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26.04.2018
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Flächennutzung: Wirtschaft stellt sich gegen Obergrenze

984 Quadratkilometer umfasst die Fläche des Landkreises Freyung-Grafenau – wie wird diese Fläche derzeit genutzt und wie steht das im Verhältnis zu Gesamtbayern? Antworten auf diese Fragen suchte das IHK-Gremium im Landkreis bei seiner Sitzung vergangene Woche. Zu Gast waren die Unternehmensvertreter dabei bei Gremiumsmitglied Martin Kremsreiter, dem Geschäftsführer von Parat in Neureichenau. Das Thema Flächennutzung werde derzeit heiß diskutiert, „aber wir wollen sachliche Information in diese emotional geführte Debatte bringen“, erläuterte der Vorsitzende des Gremiums, IHK-Vizepräsident Alois Atzinger. Die Position der Unternehmer sei dabei klar: „Die Wirtschaft in unserer Region stellt sich gegen eine Obergrenze bei der Flächennutzung“, betonte Atzinger. Dafür erhielt er den einstimmigen Rückhalt der gewählten Unternehmensvertreter. Alles andere beschränke die Entwicklungsmöglichkeiten der Region, würde die Grundstückspreise verteuern und der Bürokratie Vorschub leisten. „Die Entscheidungen sollten daher weiter die treffen, die sich auskennen und die es betrifft: die Städte und Gemeinden vor Ort“, forderte der Vorsitzende.

Die Zahlen und Fakten stellte in der Sitzung Christina Auberger vor, IHK-Referentin im Bereich Standort. Laut Daten des Statistischen Landesamtes besteht Niederbayern zu 89 Prozent aus Freiflächen, von denen die Landwirtschaft den größten Anteil nutzt. Von den restlichen elf Prozent entfällt über die Hälfte auf die Bereiche Wohnen und Verkehr, aber auch Grünflächen wie Campingplätze, Gärten oder Parks werden zu der Siedlungs- und Verkehrsfläche hinzugerechnet. Lediglich ein Prozent der Gesamtfläche wird von der Wirtschaft genutzt. Die Entwicklung über die vergangenen Jahre verlief analog: Flächenwachstum findet vor allem beim Wohnen statt und nicht beim Gewerbe. Speziell im Landkreis Freyung-Grafenau sehen die Verhältnisse ähnlich aus. Zwar hat hier zwischen 2011 und 2015 beispielsweise die Fläche im Bereich Wohnen um nur 1,5 Prozent zugenommen. Für den Bereich Erholung wurden zwei Prozent mehr Fläche genutzt. Im Schnitt betrug der Zuwachs bei der Flächennutzung jedoch nur 1,3 Prozent, da Gewerbe und Industrie ein Minus von 0,4 Prozent und der Bereich Verkehr sogar ein Minus von 1,3 Prozent verzeichneten.

Bei einem Firmenrundgang erklärte Parat-Geschäftsführer Martin Kremsreiter (5. von links) seinen Gremiumskollegen um den Vorsitzenden Alois Atzinger (10. von rechts) und IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner (8. von links), wie eine Motorhaube für Traktoren montagefertig entsteht.Bei einem Firmenrundgang erklärte Parat-Geschäftsführer Martin Kremsreiter (5. von links) seinen Gremiumskollegen um den Vorsitzenden Alois Atzinger (10. von rechts) und IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner (8. von links), wie eine Motorhaube für Traktoren montagefertig entsteht.

Anhand dieser Ergebnisse tauschten sich die Unternehmer aus. Die Rede war dabei von einer zum Teil „katastrophalen Infrastruktur“ im Landkreis, weitere Belastungen ergäben sich durch die kommende Maut auf Bundesstraßen sowie durch Bürokratie und Regulierung. Ein Vorschlag, um hier mehr Tempo zu bekommen: Die Landkreise könnten in einer eigenen Abteilung die Kompetenzen für den Gewerbebau bündeln, um die Taktung zu erhöhen und die Verfahren zu beschleunigen.

Ein Risikofaktor, den alle Unternehmer aus den unterschiedlichen Branchen nannten, war der Fachkräftemangel. Johann Ederer, Personalleiter bei Parat, stellte vor, wie sein Unternehmen hier gegensteuert: Mit Präsenz an Schulen, bei Messen und in allen Medien stelle man die Attraktivität einer Ausbildung bei Parat vor, auch in Verbindung mit den Möglichkeiten eines dualen Studiums. Der Blick richte sich ebenso auf das nahe Tschechien, doch auch beim Nachbarn über der Grenze herrsche Vollbeschäftigung. Was bleibe, berichtete Ederer, sei der Standortvorteil: „Daheim arbeiten ist doch ein besonderes Lebensgefühl.“ Als einen der Gründe für den Fachkräftemangel nannte IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner eine falsche Weichenstellung in der Bildungspolitik: „Nur noch das Studium wird als erstrebenswertes Ziel gesehen.“ Es sei daher entscheidend, die Chancen einer Karriere mit Lehre noch besser darzustellen. „Wer auf einer soliden Berufsausbildung aufbauen kann, sich weiterbildet und dann noch entsprechende Berufserfahrung sammelt, ist bei den Betrieben heiß begehrt. Genau solche Fachkräfte werden händeringend gesucht“, bekräftigte der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Die Frühjahrssitzung des IHK-Gremiums Freyung-Grafenau war die letzte in der Wahlperiode 2013 bis 2018. Die Vorbereitungen für die Neuwahl der IHK-Gremien und der Vollversammlung sind bereits angelaufen, im Juni und Juli sind über 80.000 wahlberechtigte Unternehmen im ganzen IHK-Bezirk aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.


- sb

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Quellenangaben

IHK für Niederbayern in Passau



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