Stadt Passau gibt NS-Raubkunst an jüdische Eigentümer zurück

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22.10.2023
Passau
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Zwei Gemälde werden an rechtmäßige Eigentümer übersendet

 

Die Stadt Passau gibt zwei Gemälde, die aus jüdischem Besitz in Paris stammen und während des Zweiten Weltkriegs als NS-Raubkunst in das Oberhausmuseum kamen, an die rechtmäßigen Eigentümer in Frankreich zurück. Die Übergabe wird in den nächsten Wochen stattfinden.

Im Zuge der Diskussionen über die Stadtgeschichte Passaus im Nationalsozialismus Ende der 80-er, Anfang der 90-er Jahre wurde die Forschung auf den Bestand aufmerksam, woraufhin sich auch der Kulturausschuss mehrfach damit beschäftigte. 1991 wurde der Grundsatzbeschluss gefasst, die fraglichen Objekte den rechtmäßigen Eigentümern zu restituieren, wenn diese festzustellen waren. Dies wurde im Mai 2000 vom Ausschuss erneut bekräftigt. 2001 wurden die Objekte – wie vom Ausschuss beschlossen – in die öffentlich zugängliche Datenbank „lostart“ eingestellt. Dort wurden die Anwälte aus Frankreich im Jahr 2019 auf das Gemälde von Bombois aufmerksam. Da die Erbfolge nach dem ursprünglichen Eigentümer zweifelsfrei dokumentiert wurde, war es für die Stadt Passau keine Frage, die Gemälde nach Vorlage der entsprechenden Erbfolgenachweise so bald wie möglich zurückzugeben. Schlussendlich wird dies nun Anfang November geschehen, die Übergabe ist in Paris geplant.

Konkret geht es um ein Ölgemälde von Camille Bombois (1883-1970), einem bedeutenden Vertreter der französischen Naiven. Bei den daraufhin folgenden eigenen Recherchen wurde ermittelt, dass sich im Oberhaus noch ein weiteres Gemälde befindet, das aus derselben Kunstsammlung in Paris stammt und somit den in Frankreich lebenden Erben zusteht. Die französischen Anwälte wurden darüber sofort informiert.

Das zweite Gemälde stammt von dem französischen Jugendstil-Maler Maurice Denis (1870-1943). Es zeigt den Sohn eines jüdischen Kunstsammlers, dem die Bilder ursprünglich gehörten. Dieser besaß eine bereits zu Lebzeiten renommierte umfangreiche moderne Kunstsammlung, über die schon in zeitgenössischen Publikationen berichtet wurde. Sein gesamter Besitz wurde 1942 von den deutschen Besatzern in Paris beschlagnahmt. Marcel-Joseph Monteux wurde zunächst in Paris interniert, dann im Juli 1944 in das NS-Sammellager Drancy bei Paris verlegt und schließlich nach Auschwitz deportiert, wo er am 15. August 1944 ermordet wurde.

 

v.l. Oberbürgermeister Jürgen Dupper, Museumsleiterin Dr. Stephanie Buchhold, Kulturreferent Dr. Bernhard Forster
v.l. Oberbürgermeister Jürgen Dupper, Museumsleiterin Dr. Stephanie Buchhold, Kulturreferent Dr. Bernhard Forster

 

Die beiden Gemälde gehören zum ursprünglich insgesamt 88 Werke zählenden so genannten „CCP-Bestand“ im Oberhausmuseum. Er umfasst Gemälde und Graphiken unterschiedlicher Epochen. Wie die Werke während des Zweiten Weltkriegs nach Passau kamen, ist bislang nicht bekannt. 1946 wurden die Werke von den US-Besatzungsbehörden aus dem Oberhaus in den „Central Collecting Point (CCP)“ nach München gebracht, um die rechtmäßigen Eigentümer zu ermitteln und sie ggf. zurückzugeben. Da keine Ansprüche angemeldet wurden, kamen die Objekte 1958 zurück in das Oberhausmuseum.

Für Oberbürgermeister Jürgen Dupper, der sich vor deren Versand die beiden Gemälde und ihre Geschichte vom Kulturreferenten Dr. Bernhard Forster und Museumsleiterin Dr. Stefanie Buchhold erläutern ließ, ist die Restitution ein wichtiger Schritt im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der NS-Verbrechen, aber konkret auch der Stadtgeschichte zu dieser Zeit.

Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Die Rückgabe der Gemälde an die rechtmäßigen Eigentümer ist für die Stadt eine Selbstverständlichkeit. Und auch wenn damit die Zeit nicht zurückgedreht und ein gerechter Zustand für die Opfer des Nationalsozialismus nicht erreicht werden kann, so ist die Restitution doch ein wesentlicher Teil der gesamten Auseinandersetzung mit diesem schrecklichen Abschnitt unserer Vergangenheit.“

Die Stadt Passau betrachtet die Rückgabe der Bilder zudem als Meilenstein und wichtigen Impuls für die Erforschung der Museumsgeschichte. Im Rahmen eines auf zwei Jahre anberaumten Forschungsprojekts sollen nunmehr die Geschichte des Oberhausmuseums im Nationalsozialismus und die Provenienzen der Museumsbestände systematisch erforscht werden. Hierfür hat der Kulturausschuss bereits am 11. Mai 2023 den Weg freigemacht und die Einrichtung einer entsprechenden Projektstelle befürwortet.


- SB


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Quellenangaben

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