Krise in der Wirtschaft weitet sich aus – Öffnungsperspektive gefordert

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05.02.2021
Passau
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Corona-Krise und Lockdown prägen die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK Niederbayern unter den Betrieben aus Industrie, Handel, Dienstleistung und Tourismus. Aber das Bild bleibt differenziert: „Die Krise weitet sich aus und die Zukunftsaussichten haben sich verschlechtert. Gerade bei Kleinunternehmen und Soloselbständigen steigt die Gefahr der Geschäftsaufgabe. In den betroffenen Branchen sinkt die Zustimmung zur Krisenpolitik der Regierung merklich. Gleichzeitig zeigt aber die für den Wirtschaftsraum Niederbayern so wichtige Industrie hohe Widerstandskraft“, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner die Umfrageergebnisse zusammen. In der Umfragerunde im vergangenen Herbst war die Lage noch eine andere, die meisten Branchen hatten zu diesem Zeitpunkt wieder Fuß gefasst. „Das Pandemiegeschehen und vor allem der zweite Lockdown haben die Aufholbewegung jetzt aber abgebremst“, sagt Schreiner. An den Zahlen der Konjunkturumfrage lässt sich das ablesen. Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die aktuelle Lage und die zukünftigen Erwartungen miteinander verrechnet, ist im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage um 13 Punkte auf einen Stand von 93 gefallen. Das ist ein spürbarer Rückgang, allerdings liegt dieser zentrale Indikator immer noch klar über dem historischen Tiefstand von 78 Zählern, der im Mai vergangenen Jahres erreicht wurde.

Die schwierige Lage drückt auf die Stimmung in der Wirtschaft. „Gerade in den Rückmeldungen der besonders betroffenen Unternehmen aus Bereichen wie Hotellerie, Gastronomie, Freizeit-, Kultur-, Messe- und Kreativwirtschaft spürt man viel Frustration und Verdrossenheit“, berichtet Schreiner. Der Blick in die einzelnen Branchen zeigt, wie uneinheitlich die Unternehmen Lage und Erwartungen bewerten, je nach individueller Ausrichtung und Betroffenheit in der Krise. So verwundert es nicht, dass im Hotel-, Gaststätten und Beherbergungsgewerbe mit 100 Prozent ausnahmslos alle befragten Unternehmen eine schlechte Geschäftslage melden. Nur jeder vierte Tourismusbetrieb erwartet für die nähere Zukunft eine Verbesserung – während mehr als die Hälfte mit einer weiteren Verschlechterung rechnet. 82 Prozent haben sinkende Umsatzerwartungen, 20 Prozent sehen sich akut in ihrer Existenz bedroht. „Das sind alarmierende Werte. Sollte der Lockdown nicht in absehbarer Zeit beendet oder zumindest gelockert werden, könnte es in der Tourismusbranche zu etlichen Unternehmenspleiten und Geschäftsaufgaben kommen“, warnt Schreiner. Endgültig zu den großen Krisenverlierern gehört zudem der Handel. Nur noch die Hälfte berichtet von einer guten oder zumindest befriedigenden Geschäftslage – darunter fallen insbesondere der Lebensmittel- und Onlinehandel. In allen anderen Betrieben ist die Stimmung schlecht. Bereits jetzt sind bei jedem zweiten Betrieb Umsatzrückgänge von bis zu 25 Prozent aufgelaufen und über 60 Prozent der Händler erwarten im laufenden Jahr ähnlich hohe Verluste. Dass die Kauflaune der Verbraucher eingebrochen ist, verschärft die Lage zusätzlich. Im Vergleich zur vorherigen Umfrage hat sich im Handel der Anteil der Pessimisten daher verdoppelt. Ganz anders hingegen ist die Lage in der niederbayerischen Industrie: „Drei Viertel der Industriebetriebe sehen sich von der Krise bisher nur wenig betroffen. Die Branche kann ihren Aufwärtstrend fortsetzen, die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage ist fast so gut wie im Januar 2020. Gerade der Fahrzeugbau hat sich stabilisiert, das ist ein wichtiges Signal“, findet Schreiner. Wie fragil aber diese Entwicklung ist, zeigt der Blick auf die Investitionspläne in der Industrie: Hier zeigt sich kein Aufbruch, Investitionen liegen weiterhin auf Eis. Und auch innerhalb der Branche gibt es Unterschiede, etwa in der Bauwirtschaft. Diese Unternehmen kamen bisher recht robust durch die Krise, doch nun melden die Betriebe Auftragsrückgänge von bis zu 70 Prozent und die Lagebeurteilung bricht folglich ein.

 

„Insgesamt zeigt sich, wie stark der Lockdown und die damit verbundenen Einschränkungen die Substanz der heimischen Betriebe angreifen. Durch die enge Verflechtung und die vielfältigen Beziehungen untereinander steigt die Gefahr von Ansteckungseffekten, das belegen etwa die 82 Prozent der Unternehmen, die stornierte oder weggebrochene Aufträge beklagen. Jeder vierte Betrieb kämpft mit Liquiditätsengpässen und acht Prozent befürchten eine Insolvenz“, bilanziert Schreiner die schwierige Situation der niederbayerischen Wirtschaft. Und er stellt Forderungen: „Was die Wirtschaft jetzt dringend benötigt, sind ehrliche Ansagen, Planungssicherheit und letztlich eine konkrete Öffnungsperspektive. Ein kurzfristiges Hin und Her zwischen teilweiser Öffnung und erneuter Schließung würde die Wirtschaft hingegen komplett zermürben. Lösungen mit Eigenverantwortung für die Unternehmen, wie sie beispielsweise gerade der Handel und die Gastronomie bereits vorgelebt hatten, müssen die Leitlinie für einen Aufbruch aus dem Lockdown sein. Denn die Zeit läuft für viele Unternehmen ab. Sie sitzen bei der Liquidität auf dem Trockenen, der Weg zur Pleite ist dann nicht mehr weit. Deswegen ist es wichtig, die Probleme bei den Hilfsprogrammen endlich zu beseitigen und die Auszahlungen zu beschleunigen. Bis dahin müssen zudem die Abschlagszahlungen erhöht werden. Wenn die Wirtschaft mittelfristig den Weg in die Erfolgsspur zurück finden soll, müssen zudem Faktoren wie Bürokratie und Steuerbelastung, Fachkräftemangel sowie steigende Energie- und Rohstoffpreise endlich angegangen werden.“

In die Konjunkturberichte der IHK Niederbayern fließen dreimal im Jahr die Einschätzungen von 450 regionalen Betrieben zu Wirtschaftslage und -erwartungen ein. Die befragten Unternehmen stellen eine repräsentative Auswahl aus den über 81.000 Mitgliedsbetrieben der IHK Niederbayern dar und kommen aus allen Wirtschaftszweigen und Unternehmensgrößen. Der detaillierte Konjunkturbericht samt einer Auswertung nach einzelnen Branchen ist interaktiv aufbereitet im IHK-Internetauftritt verfügbar: www.ihk-niederbayern.de/konjunktur


- SB


IHK für Niederbayern in PassauIHK für Niederbayern in PassauPassau

Quellenangaben

IHK für Niederbayern in Passau

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