zurück zur Übersicht
20.04.2020
285 Klicks
teilen

Wie wird man eigentlich Goldschmied*in? - Ein Gespräch mit Michael Hofbauer

Ohrringe, Ketten, Armbänder, Ringe, … die Auswahl scheint schier endlos, wenn man sich entscheiden müsste. Schmuck ist heute noch genauso wie in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil im Leben - sowohl von Frauen als auch von Männern. Während Schmuckstücke in früheren Zeiten vor allem für Reichtum und Luxus standen, sind sie heute Ausdrucksmöglichkeit für Individualität, Mode und persönlichen Geschmack. Aber nicht nur das: der Ehering zum Beispiel hat immer noch eine wichtige Bedeutung und steht symbolisch für ein gemeinsames Leben. Die Wahl, welcher Ring es denn werden soll, fällt dann nicht immer leicht.

Schmuckstücke aus der GoldschmiedeSchmuckstücke aus der Goldschmiede


Die Person, die für den Schaffensprozess von solchen Schmuckstücken zuständig ist, ist der/die Goldschmied*in. Der Beruf ist heute nicht mehr so verbreitet wie früher, weil man viel Schmuck auch in der Industrie fertigt. Aber einer von ihnen ist Michael Hofbauer, der sich in Eging am See selbstständig gemacht hat und seine eigene Goldschmiede besitzt. Hier schätzt er vor allem, dass er sich die Zeit für die verschiedenen Arbeitsaufgaben relativ frei einteilen kann. „Der Großteil meiner Arbeitszeit sind tatsächlich Reparaturen, aber auch Neuanfertigungen sind eine klassische Aufgabe. Ich kann beispielsweise Trauringe neu machen, biete aber auch fertige Schmuckstücke von Firmen an. Auch Umarbeitungen müssen oft erledigt werden: wenn zum Beispiel ein Ohrring verloren gegangen ist, kann man dann aus dem anderen noch einen Anhänger oder einen Ring fertigen“, erzählt der Goldschmied über seine tägliche Arbeit. Möglich ist aber auch, dass man alten Goldschmuck zum Beispiel einschmelzen lässt und aus dem Material etwas komplett Neues schafft.

Für eigene Schmuckstücke ist die Kreativität natürlich stark gefragt. „Manchmal sieht man auch etwas in der Natur: eine Oberfläche, die gut aussieht, oder eine besondere Form. Wie man das dann umsetzt, ist aber eine andere Frage.“ Ein großer Erfolg und das, was an dem Beruf sehr viel Spaß macht, ist das Verkaufen selbst hergestellter Schmuckstücke, wenn die Kunden nämlich begeistert von den eigenen Ideen sind.

Michael Hofbauer bei der ArbeitMichael Hofbauer bei der Arbeit


Doch wie kam Michael Hofbauer überhaupt zu seinem Job?

Trotz Abitur tendierte er zu einem künstlerischen Ausbildungsberuf, der Goldschmied wurde es dann doch eher zufällig, nachdem ihn seine Mutter auf eine Anzeige in der PaWo aufmerksam gemacht hat. Nach einer erfolgreichen Bewerbung und einer Woche Probearbeiten begann er in Fürstenzell bei der Firma Niederhofer seine Ausbildung. Doch wie lief diese eigentlich ab? Die Lehre dauerte dreieinhalb Jahre und erfolgte im Block: drei- vier Wochen Berufsschule in München mit ca. drei Blöcken pro Jahr und dann wieder Arbeiten im Betrieb. Man lernt hier die verschiedenen Handwerkstätigkeiten an sich, wie man richtig feilt oder sägt, man beschäftigt sich mit Fassungen und Verschlüssen, erlernt verschiedene Techniken. Außerdem muss man im Laufe der Ausbildung Edelsteine richtig bestimmen und Schmuckzeichnungen anfertigen können. Wenn man den Meister draufsetzt, geht man bei den Lehrinhalten noch in die Tiefe und setzt auch Fokus u.a. auf Betriebswirtschaft und Recht.

MeisterstückMeisterstück


Der Beruf des Goldschmiedes bewegt sich heutzutage aber auch stark in Konkurrenz mit der großen Industrie und dem damit verbundenen Online-Handel. Zweifellos haben große Firmen ganz andere Möglichkeiten, ihren Schmuck herzustellen, aber es ist auch schön, in einen regionalen Betrieb zu kommen und sich mit dem/der Goldschmied*in vor Ort wirklich über den Schmuck und über die eigenen Wünsche unterhalten zu können. Mit relativ wenigen Werkzeugen, wie Hammer, Laubsäge, Lötgerät und Bohrer, können Goldschmiede individuelle und qualitativ hochwertige Schmuckstücke erzeugen, die einfach etwas ganz Besonderes haben.

Seit über drei Jahren bietet Michael Hofbauer in seiner Goldschmiede übrigens auch Kurse an, in denen man mal für ein paar Stunden selbst versuchen kann, Schmuck anzufertigen. „Ich möchte den Menschen zeigen, welcher Arbeitsaufwand im Schmuck steckt und dass selbst ein schlichter Ring viel Zeit brauchen kann“, sagt er dazu. Und dass zum Beruf des Goldschmiedes vielleicht auch mehr dazu gehört, als man auf den ersten Blick sieht.

Wer sich für den Schmuck von Michael Hofbauer interessiert, kann gerne mal auf der Website oder der Facebook-Seite, in der auch ein kleiner Shop integriert ist, vorbeischauen und sich selbst ein Bild davon machen.


- sh


Goldschmiede HofbauerEging

Quellenangaben

Interview mit Michael Hofbauer



Kommentare

Bitte registrieren Sie sich um hier Kommentare eintragen zu können!
» Jetzt kostenlos Registrieren oder haben Sie Loginprobleme?

Ähnliche Berichte

Wie wird man eigentlich Glockengießer*in? - Ein Gespräch mit Rudolf PernerPassau Wer stellt die Glocken, die in Kirchtürmen und Rathäusern läuten, eigentlich her? Ein Gespräch mit Rudolf Perner gibt Aufschluss.Mehr Anzeigen 20.07.2020Wie wird man eigentlich Instrumentenbauer? - Ein Gespräch mit Carlos MoraVilshofen Carlos Mora hat sich mit Piano Mora selbstständig gemacht und erzählt uns, wie man eigentlich den Beruf des Instrumentenbauers ergreift.Mehr Anzeigen 11.12.2019Regionales Handwerk: Ell ZahntechnikSchöfweg (Haus) Zahntechniker ist ein abwechslungsreicher Handwerksberuf, er vereint die Fähigkeiten des Modellierens, des Goldschmiedens, des Keramikers, des Schweißens, Lötens und Laserns in sich.Mehr Anzeigen 31.05.2019Regionale Kunst und Handwerk: Kreativgarten Tobias LagerbauerSpiegelau (Klingenbrunn) Kreatives aus Edelstahl mit Glas und Stein schaffen – diesen künstlerischen Anspruch hat sich der 32-jährige Tobias Lagerbauer aus Klingenbrunn gesetzt. In seinem Kreativgarten kann man die vielen Unikate des Handwerkers und Künstlers bestaunen.Mehr Anzeigen 11.09.2018AK SCHULEWIRTSCHAFT zu Besuch bei Zankl Bau in ViechtachViechtach Handwerk hat goldenen Boden. An dieser Aussage aus dem Volksmund ist sicher viel Wahres, doch der Fachkräftemangel macht auch vor einer der traditionsreichsten Handwerksregionen Bayerns, dem Arberland, nicht Halt.Mehr Anzeigen 30.06.2018Regionale Kunst und Handwerk: Pia Gerber, WolfenhausGrafenau (Hörmannsberg) Ton, Glas und Holz ... mit regionalen Werkstoffen arbeitet Pia Gerber im Wolfenhaus.Mehr Anzeigen 03.06.2015