Die Probleme der Mittelschule und des Fachkräftemangels gemeinsam denken

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02.12.2023
Passau
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Walter Taubeneder gründet Arbeitsgruppe zur Erarbeitung von Vorschlägen für eine notwendige Bildungsreform

 

Als zum Schuljahr 2011/12 mit der Umstellung von der Haupt- auf die Mittelschule begonnen wurde, war der frühere Landtagsabgeordnete Walter Taubeneder als Mitglied des damaligen Bildungsausschusses des Bayerischen Landtags an federführender Stelle beteiligt. Neben der Ausweitung der Ganztagsbetreuung sowie der Flexibilisierung dieser Schulart durch die Möglichkeit des Erwerbs eines Mittleren Schulabschlusses im Rahmen des M-Zweiges hatte die Reform auch die Intention, durch eine Imageaufwertung infolge der Umbenennung sowie der Bildung von Verbundschulen die Schließung kleiner Hauptschulen vor allem auf dem Land zu verhindern. Rund ein Jahrzehnt später sieht Walter Taubeneder das System Mittelschule erneut unter Druck und hat sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen einer freien Arbeitsgruppe Vorschläge für eine notwendige weitere Reform im Bildungsbereich zu erarbeiten.

Der Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. beschreibt die Probleme der Mittelschule im Rahmen seiner diesjährigen Landesdelegiertenversammlung als vielfältig: An den Mittelschulen zeige sich eine erhöhte Anzahl verhaltensauffälliger Schüler mit mannigfaltige Lern- und Konzentrationsproblemen, vielfältigen psychischen Instabilitäten und daraus resultierenden Disziplinproblemen. Hinzu kommt ein meist sehr hoher Anteil nicht-deutschsprachiger und zugewanderter Kinder und Jugendlicher. Viele Heranwachsende haben zudem mit massiven familiären Problemen zu kämpfen, welche sie oftmals in die Schule tragen und welche sich auf das soziale Setting der Klassengemeinschaft auswirken. Häufig zeige sich dies auch am Image der Mittelschule als "Schule der Migranten", "Schule der Inklusion", "Schule der sozial Benachteiligten" und "Schule der Ausgelesenen". Diese Grundproblematiken führten bisweilen dazu, dass die Schülerzahlen an den Mittelschulen kontinuierlich sinken und sich ein enormer Lehrkräftemangel breit gemacht hat, beschreibt Walter Taubeneder die Situation. Dies belegen auch die universitären Kennzahlen: Die Anzahl der Einschreibungen für das Lehramt an Mittelschulen ist seit geraumer Zeit stark rückläufig und erholt sich nur unzureichend wieder.

Die Arbeitsgruppe um den früheren Schulamtsdirektor und stellvertretenden Landrat Klaus Jeggle, den Berufsschulverbandsvorsitzenden und MdL a.D. Walter Taubeneder sowie den Grund- und Mittelschulrektor Wolfgang Zehetmair versucht die Probleme der Schulart Mittelschule auch vor dem Hintergrund des enormen Fachkräftemangels in nahezu allen Bereichen vom Grundsatz her neu zu denken und ein Konzept zu erarbeiten, welches einen geänderten allgemeinbildenden Schultypus als Fundament für angehende Fachkräfte begreift. "Wir benötigen einen soliden schulischen Unterbau für die berufliche Bildung, um deutlich mehr junge Menschen an die Ausbildungsberufe, allen voran im Handwerk – aber auch im Dienstleistungsgewerbe und in der Industrie – heranzuführen", ist Taubeneder überzeugt. Andernfalls ergebe sich durch die weitere Verstärkung des Fachkräftemangels eine signifikante Gefährdung unseres Wirtschaftsstandorts. Weitere Ziele der konzeptionellen Arbeit seien die Entschärfung der Mangelsituation im Bereich der Lehrkräfte und – wie bereits bei der Reform der früheren Hauptschule – ein Gegensteuern zur Abmilderung der Ausdünnung von Angeboten der Sekundarstufe im Ländlichen Raum.

 

Wollen eine Debatte in Richtung eines geänderten allgemeinbildenden Schultypus als Fundament für angehende Fachkräfte anstoßen: Grund- und Mittelschulrektor Wolfgang Zehetmair (links), Berufsschulverbandsvorsitzender und MdL a.D. Walter Taubeneder (Mitte) und der frühere Schulamtsdirektor und stellvertretende Landrat Klaus Jeggle (rechts).
Wollen eine Debatte in Richtung eines geänderten allgemeinbildenden Schultypus als Fundament für angehende Fachkräfte anstoßen: Grund- und Mittelschulrektor Wolfgang Zehetmair (links), Berufsschulverbandsvorsitzender und MdL a.D. Walter Taubeneder (Mitte) und der frühere Schulamtsdirektor und stellvertretende Landrat Klaus Jeggle (rechts).

 

Aufgrund des Personalmangels sei der Betrieb der Mittelschulen oftmals nur noch mit Quereinsteigern zu meistern. Es ist auch nicht absehbar, ob die sukzessive Anhebung der Gehälter für dieses Lehramt allein dauerhaft zu mehr Einschreibungen sowie mehr schulartspezifisch qualifizierten Lehrkräften an den Mittelschulen sorgen wird. Die Zukunft der Mittelschule ist daher auch vor dem Hintergrund der personellen Situation weiterhin unter Druck. Wie der frühere Schulamtsdirektor Klaus Jeggle zitiert, stehen einem akademischen Bedarf von 18 Prozent derzeit Übertrittsquoten von 40 Prozent in Richtung der Gymnasien gegenüber, während der Bedarf an Fach- und auch Arbeitskräften bei weitem nicht gedeckt werden kann. Es bedarf daher einer systemischen Lösung, diese gesamtgesellschaftlichen Problemstellungen abzumildern. Hierbei ist zudem darauf zu achten, die vorhandenen Potenziale in unserem Land noch besser nutzbar zu machen, wie Berufsschulverbandsvorsitzender Walter Taubeneder ergänzt. Viele Schüler mit Migrationshintergrund bedürfen einer besonderen schulischen Förderung, um diese im besten Sinne "ausbildungsfähig" zu machen.

Vor diesen Hintergründen will die Arbeitsgruppe nun verschiedene Fachgespräche führen und Informationsbesuche abhalten, an deren Ende ein Vorschlag für eine Reform des bestehenden Systems stehen soll. Unter dem Arbeitstitel der "Regionalschule" soll ein Schulmodell konzipiert werden, das als attraktives Angebot die Schulstandorte in der Fläche sichert und bedarfsoptimiert zur beruflichen Bildung nach dem Schulabschluss hinführt. Besonders wichtig werden dabei der Umgang mit verschiedenen Kenntnisständen und Lerngeschwindigkeiten, ein breites Angebot an Profilbildung sowie eine gezielte Förderung individueller Talente sein. Diese Breite an Aufgaben und Angeboten wiederum kann nur dann darstellbar und umsetzbar sein, wenn sowohl die Schülerzahlen als auch der Personalkörper diese ermöglichen.


- SB



Quellenangaben

Walter Taubeneder, MdL a.D.
Foto: Christoph Weishäupl

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