In manchen Landstrichen mit Obstbau in China ist es still im Frühling. Dort, wo es wegen Pestizideinsatzes kaum mehr Insekten gibt, ist kein Zirpen und kein Summen zu hören. Von dieser erschreckenden Erfahrung berichtete einst ein Journalist im Radio. Die Kuratorin Lioba Degenfelder hörte den Beitrag und daraus entstand die Idee zur Ausstellung Land.schafft.Klang.
Die Ausstellung fängt den Klang von Wiesen und ihren Bewohnern ein und schafft über bewusstes Hinhören und Zuhören einen emotionalen Zugang zum Thema Artenschutz, wie Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich bei der Eröffnung im Freilichtmuseum Finsterau betonte. Organisiert und konzipiert wurde die Ausstellung vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, ermöglicht wurde sie durch die Unterstützung der Rosner Seidel Stiftung.

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und der wissenschaftliche Leiter der niederbayerischen Freilichtmuseen Dr. Clemens Knobling (hi. Mitte) mit dem Bürgermeister der Gemeinde
Schon in anderen Orten Bayerns hat die Wanderausstellung Besucher begeistert. Nun ist sie bis zum 28. Februar im Freilichtmuseum Finsterau zu sehen. Zu entdecken gibt es unter anderem, dass die Ruderwanze im Verhältnis zur Körpergröße als lautestes Tier der Welt gilt. Wer den Vergleich zwischen Streuobst- und Vielschnittwiese hört, erkennt sofort, wo sich mehr Arten tummeln. Eindrucksvoll ist auch das Requiem für die verschwundenen Arten, bei dem Musikerin Evi Keglmaier die Klänge von Birkhuhn, Grauammer und weiteren ausgestorbenen Tieren zu einem Musikstück arrangiert hat.
Dr. Olaf Heinrich sprach von einem neuen Ansatz, der eindrucksvoll vor Ohren führe, welche Folgen das Artensterben für die Umwelt haben werde. Er wies auch darauf hin, wie Klänge das Bewusstsein von Heimat beeinflussen können, und wünschte der Ausstellung viele Gäste, die die Erkenntnis mitnehmen, wie wertvoll die Musikanten der Natur sind.
In einer Diskussionsrunde gingen Heinrich, Kuratorin Lioba Degenfelder und Dr. Clemens Knobling, wissenschaftlicher Leiter der niederbayerischen Freilichtmuseen, der Frage nach, warum im Alltag weniger Klänge wahrgenommen werden. Dabei wurde auch bewusst, wie viele Arten bereits vor Jahrzehnten verlorengegangen sind. Knobling betonte: Heimat bewahren ist unser aller Ziel. Er hoffte, dass der ein oder andere Besucher zuhause beim Rasenmähen künftig ein wenig Wiese stehen lässt, für die vielen Geräuschemacher.

Bezirk Niederbayern