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08.12.2019
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Wahre Begebenheiten aus dem Leben einer Konzert-Harfenistin

So eine Harfe ist ein schwieriges Instrument – aber lange nicht so schwierig wie jene Menschen, die eine Harfenistin buchen: Unternehmerinnen im rosa Glitzerdirndl, Konzerthallen am rechtsrheinischen Ende der Welt, biestige Hotelmitarbeiterinnen, traurige Hochzeitsgesellschaften, schallend lachende Trauergemeinden – und natürlich der Papst. Vom Menscheln, das den Musikbetrieb in allen Klangfarben begleitet, wusste Solokünstlerin Silke Aichhorn am Sonntagabend auf der GutsAlm Harlachberg ein Lied zu singen.

Silke Aichhorn bei einer kleinen Harfenkunde während der Pause.Silke Aichhorn bei einer kleinen Harfenkunde während der Pause.


„Das haben Sie sich jetzt sicher anders vorgestellt!“, meinte die Virtuosin im roten Jumpsuit zu ihrem Programm, das zwischen Harfenkunde, kabarettistischer Lesung und Konzert changierte. „Weil ich nicht ständig zum Psychiater rennen kann“, erzählte sie, „habe ich ein Buch darüber geschrieben, was einer Harfenistin so alles auf Reisen und bei Auftritten widerfährt.“ Ein Handbruch im vergangenen Jahr hatte ihr Raum und Zeit zur Verschriftlichung ihrer gesammelten Anekdoten gegeben. Der Titel „Lebenslänglich Frohlocken“ lag nahe, ist man mit einer 40 Kilogramm schweren und 1,85 Meter großen Doppelpedalharfe doch wohl grundsätzlich immer in himmlischer Mission unterwegs.

Obwohl sie häufig für Trauungen gebucht wird, machen sich bei Aichhorn bereits im Vorfeld gemischte Gefühle breit. Das liegt daran, dass ihr wahlweise Braut, Brautmutter oder Schwiegermutter in spe bis wenige Minuten vor der Zeremonie die Stückauswahl verhageln. So erging es ihr auch beim „Hochzeitsfall“ einer namhaften Unternehmerdynastie: Gefordert war zunächst der „Andachtsjodler“, dann kam die Ausladung, dann doch der Auftrag zum „Andachtsjodler“ und dem „Dritten Mann“. Die Thriller-Melodie, zu der die Brautleute „eine ganz besondere Verbindung“ hätten, musste in der Vornacht noch aufwändig für die Harfe arrangiert werden. Bei der Hochzeit selbst entfiel das Stück, ein anderes sollte gespielt werden, und schließlich wurde der ins hinterletzte Eck verbannten Künstlerin bedeutet, dass es mit dem Musizieren „jetzt auch langsam wieder genug“ sei.

Silke Aichhorn an ihrem Instrument.Silke Aichhorn an ihrem Instrument.


Gar nicht genug bekommen konnte hingegen das Publikum der GutsAlm: Dem berühmten Kanon Johann Pachelbels folgte Smetanas „Moldau“  – von den ersten zarten Wogen über Bauernhochzeit, Nymphenreigen, St. Johann-Stromschnellen bis nach Prag –, ein virtuoser Walzer von Auguste Durand, Robert Maxwells „Harping on a Harp“ und die schmissige Mozart-Adaption „Alla Turca Jazz“. Obwohl die Vorweihnachtszeit bei Berufsmusikern schnell zur „Bethlehemralley von Stille zu Stille“ verkommt, erwies Aichhorn ihren Zuhörern zuletzt noch die Wohltat und stimmte sie mit Karin Schrolls „Staad wern“ auf die erste Adventswoche ein.

Weiter geht es in der Reihe „Kunst&Kultur auf dem Harlachberg“ am 1. Januar 2020, wenn Max-Josef Kuchler seine Foto-Ausstellung „genauer hingschaut“ eröffnet.


- sb


Markt BodenmaisBodenmais

Quellenangaben

Miriam Lange
Fotos: Max-Josef Kuchler



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