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04.04.2020
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Abiturvorbereitung in Coronazeiten

Fast alles steht still. Gott lob sind die meisten Mitmenschen trotz Freizeit so vernünftig, machen – zumindest bislang - keine „Spaziergänge“ auf die Hausberge und setzen sich damit keinem Verletzungsrisiko im unwegsamen Gelände aus, was dann ja auch ein mögliches Risiko für die Bergretter darstellen würde. Auch die Crew eines gegebenenfalls erforderlichen Helicopters wird in der aktuellen Lage am Standort zu dringend benötigt als statt der Versorgung Schwerkranker Ignoranten aus Bergnot retten zu müssen. Hier gilt wirklich das Motto der Bergwacht Bayern „Bleibt‘s dahoam, der Berg rennt nicht weg“ im Sinne aller zu beherzigen. Nichts desto trotz müssen die Bergretter jederzeit mit Einsätzen rechnen.

Einer davon, der aus der derzeitigen Not eine Tugend gemacht und sich ständig für Bergwacht - Einsätze zur Verfügung stellt, ist Grafenauer Bergwachtler und Gymnasiast, der im Herbst 2019 seine Prüfungen zum Bergretter alle erfolgreich abgeschlossen hatte und sich nun verstärkt auf das im Mai anstehende Abitur konzentrieren wollte.

Aber die Vorbereitung auf den Schulabschluss wurde durch die Corona-Krise jäh unterbrochen. Holterdipolter wurden die Schüler noch schnell ins MEBIS (Programm für die Schulen) eingewiesen und dann war die Schule auch schon zu.

„Nach Startschwierigkeiten läuft es nun aber relativ gut, manchmal muss man sich halt zu etwas untypischen Zeiten einloggen“, so seine Aussage. Auch die Hilfestellung der Lehrer per Telefon und E-Mail ist meistens ausreichend, auch wenn die Erklärungen in der Schule schon manchmal fehlen. Zwischenzeitlich haben sich auch kleine Arbeitsgruppen mittels Videokonferenz gebildet.

Die technische Ausrüstung mit Laptop und Internet hat in der Abschlussklasse jeder, da man diese auch schon vorher zum Arbeiten benötigt hatte.

Aktuell sei es das Ziel, den verbliebenen Stoff durchzuarbeiten, Noten werden aber nicht verteilt. Was mit der noch ausstehenden Klausur geschieht, weiß derzeit noch keiner.

Pro Tag sitzt der Schüler zwischen vier und acht Stunden, auch am Wochenende über den gestellten Aufgaben, um alles bis zum jeweiligen Abgabetermin erledigt zu haben. Fächer, in denen er kein Abitur schreibt und deren Noten bereits feststehen, fallen nun komplett aus, da die Zeit für die noch entscheidenden Fächer genutzt wird.

Auf die Frage, ob ihn seiner Mutter – ebenfalls Bergretterin – nun mehr zu Hausarbeiten eingeteilt, meinte er: „A ned mehr als vorher“. (Eine spontane Anmerkung der Mutter: „Er hat vorher auch nichts gemacht!“)

Der Abiturient in Warteschleife hat zusammen mit zwei familienfremden Brüdern eine kleine Band, die nun nicht mehr zusammen musizieren darf. Kürzlich fand auf Radio U1 Tirol via Facebook ein Musizieren von bekannten Musikern statt, wo anschließend jeweils weitere Musikanten nominiert werden konnten, so auch die drei, die dann von zu Hause aus ihre Musikstücke vortrugen. „Das war echt toll“, so seine Aussage.

Der junge Bergretter hatte schon seit Jahren den Plan, nach dem Abitur Medizin zu studieren. An diesem Berufswunsch hält er weiter fest, obwohl die Zukunft insgesamt sehr ungewiss ist. So wurde das Abitur ja bereits um vier Wochen nach hinten verschoben; ob es da stattfinden wird? Um möglichst nahtlos sein Wunschstudium antreten zu können, hatte er sich bereits vor der Krise in Linz zum österreichischen medizinischen Aufnahmetest angemeldet und den Betrag von 110,00 Euro bezahlt. Dieser Test soll am 03. Juli stattfinden, wobei es durch die Verschiebung des Abiturtermins aber zu Überschneidungen mit einer eventuell erforderlichen mündlichen Prüfung im Rahmen des Schulabschlusses kommen kann. Insgesamt eine doch recht belastende Situation für die eigene berufliche Zukunft.

Der Abschlussball wurde bereits abgesagt, da der Termin vor dem derzeitigen Abschlusstermin gelegen wäre, die Abschlussfahrt nach Spanien wird wohl ebenfalls ins Wasser fallen. „Zumindest sind uns keine Unkosten entstanden, das ist doch auch schon was!“

Durch die die Schulschließung kann er nun den Grafenauer Bergrettern 24 Stunden an sieben Tage die Woche zur Verfügung stehen, auch dann, wenn die Bergwacht im Rahmen des Katastrophenfalls für andere Aufgaben angefordert werden würde. „So kann ich wenigstens im Rahmen meiner Möglichkeiten in dieser Krise helfen“, so seine Aussage. Auf die Frage, ob er sich Sorgen hinsichtlich einer Infizierung mache, meinte er: „Bei uns wohnen auch noch die Oma und der Großonkel, also Personen, die zur Risikogruppe zählen. Im Falle, dass eine Infizierung möglich erscheint, mache ich mir um mich keine Sorgen. Ich leb halt dann im Keller, wo ich keinen gefährde und lass mir das Essen vor die Tür liefern.“

Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt und er planmäßig in ein Studium starten kann, das ihn seinem Traumberuf näherbringt.


- sb


Bergwacht GrafenauGrafenau

Quellenangaben

Bergwacht Grafenau



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