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« zurück zur Übersicht | veröffentlicht am 13.05.2017 von Stephen Hahn | 768 Klicksteilen auf

Heimat-Musik: Pfiffkas

Musikalische Vielseitigkeit zeichnet das Quintett aus, gepaart mit einem Hauch ‚Pfiff‘, nicht zuletzt durch das variantenreiche und außergewöhnliche Ocarinaspiel von Vera Unfried. Gemeinsam mit Volksmusikantin Mariele Bernkopf erzählt sie im Interview mit WAIDLER.COM von dem umfangreichen Repertoire der Musikgruppe, besonderen Instrumenten und Musikantenstammtischen.

 

Euer Repertoire umfasst Volksmusikstücke, aber auch italienische und Jazz-Elemente. Wie kommt es zu so einer Mischung? Sind das eigene Vorlieben oder lässt man sich einfach gerne auch von anderen Stilrichtungen beeinflussen, animieren?

Mariele Bernkopf: Wie es zu so einer Mischung kommt ist gar nicht so einfach zu beantworten. Im Großen und Ganzen sind es wirklich persönliche Vorlieben von uns. Aber auch das Interesse an Folklorestücken anderer Länder. Ist einfach eine neue Hörerfahrung und wir versuchen diese mit unseren Mitteln eben um zusetzten. Mischungen aus verschiedenen Stilen liebe ich persönlich sehr. Man kann hier auch ein bisschen musikalischen Humor reinbringen, wenn man z. B. die Morgendämmerung aus der Peer Gynt Suite mit einem anderen Stück mischt. Die Leute verstehen auch diese Art von Humor sehr gut. Einfach nicht alles so streng trennen und so verbissen auf „einem Musikstil“, ob Klassik, Jazz oder Folklore bestehen. Ein lockeres Miteinander ist sehr lustig und nett.

 

Wo gibt es Musikantenstammtische, Hoagarten, bei denen Ihr aufspielt? Fühlt Ihr so eine Art Renaissance der klassischen Volksmusik?

Mariele Bernkopf: Die traditionelle Volksmusik erlebt zurzeit schon ein richtiges Comeback. Gerade viele junge Musikanten bekommen heutzutage eine sehr gute und fundierte Ausbildung am Instrument und auch in der Wiedergabe der traditionellen Stücke. Musikantenstammtische, Hoagarten gibt es zuhauf – zwar nicht ganz so viele in Niederbayern, aber im „Oberland“ und in den typischen Urlaubergebieten im Voralpenland ist hier eine Menge los. Auch in Österreich gibt es eine aufblühende Volksmusikszene, die ausgezeichnet ist.

 

Wie seid Ihr persönlich zur Volksmusik gekommen? Warum kein Rock, Pop oder Rap?

Mariele Bernkopf: Ich persönlich bin durch meinen Trachtenverein – Heimatverein Dorfbach – zur Volksmusik gekommen. Durch den damaligen Vorstand Günther Gulder und natürlich durch meine Eltern. Sie haben immer Volksmusik gehört und haben mir auch mein Instrument, das Hackbrett, geschenkt. Ich habe dann sehr bald in einer Gruppe mitgespielt und das verstärkt natürlich das Interesse und die Liebe zur Volksmusik. Daher VOLKSMUSIK. Das ist es wahrscheinlich auch, was ihr momentan einen neuen Erfolg beschert. Das schöne Miteinander und die Pflege des heimischen, angestammten Lied- und Musikgutes. Als Gegenströmung zur allgemeinen Globalisierung und Gleichmachung in vielen Dingen des täglichen Lebens. Rap, Pop u. ä. sind auf Kommerz ausgelegt. Und unglaublich schnelllebig und beliebig austauschbar. Ich höre gerne auch die momentan aktuellen englischen oder deutschen Songs im Radio, aber das war‘s auch schon. Vielleicht bin ich auch schon zu alt, um mich länger und ausdauernd dafür zu interessieren. Klassik ist hier was Anderes. Ich liebe Bach und Händel sehr und auch alte Musik höre ich mit Leidenschaft – und singe diese auch mit Leidenschaft.

 

Ein, zumindest für mich, selten gespieltes Instrument ist die von Vera Unfried gespielte Ocarina. Was ist das für ein Instrument, was zeichnet es aus? Wie kommt man dazu, so ein Instrument zu erlernen?

Vera Unfried: Die Ocarina ist eine Gefäßflöte, und wird in der Regel aus Ton hergestellt. Es gibt sie in vielen unterschiedlichen Größen von Bass-Ocarina bis Piccolo und in vielen verschiedenen Formen. Man kann auf Tier-Ocarinas genauso spielen wie auf abstrakten Formen. Die tiefen Ocarinas haben einen wunderschönen ruhigen und erdigen Klang und die hohen Ocarinas klingen wie Vogelgezwitscher. Das Wort kommt aus dem Italienischen. Oca = Gans und Ocarina = Gänslein, Vöglein. Die Ocarina kommt auch aus Italien, aus dem 19. Jahrhundert. Ich bin zur Ocarina gekommen, weil von mir nicht weit entfernt ein Ocarina-Bauer lebt, der ein Geschäft und ein Museum hat, und den habe ich kennengelernt. Ich habe dann angefangen, selber Ocarina zu spielen, weil ich auch andere Flöten spiele, und daher war es für mich leicht erlernbar. Ich bin mittlerweile schon auf einigen Ocarina-Festivals gewesen, in Italien, Österreich, aber auch in Südkorea und Taiwan, weil sie dort sehr beliebt ist. Und ich kenne viele Spieler aus der ganzen Welt. Mich fasziniert an der Ocarina, dass der Musik, die man auf der Ocarina spielen kann, keine Grenzen gesetzt ist. Bei uns ist sie in der Volksmusik bekannt, aber man kann auch Klassik und Jazz und Popmusik damit machen. Es gibt in anderen Ländern ganze Ensembles, die alle Ocarina spielen, und auch viele Kinder-Gruppen.

 

Welche Beziehung hat jede/r einzelne von Euch zu ihrem/seinem Instrument?

Mariele Bernkopf: Jeder Musikant oder Musiker liebt sein Instrument. Es ist wie ein außenliegendes Organ – man kann nicht ohne Existieren. Ärgern tut mich mein Tenorhackbrett nur dann, wenn ich es wieder zu transportieren habe. Es ist relativ groß, schwer und unhandlich zu transportieren. In diese Liste reihen sich auch Tube, Kontrabass und Harfenspieler ein. Das ist aber auch schon das einzige Manko.

 

Wo und zu welchen Anlässen tretet Ihr auf?

Wo wir angefragt werden. Schon eher in unserer Gegend – von Bodenmais bis München waren wir schon unterwegs. Aber hauptsächlich doch in unserer Gegend. Das heißt in unserem Fall, dass wir in den Landkreisen Deggendorf, Passau und Freyung unterwegs sind. Ist eh schon ganz schön weitläufig. Ich (Mariele Bernkopf, Anm. d. Red.) würde wahnsinnig gerne mal in Irland spielen. Was die wohl von unserer Volksmusik halten würden?

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Pfiffkas, das sind:

Vera Unfried (Okarina, Flöte, Gesang)

Florian Kasberger (Steirische, Gesang)

Mariele Bernkopf (Hackbrett, Flöte, Gesang)

Regina Augustin (Gitarre, Percussion, Gesang)

Christian Schrenk (Bass, Gesang)



Quellenangaben

Fotos: Pfiffkas




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