu schaffen. Ein Leben lang bei der Feuerwehr – das  gelte schon längst nicht mehr. Männer Anfang 30, die beruflich oder familiär stärker gefordert seien, stiegen nach ein paar Jahren aus dem aktiven Dienst wieder aus.  Flexiblere Dienstmodelle könnten hier ein Ausweg sein, außerdem eine stärkere Einbindung von Frauen, was in Teisnach überhaupt kein Problem sei. Mit einer Frau als stellvertretender Vorsitzenden, einer Schriftführerin und einigen Frauen  im aktiven Dienst wisse man um die Stärke des weiblichen Geschlechts und hätte gerne mehr dabei.

Der schnellere Wechsel bei den Führungskräften sorge auch für immer mehr Nachfrage bei den Feuerwehrschulen, die den Bedarf nicht zeitnah decken könnten und andere Lehrgänge blockierten. „Die Feuerwehrschulen sind super, vor allem nach der Lehreroffensive vor ein paar Jahren“, sagte Sandro Plötz. Er plädierte aber auch für eine zusätzliche mobile Schule: Ausbilder sollten in die Region fahren und vor Ort Techniklehrgänge abhalten. Das wäre eine Chance für Einsatz- und Führungskräfte, die es sich nicht leisten könnten, eine ganze Woche von Arbeit und Familie weg zu sein, um einen Kurs an der Feuerwehrschule zu belegen. Ein weiterer Ansatz: Die rein auf Theorie basierenden Lehrgänge zum Beispiel  bei einem Kommandantenlehrgang oder Unfallvorhütungsvorschriften seien auch digital zu vermitteln. „Schule vor Ort  macht Kapazitäten an den Feuerwehrschulen frei!“

Apropos digital: Als unabdingbar bezeichneten alle Gesprächsteilnehmer eine zeitgemäße technische Ausstattung der Feuerwehren. „Bei der Digitalisierung hängen wir immer noch hinterher. Wenn man einen Laptop oder ein Tablet im Auto hat, gilt wird man immer noch belächelt. In allen Lebensbereichen wird digital aufgerüstet, bei der Feuerwehr nur zaghaft, andere Länder sind da seit Jahren schon viel weiter“, berichtete Sandro Plötz. Einigkeit bestand darin, dass in Zukunft wichtige Schlüsselstellen der Feuerwehren hauptamtlich möglich sein müssen, um keinen Konflikt zwischen Arbeitgeber und Ehrenamt zu erzeugen.

Trotz einiger aktuellen Problemstellungen und Herausforderungen werde man am Ball bleiben und nach vorne schauen.  Noch bestehe die Chance,  eine positive Veränderung herbeizuführen. Die Aufgabe Feuerwehr müsse zurück ins Bewusstsein und in die Verantwortung aller Bürger und Unternehmer, lautete die Zusammenfassung des Gespräches. MdL Muthmann versprach,  die Anliegen vor Ort als Input für die Arbeit in München zu nutzen. „Der Markt Teisnach nimmt einiges an Geld in die Hand für seine vier Feuerwehren“ so  Bürgermeister Daniel Graßl. „Für die Einsätze und die Bedienung der Geräte, aber auch für das gesellschaftliche Leben, ist es notwendig, dass die Bevölkerung mitzieht“, ergänzte Kommandant Plötz.


- SB



Quellenangaben

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Alexander Muthmann, MdL

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