Schulanfang 2015: Zur Geschichte unserer Schrift

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10.09.2015
Tittling
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Am 15. September ist es wieder soweit: das neue Schuljahr beginnt. Für viele ältere Schüler nicht mehr als ein lästiges Übel, ist die Schule gerade für die ABC-Schützen und die Mehrzahl der höherklassigen Grundschüler eher Abenteuer und aufregender Lebensabschnitt. Anlässlich des ersten Schultages wollen wir uns heute etwas intensiver mit der Geschichte der Schreibschrift in der Schule beschäftigen.  Dazu gibt es seit einigen Jahren eine Dauerausstellung in der ältesten noch erhaltenen Volksschule Deutschlands. Sie steht im Museumsdorf Bayerischer Wald.

                                            

Unsere Schrift hat ihren Ursprung im Lateinischen Alphabet um 700 v. Chr.. Die Latiner übernahmen und ergänzten das auf dem Griechischen basierende Alphabet der Etrusker.

 

Lapis Niger, lat. schwarzer Stein“

Dieses älteste lateinische Schriftdokument stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr..

 

Durch die Eroberungen der Römer und die damit verbundene Verwaltungstätigkeit verbreitete sich die lateinische Schrift im ganzen Herrschaftsgebiet. Die Buchstaben waren ähnlich unserer heutigen Schreibschrift leicht schräg gestellt und miteinander verbunden.

 

In der karolingischen Zeit um 700 n. Chr. wurden die gebräuchlichen Schriften vereinheitlicht. Auf dieser neuen einheitlichen Schrift fußen die gotische wie auch unsere heutige lateinische Schrift. Ein wesentliches Merkmal der karolingischen Minuskel sind ihre Rundungen.

(Großbuchstaben - Majuskeln - wurden als rein kalligraphische Varianten genutzt.)

 

Zunehmende wirtschaftliche und verwaltungstechnische Bedürfnisse haben im 12. Jahrhundert die neue gotische Kursive hervorgebracht. Die Rundungen wurden gebrochen, spitze Winkel und eckige Formen entwickelten sich. Charakteristisch
für alle Varianten sind gerade und gestreckte Schäfte sowie auf der Zeile stehende, eng gefügte Buchstaben.

 

 

 

Mit dem Rückgriff auf ältere Schriftformen entwickelte sich die humanistische Kursive im 15. Jahrhundert. Bei ständiger Weiterentwicklung bestimmte die Schreibschrift als Kanzlei- und Kurrentschrift die Geschäfts- und Individualschrift bis ins 20. Jahrhundert.

Wir sprechen von einer Laufschrift (lat. currere „laufen“).

 

Es entwickelten sich die Kanzleikursive als Schreibschrift für Ämter und Kanzleien und die Frakturschreibschrift als Druckschrift (Buchschrift).

 

Per Erlass wurde 1714 in Preußen eine Normschrift eingeführt. Spitze, nach rechts geneigte Formen sind charakteristisch für die deutschen Kurrentschriften.

 

Die letzte Normierung erfuhr die Kurrentschrift durch den Graphiker Ludwig Sütterlin. Seine normierte Handschrift wurde ab 1930 in den meisten deutschsprachigen Ländern im Schulunterricht geschrieben.

 

 

Per Erlass der Nationalsozialisten wurde 1941 die Sütterlinschrift als „Schwabacher Judenlettern“ verboten. Die lateinische Schrift wurde zur deutschen „Normal-Schrift“ ausgerufen.

 

Diese Verordnung wurde nach Kriegsende nicht rückgängig gemacht. So setzte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die lateinische Schrift als Schreibschrift im deutschsprachigen Raum durch.

1951 wurde die Sütterlinschrift als Zweitschrift wieder eingeführt, wurde aber kaum praktiziert.

 

In Bayern wurde die Lateinische Ausgangsschrift 1966 verbindlich eingeführt.

Die Schrift wurde vom Iserlohner Schreibkreis aus der Deutschen Normalschrift entwickelt.

 

 

Mit einem neuen Lehrplan für die Grundschule in Bayern wurde die Vereinfachte Ausgangsschrift 2001 für alle Grundschulkinder verbindlich. Die Lateinische
Ausgangsschrift wurde damit abgelöst. Diese Schreibschrift (verbundene Schrift,
alle Kleinbuchstaben werden verbunden) wird derzeit in unseren bayerischen
Schulen verwendet.

 

 

Zur Historie der ältesten noch erhaltenen Volksschule im Museumsdorf Bayrischer Wald:

Die Schule wurde in den Jahren 1666 bis 1670 im niederbayerischen Markt Simbach bei Landau erbaut und war 110 Jahre kultureller Mittelpunkt des Marktes. Das Gebäude diente gleichzeitig als Schul- und Marktschreiberhaus sowie als Gefängnis. 1780 wurde es verkauft, bis 1976 war es bewohnt. Das Haus wurde 1977 ins Museumsdorf Bayerischer Wald übertragen.

 



Quellenangaben

Heinrich Merz

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