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16.12.2020
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The Double Trouble in trouble?

„The Double Trouble” in trouble? – Musiker in der Coronakrise

Die Kunst und insbesondere die Musik ist nicht nur ihre Herzensangelegenheit, sondern ihr täglich Brot.

Kennengelernt haben sich die beiden Gitarristen Florian Hannig und Ulli Hansel vor knapp 10 Jahren. Damals standen sie mit ihren Bands „Jive“ und „Volume“ auf der Bühne, merkten, dass sie sich musikalisch und menschlich gut verstehen und begannen, gemeinsam zu musizieren. Die Gitarren waren meist griffbereit, wenn sie sich an diversen Lagerfeuern oder im Freyunger „Grammophon“ getroffen haben und dann wurde nächtelang musiziert – unplugged natürlich. Das sprach sich herum und aus dem eigenen Vergnügen bauten sie sich fast wie von selbst ein solides Standbein auf. Als wohl erstes Unplugged-Duo in der Gegend arrangieren sie die großen Coversongs für Gesang und ihre zwei Akustikgitarren, womit sie auch die originalen Klänge von Klavier oder Schlagzeug ersetzen.

The Double Trouble im Haidhäusl Haidmühle
The Double Trouble im Haidhäusl Haidmühle


So hatten sie gerade nach dem ersten Lockdown den größeren Bands gegenüber vielleicht einen Vorteil, denn Hansel und Hannig stehen als Duo auf der Bühne, sind also sowieso schon weniger und können besser Abstand halten, aber bringen den Sound einer ganzen Band mit. Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage waren ab August für The Double Trouble in fast normalem Maße in ihrem Kalender und „wir und auch die Leute waren einfach heiß auf Livemusik!“, so Hansel, der vor nahezu jedem der folgenden Auftritte von Hannig eine Nachricht bekam mit „i gfrei mi scha so stoak!“. Er erzählte von der Schockstarre, in der sie sich während des Lockdowns befanden: „wir wussten nicht einmal, ob wir uns zum Proben treffen dürfen, oder ob wir dann gleich mit einem Fuß im Gefängnis stehen. Und die finanzielle Hilfe, von der die Politik groß sprach, da kam bei uns als Musiker auch nichts an, denn die Hilfen waren nicht für den Lebensunterhalt, der uns ja flöten ging“. So mancher Musikerkollege habe mittlerweile einen Brotjob angenommen und ist derzeit Müllsortierer oder Helfer bei der Glaserei, um über die Runden zu kommen. Man kann sich kaum vorstellen, dass hier noch Zeit und Kraft bleibt für kreatives Schaffen.

Die beiden Musiker von The Double Trouble hingegen haben auch je ein weiteres Standbein, das sich mit den veränderten Verhältnissen mitentwickelte. Hansel ist einer der kreativen Köpfe bei der Freyunger Agentur ULTIMA Design und konnte die letzten Monate durch das gesteigerte Digitalisierungsinteresse einige Filmprojekte durchführen, die ohne die Coronaproblematik so nicht zustande gekommen wären. Auch Hannig ist nicht nur der Musik verschrieben, sondern auch der Kunst. Abstrakte Malerei und meist großformatige Portraitzeichnung in Acryl sind sein Metier, die in seinem Atelier in Grainet entstehen. Studiert hatte er an der LMU München das Fach Kunstpädagogik und auch wenn er auf dem besten Weg ist, sich als Künstler zu etablieren, so beschleicht ihn in diesen unsicheren Zeiten auch manchmal der Gedanke an die Pädagogik und die daraus resultierenden Berufsmöglichkeiten in der Gegend. Näher an seinen eigentlichen Interessen ist aber die Ausstattung zur Herstellung von Rahmen, die er sich im vergangenen Frühjahr zugelegt hatte. „Mittlerweile kann ich das schon ganz gut und es macht richtig Spaß, sich in dieses Handwerk einzufuchsen“, so Hannig.

Die beiden gehen mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und man hat fast das Gefühl, dass sie durch ihre flexible Art mit der für Musiker schwierigen und oft existenzbedrohenden Situation umzugehen wissen. So gab es auch ein gemeinsames Projekt, als sie für das Gemeindezentrum Neuschönau eine audio-visuelle Gestaltung zum Thema „Auf dem Holzweg“ erstellten. Die Filmkünste von Hansel verschmelzen mit der Malerei von Hannig zu einem Film für das dortige „Waidler-Kino“. Auch wenn sie derzeit nicht gemeinsam auf der Bühne stehen dürfen, so gibt es erste Pläne ihre Musik dennoch festzuhalten. Das vielleicht größte Problem ist für The Double Trouble allerdings das fehlende Publikum, denn die Interaktion macht es erst zu einem richtigen Erlebnis. Besonders gerne spielen sie „auf Zuruf“ und wagen sich vor den Zuhörern an ungeprobte neue Stücke. Ihre große Erfahrung lässt es zu und die beiden sind sich mit einem Schmunzeln sicher: „da sind oft schon ganz andere Stücke herausgekommen, als das gewünschte Original, aber meistens sind wir dem schon sehr nahe.“ Dieses Markenzeichen der oft spontan entstehenden Cover nun auf CD bringen, stellt sie vor ein Dilemma, denn da sollte ja gemeinhin jeder Ton sitzen – man will sich schließlich auch vor den Musikerkollegen beweisen. 


- cs


The Double TroubleGrainet

Quellenangaben

The Double Trouble



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