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22.11.2021
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Sternenkinder: das Leben endet, bevor es begonnen hat

Das eigene Kind zu verlieren ist das Schlimmste, was einer Mutter oder Vater passieren kann. Insbesondere wenn das Leben des eigenen Kindes endet, kaum dass es begonnen hat, hinterlässt dies bei den Eltern tiefe emotionale Narben.

Der Begriff „Sternenkinder“ hat sich vor einigen Jahren etabliert und bezeichnet Kinder, die vor, während oder nach der Geburt mit einem Gewicht unter 500 g tot auf die Welt kommen. Sternenkinder deshalb, weil sie den Himmel erreicht haben, bevor sie das Licht der Welt erblickt haben.

Im Jahr 2020 endeten im Krankenhaus Freyung leider wieder 17 Schwangerschaften auf diese Weise.  Für die Eltern bricht damit eine Welt zusammen. Oftmals hat man den Kindern im Bauch bereits einen Namen gegeben und sich die gemeinsame Zukunft vorgestellt.

Um diesen Eltern in ihrer Trauer zu helfen, gibt es seit dem Jahr 2008 eine Grabstätte für sogenannte "stillgeborene Kinder" auf dem neuen Teil des Friedhofs im Waldvereinsweg in Freyung, unentgeltlich zur Verfügung gestellt von der Stadt Freyung.  Geziert wird der Grabstein von einem Schmetterling, ein Symbol für Verwandlung und Auferstehung.  Dieses Grab  kann von den betroffenen Eltern jederzeit besucht und auch mitgestaltet werden. Die Kinderkrankenschwester Kathrin Ernst-Zipp kümmert sich liebevoll um die Gedenkstätte. Ebenfalls übernimmt sie, gemeinsam mit dem Krankenhausseelsorger Herr Kaplan Thomas Hochwimmer, die Organisation des 3- bis 4-mal jährlich stattfindenden Trauergottesdienstes mit anschließender Beisetzung.

 Ein herzliches Dankeschön geht hierfür an das Bestattungsinstitut Pradl, das seit Jahren ehrenamtlich die Beisetzung übernimmt und an das Blumengeschäft Zeides, welches den Blumenschmuck für die Urne spendet. Der Förderverein des Krankenhauses Freyung übernimmt die Kosten für Grabschmuck, Blumen und Kerzen. Die Kliniken Am Goldenen Steig gGmbH bezahlt die Kosten für die Einäscherung.

Frau Ernst-Zipp selbst steht den Eltern der Sternenkinder gerne zur Seite. Der Schock über ein -meist abruptes - Ende der Schwangerschaft ist unermesslich groß und mit viel Schmerz verbunden. Dass der Tod immer noch ein Tabu-Thema ist, bekommen die Betroffenen leider oft schmerzlich zu spüren. Dabei empfinden die Meisten das offene, vertrauensvolle Gespräch als hilfreich. Das bewusste Abschiednehmen, zum Beispiel im Rahmen des Trauergottesdienstes, und die Möglichkeit, über den Verlust ihres Kindes reden zu dürfen, helfen den Eltern in ihrer Trauer und lässt sie eher wieder vertrauensvoll in die Zukunft blicken.

„Wer die Trauer nicht unterdrückt, seine Trauer lebt, kann früher wieder zuversichtlich nach vorne schauen. “, so Frau Kathrin Ernst-Zipp.

Der Hospizverein im Landkreis Freyung-Grafenau e.V. bietet einmal monatlich Gesprächsabende für verwaiste Eltern an. Der Nächste findet am 06.12.2021 statt. Coronabedingt ist momentan eine Anmeldung erforderlich unter der Telefon-Nr. 0171/4836819 oder per Mail an hospizverein-frg@web.de.

Außerdem gibt es eine Selbsthilfegruppe „Leere Wiege“ in Vilshofen, Interessierte können sich bei Frau Christine Nikl unter der Telefon-Nr. 08541/7903  melden.

Am 12. Dezember 2021 findet um 17 Uhr in der Stadtpfarrkirche Freyung eine Lichter-Andacht für alle verwaisten Eltern statt, zu der auch die Eltern von Sternenkindern herzlich eingeladen sind.


- SB


Kliniken Am Goldenen SteigFreyung

Quellenangaben

Kliniken Am Goldenen Steig gGmbH

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