Jubiläumsfeier „40 Jahre Vogelschutzrichtlinie in Niederbayern“

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27.09.2019
Philippsreut, Hinterfirmiansreut
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Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Europäischen Vogelschutzrichtlinie fand am Donnerstag, den 19. September, eine Veranstaltung zum Schutze des Braunkehlchens in Hinterfirmiansreut statt. Dazu hatten das Landratsamt Freyung – Grafenau, die höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Niederbayern und der Naturpark Bayerischer Wald eingeladen. Rund 40 Gäste, darunter der Landtagsabgeordnete Manfred Eibl (FW), zahlreiche ehrenamtliche Naturschützer und die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden, fanden sich zu diesem Anlass im Hotel „Bärenhof“ zusammen. Ziel der Veranstaltung war es, über die aktuelle Bedrohung der Vogelart „Braunkehlchen“ sowie die gemeinsame Besprechung zukünftiger Schutzmaßnahmen zu informieren. Zum Programm gehörten unter anderem Vorträge im Hinblick auf den aktuellen Bestand und Schutz des Braunkehlchens und die Enthüllung der Infotafel „Hilfe für das Braunkehlchen im Bayerischen Wald“.

Die Vogelschutzrichtlinie ist neben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie die zweite Grundlage des europäischen Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“. Da diese am 2. April 2019 40 Jahre alt wurde, haben in den niederbayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten sowie im Nationalpark Bayerischer Wald bereits zahlreiche Festveranstaltungen stattgefunden, um auf die Bedrohung einzelner Vogelarten hinzuweisen. Am 02. April 1979 wurde die erste große Naturschutzrichtlinie durch die Europäische Union erlassen.

Die EU beheimatet heute über 5000 Vogelschutzgebiete, darunter 12 Schutzgebiete in Niederbayern und 1 Vogelschutzgebiet im Landkreis Freyung - Grafenau. Im Zusammenhang mit Natura 2000 wurden im Landkreis, wie Wolfgang Lorenz (Regierung von Niederbayern) auf der Veranstaltung berichtete, bereits große Erfolge hinsichtlich des Schutzes und der Wiederbeheimatung des Enzians im bayerischen Wald erzielt. Nun möchte der Landkreis sich insbesondere für die Erhaltung und den Artenschutz des Braunkehlchens einsetzen, da dieses als Wiesenbrüter durch intensivierte Landwirtschaft und den immer weiterwachsenden Tourismus zunehmend bedroht ist. Aufgrund des Insektenrückgangs und dem Verlust von Futterquellen und Lebensraum befindet sich das Braunkehlchen derzeit am Rande des Aussterbens.

Die Veranstaltungsreihe soll anlässlich des Jubiläums insbesondere auf die Bedeutung der Vogelschutzrichtlinie für die Bewahrung des Naturerbes in Bayern aufmerksam machen und die bisherigen Bemühungen zur Erhaltung der charakteristischen, niederbayerischen Vogelwelt würdigen. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Grußworte der stellvertretenden Landrätin Renate Cerny und des Bürgermeisters der Gemeinde Philippsreut, Helmut Knaus, die gemeinsam ein symbolisches Mobile einweihten. Das Mobile repräsentierte die jeweiligen, bedrohten Vogelarten sowie die hier dringend notwendige, grenzüberschreitende Arbeit zum Schutze dieser Arten, hieß es.

Gemeinsam für den Schutz des Braunkehlchens: Die Gäste und Geehrten der Jubiläumsveranstaltung in Hinterfirmiansreut, darunter Abgeordneter Manfred Eibl und stellvertretende Landrätin Renate Cerny (beide Bildmitte)Gemeinsam für den Schutz des Braunkehlchens: Die Gäste und Geehrten der Jubiläumsveranstaltung in Hinterfirmiansreut, darunter Abgeordneter Manfred Eibl und stellvertretende Landrätin Renate Cerny (beide Bildmitte)


Während der Veranstaltung gab es informative Vorträge zum Thema Braunkehlchen. Martin Küblbeck vom Max-Planck-Institut in Seewiesen sowie Ales Vondrka, Mitarbeiter des tschechischen Nationalpark Sumava, präsentierten den aktuellen Forschungsstand zum Bestand des Braunkehlchens sowie notwendige Schutzmaßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt. Laut Küblbeck seien die größten Gefährdungsursachen der Rückgang der Insekten und eine zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft. Die Auswirkungen auf das Braunkehlchen seien nicht nur der Verlust von wichtigen Futterquellen und Lebensraum, sondern auch eine hohe Mortalität und ein geringer Bruterfolg. Dem müsse in naher Zukunft gemeinsam entgegengewirkt werden. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört die Bereitstellung von mehr Schutzgebieten und die Extensivierung der Grünflächen. Das Wichtigste sei dabei, stets Hand in Hand mit den Landwirten der jeweiligen Region zu arbeiten und geeignete Brutgebiete sowie Habitate des Braunkehlchens gezielt zu fördern und zu schützen.

Im Rahmen der Veranstaltung erfolgten weiterhin die Ehrung der „Natura 2000 - Paten“ Stefan Berger, Max Dittlmann sowie von fünf Schülern der Grund- und Mittelschule Perlesreut und deren Lehrerin, Gudrun Schlager, begleitet von Schulleiter Johann Friedl, die für ihr Engagement im Bereich Naturschutz ausgezeichnet wurden. Den ausgezeichneten Natura-2000-Paten wurde eine von Umweltminister Thorsten Glauber persönlich unterzeichnete Urkunde übergeben. Abschließend wurde die neue Infotafel „Hilfe für das Braunkehlchen“ durch Bürgermeister Helmut Knaus, Bürgermeisterin Margot Fenzl, Naturschutzfachreferent Werner Simmet, Wolfgang Lorenz und Naturpark Ranger Marco Müller enthüllt. Die Infotafel soll Wanderer und Touristen darauf hinweisen, das Braunkehlchen nicht in seinem natürlichen Lebensraum zu stören und somit ebenfalls zum Schutz und Erhalt des Braunkehlchens beitragen.


- SB


Landratsamt Freyung-GrafenauLandratsamt Freyung-GrafenauFreyung

Quellenangaben

Landratsamt Freyung-Grafenau

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