zurück zur Übersicht
17.08.2019
427 Klicks
teilen

Auf der Suche nach Rindenschröter und Gartenschläfer

Leises Surren durchbricht die Stille. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich auf der Wasseroberfläche. Ganz sanft wippen die Zapfen der Latschen im Wind. Und mittendrin tummeln sich ein paar Kleingruppen junger Naturfans aus ganz Deutschland. Einige davon blicken in Bestimmungsbücher, andere sind dabei Libellen oder Käfer zu fangen. Unterwegs sind sie im Rahmen eines Biodiversitätscamps rund um den Latschensee im Nationalpark Bayersicher Wald. Ihr Ziel: Möglichst viele spannende Arten finden.

Insgesamt neun Tage lang sind die 30 Teilnehmer im Alter von 12 bis 27 Jahren im kompletten Schutzgebiet auf Erkundungstour. Organisiert wird das Camp vom Deutschen Jugendbund für Naturbeobachtung. Finanzielle Unterstützung kam vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Organisatorische Hilfe bot der Nationalpark, der die Gruppe zum Beispiel im Wildniscamp einquartierte.

„Mein Highlight war bislang ein kleiner Hirschkäfer, der Rindenschröter“, erzählt Jakob Jilg aus Eberswalde. Gefunden hat er das Urwaldrelikt im Hans-Watzlik-Hain. „Unter der Rinde einer toten Weißtanne“, wie er ergänzt. „Es ist total spannend, wie viele Arten sich in der Wildnis tummeln“, findet auch Clara Bultmann aus Oldenburg. Fasziniert sei sie vor allem von der hohen Anzahl an Tieren, Pflanzen und Pilzen, die große Mengen Totholz zum Überleben benötigen.

Ein Teil der Camp-Teilnehmer hat am Latschensee gerade eine Libelle gefangen. Nach Literaturrecherche ist sicher: Es ist eine Hufeisen-Azurjungfer.Ein Teil der Camp-Teilnehmer hat am Latschensee gerade eine Libelle gefangen. Nach Literaturrecherche ist sicher: Es ist eine Hufeisen-Azurjungfer.


Begleitet wird die Gruppe von Jonas Hagge, selbst lange Jahre Vereinsmitglied und Nationalparkmitarbeiter im Bereich Biodiversitätsforschung. „Viele der Teilnehmer haben schon in jungen Jahre eine richtig gute Artenkenntnis“, lobt Hagge. Genau deswegen habe man sich auch entschlossen die Gruppe zu unterstützen. Neben dem Artensterben, das allein schon alarmierend genug sei, gebe es nämlich derzeit in der Gesellschaft auch einen Verlust an Artenkenntnis. „Umso wichtiger ist das Engagement der jungen Leute, um sich auf diesem Feld weiterzubilden.“

Neben Totholzkäfern, Fledermäusen und seltenen Moorarten hatte sich die Gruppe auch auf die Suche nach dem im Nationalpark seit langem verschollenen Gartenschläfer gemacht. Das kleine Nagetier haben die jungen Artenkenner zwar noch nicht entdeckt, dafür kam ihnen eine lebende Schlingnatter unter. Dies war erst der zweite bestätigte Nachweis dieser ungiftigen Schlangenart für das Gebiet des Nationalparks.


- sb


Nationalparkverwaltung Bayerischer WaldGrafenau

Quellenangaben

Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald



Kommentare

Bitte registrieren Sie sich um hier Kommentare eintragen zu können!
» Jetzt kostenlos Registrieren oder haben Sie Loginprobleme?

Ähnliche Berichte

Nationalpark testet Debarking HarvesterLindberg (Zwieslerwaldhaus) Seit gut einem Monat hat der Nationalpark Bayerischer Wald in den Rand- und Entwicklungszonen rund um Zwieslerwaldhaus eine neue Maschine zur Borkenkäferbekämpfung im Einsatz.Mehr Anzeigen 24.07.2020Feuerwehr übt im WildniscampLindberg (Zwieslerwaldhaus) Im Ernstfall geht es bei einem Brand im Wildniscamp am Falkenstein um jede Sekunde. Genau deswegen übten jüngst sechs Feuerwehren und die Rettungshundestaffel Zwiesel in der Nationalpark-Umweltbildungseinrichtung.Mehr Anzeigen 24.10.2018Rinder verlassen den HochschachtenFrauenau Auf dem Ruckowitzschachten in der Nähe des Großen Falkensteins gehören die nationalparkeigenen Rinder seit einigen Jahren zum gewohnten Erscheinungsbild. Heuer jedoch gab die aktuell zehn Tiere große Herde eine Premiere und weidete auch auf einer zweiten Fläche inmitten des Schutzgebiets – auf dem Hochschachten.Mehr Anzeigen 06.10.2018Ab in die Wildnis!Grafenau Umwelt. Natur. Zukunft. Diese Themen beschäftigten vergangene Woche 42 Studenten verschiedenster Fachrichtungen im Wildniscamp am Falkenstein. In den kommenden Monaten werden junge Frauen und Männer im ganzen Land aktiv sein – als Commerzbank-Umweltpraktikanten.Mehr Anzeigen 18.04.2018Hotspot des WaldnaturschutzesGrafenau Beeindruckt schlendern zwei der weltweit führenden Waldnaturschutz-Experten durch die Mittelsteighütte. Umgeben von hunderte Jahre alten Tannen und Buchen erklärt Franz Leibl, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, gerade die Einzigartigkeit dieses Stückchens Wald.Mehr Anzeigen 05.05.2017Raus aus dem Hörsaal, rein in die WildnisGrafenau Aus ganz Deutschland reisten Studenten ins Wildniscamp, um sich hier ihr Handwerkszeug für das Commerzbank-Umweltpraktikum zu holen – dabei zeigte sich der Bayerwald nochmal von seiner winterlichen Seite.Mehr Anzeigen 25.04.2017