Wie wird man eigentlich Instrumentenbauer? - Ein Gespräch mit Carlos Mora

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11.12.2019
Vilshofen
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Wie wird man eigentlich zum Instrumentenbauer? Über diese Frage habe ich mich mit Carlos Mora unterhalten, der sich in Vilshofen mit Piano Mora selbstständig gemacht hat.

Carlos Mora ist Klavier- und Cembalomeister, doch eigentlich hat er in seiner Heimatstadt Madrid Physik studiert. Mit dem Fach „Stehende Wellenanalyse“ und dem dazugehörigen Beispiel einer Orgelpfeife, begann die Liebe zwischen Carlos und den großen Orgeln. Er marschierte in eine Kirche in Madrid, ließ sich die Orgel vom Organisten zeigen und fing an, diese zu reparieren zu verbessern. Er war fasziniert davon, wie schön Mathematik aussehen kann, wie er selbst auch heutzutage noch sagt.

Piano Mora
Piano Mora


Als er in der Universität auf die Möglichkeit stieß, mit einem Chor nach Passau zu fahren, ergriff er diese Chance sehr schnell. Carlos, der selbst gern musizierte und sang, hatte nämlich einmal ein Foto der Passauer Orgel in einem Buch gesehen und wollte diese unbedingt einmal selbst sehen. Gesagt, getan.

Er reiste zusammen mit dem Chor nach Passau, lernte dort den Orgelbaumeister kennen und kam mit einem Ausbildungsvertrag wieder nach Madrid zurück. Carlos hatte noch ein Jahr Studium vor sich, das er erfolgreich abschloss, machte dann einen Intensivkurs in Deutsch in Berlin und begann dann sofort mit der Ausbildung zum Instrumentenbauer. Während dieser Ausbildung hat er auch seine heutige Frau Christine Sorgatz kennengelernt, die mit ihm zusammen Piano Mora führt. Auch Christine ist Klavier- und Cembalobaumeisterin und hat ihn erst dazu gebracht, überhaupt Klavierbauer zu werden und die Meisterprüfung zu machen.

Doch wie läuft die Ausbildung zum Instrumentenbauer eigentlich ab?

Zuallererst entscheidet man sich, auf welche Instrumente man sich spezialisieren möchte. Es gibt Ausbildungswege für Klavierbauer, Geigenbauer, Bogenmacher, Zupfinstrumentenmacher, Handzuginstrumentenmacher, Holz- oder Metallblasinstrumentenmacher. Grundsätzlich dauert die Ausbildung drei Jahre und läuft in Blockstrukturen ab. Das heißt, man verbringt eine gewisse Zeit im Betrieb und arbeitet schon wirklich aktiv mit und lernt dann wieder in der Berufsschule, um die Theorie dahinter zu verstehen. Leichter tut man sich übrigens auch, wenn man das Instrument auch selbst spielen kann – schließlich muss man es auch stimmen und hören, ob die Töne richtig klingen.

Erst wenn man den Meister macht, muss man übrigens zum Beispiel wie Carlos Mora sein eigenes Meisterwerk bauen – das heißt, ein Klavier komplett selbst zu berechnen und herzustellen. Ein Jahr ohne Schlaf kann man da durchaus rechnen, meint der Meister dazu augenzwinkernd. Von Lehrlingen erwartet man übrigens vor allem Lust und Geduld, die handwerklichen Prozesse millionenfach durchzuführen, bis sie ins Blut übergehen.

Carlos und Christine haben dann auch einige Zeit in Bamberg verbracht und dort sehr viel gelernt, aber 1993 haben sie bereits Piano Mora in Passau gegründet. Obwohl es zu dieser Zeit sehr viele Klavierhändler und -werkstätten im Raum Passau gegeben hat, hat sich Piano Mora durchgesetzt und betreut auch Kunden in München, Regensburg und Linz. Der Schlüssel zum Erfolg ist nämlich folgender:

Carlos Mora sagt selbst, dass es ihm schon immer wichtig gewesen sei, das Instrument des Kunden wertzuschätzen. Man sollte es nicht schlechtreden und ihm ein Neues aufschwatzen, sondern retten, was man retten kann. Im Gespräch merkt man schnell, dass er von einer Beziehung zwischen Instrument und Pianist spricht. Es geht um eine Beziehung, in der beide gleichgestellt sein sollen und man manchmal jemanden braucht, der dieses Gleichgewicht zwischen beiden wieder herstellt. Er ist ja eigentlich von Beruf Handwerker, aber manchmal kann man dazu auch Therapeut sagen.

Das, was Carlos Mora an seinem Beruf am meisten liebt, ist der Kontakt zu seinen Kunden. Er behauptet selbst, die besten Kunden der Welt zu haben, da diese ihm das nötige Vertrauen zu schenken, seine Arbeit richtig durchführen zu können. Als ich ihn frage, mit welchen Problemen seine Kunden meistens zu ihm in die Werkstatt kommen, lacht er nur. Er kommt den Problemen zuvor, erklärt er mir, weil er die Instrumente seiner Kunden warten darf.

In den wenigen Fällen, in denen man die Beziehung zwischen Kunden und Instrument nicht mehr kitten kann, bietet Piano Mora in Vilshofen nun einen Ausstellungsraum, in dem auch komplett neue Klaviere gekauft werden können. Egal, ob Anfänger oder Premium-Kunde, also jemand, der viel von seinem Instrument verlangt – jeder wird hier fündig. Gute Qualität ist Christine und Carlos überaus wichtig, es werden nur ausgewählte Stücke ausgestellt.

Das Team von Piano Mora.
Das Team von Piano Mora.


Als ich ihn übrigens frage, was seine Lieblingsmusik ist, kann er mit dieser Frage nicht wirklich viel anfangen. „Das ist, wie wenn du fragen würdest, was mein Lieblingsgefühl ist“, erklärt er mir. Musik geht sofort ins Herz und gehört genauso zum Leben wie Tanzen und Feiern. Nur bei Klaviermusik, da muss er stoppen, die kann Carlos nicht nebenbei laufen lassen. Bei ihm zuhause sind übrigens alle musikalisch, auch die Kinder musizieren selbst. Und während Christine und Carlos ihren Kindern ABBA und Beatles zeigen, hören sie im Umkehrschluss auch Bruno Mars und Ariana Grande. Es gibt gute und schlechte Musik, erzählt Carlos, aber auch schlechte Musik ist für irgendjemand anderen wieder gut.

Als ich im Laufe unseres Gesprächs selbst etwas beschämt zugebe, völlig unmusikalisch zu sein, erklärt mir Carlos lautstark das Gegenteil. Wenn wir als Menschen nicht musikalisch wären, gäbe es nämlich gar keine Sprache. Und wenn es keine Sprache gäbe, würde es diesen Text also auch nicht geben. Er wird also Recht haben, der Carlos Mora...


- SH


Piano MoraPiano MoraVilshofen
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Quellenangaben


Bildupload: Sandra Holler

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