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16.04.2018
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Heimat-Musik: Nickl Deandln

Die Nickl Deandln feiern heuer ihr 20-jähriges Jubiläum. Solange singen die beiden Schwestern Ingrid Hupf und Irmi Nickl schon gemeinsam, musizieren bei Hoagarten und Festen. Emotional tief verwurzelt im Bayerischen Wald, sind für die Geschwister die Begriffe Musik und Heimat untrennbar miteinander verbunden - wie sie selbst -, berichten sie im Interview mit WAIDLER.COM.

 

Welches Repertoire spielt Ihr und zu welchen Anlässen tretet Ihr auf?

Wir singen bevorzugt bayerisch regionales Liedgut, Passionslieder, Advents- und Weihnachtslieder, kirchliches Liedgut und alles, was uns gut gefällt oder mit dem wir uns identifizieren können. Wir musizieren bei Hoagarten, Musikantentreffen (Anm.: aktuell jeden 3. Donnerstag im Gasthaus Zum Goldberg in Hunding ab 19 Uhr), Maiandachten, Passions-, Advents- und Weihnachtssingen, Taufen, (Silber-/Gold-) Hochzeiten, in Behinderten- und Altersheimen kann man uns hören und überall dort, wohin man uns einlädt.

 

Auftritt der Nickl Deandln im Baderhaus Bischofsmais 2018, 'Liab und Fensterln'

 

Was ist Heimat für Euch? Wie drückt sich Heimat in der Musik aus?

Heimat ist die Mischung aus den (Dorf-) Leuten, den Waidlern, die uns beim Aufwachsen begleitet haben, und aus der Landschaft bzw. der Architektur: Der Büchelstein oder der Grattersdorfer Kirchturm, egal aus welcher Richtung betrachtet, ruft in uns ein genauso echtes Heimatgefühl hervor, wie wenn wir z. B. lieb gewonnene Menschen treffen und mit ihnen ratschen. Musik und Heimat sind ein schier unzertrennbares Band: die Liebe zur Heimat und zum Woid spiegelt sich in so vielen Liedern und Stücken wider; schöner könnte man es selber nicht schreiben bzw. vertonen.

Ingrid Hupf: Ich beobachte, dass sich der Waidler in manchen Liedern etwas tiefstapelt z. B. "a wenn ma a so ausschaun, oba dumm han ma ned" oder sich als "Hinterwaidler" und ‚zurück geblieben‘ bezeichnet. Das mag ich persönlich nicht so gerne, weil ich unbändig stolz bin auf "meinen" Woid und meine Heimat. Hier braucht es noch mehr Rückgrat in Sachen Selbstbewusstsein. Wir haben das große Glück, in einer zauberhaften Natur / Landschaft wohnen zu dürfen, die wir tagtäglich genießen dürfen. Wir können einerseits ab der Haustüre mit den Langlaufskiern oder zum Wandern starten und andererseits ist der Weg zum Hausarzt auch nicht weit. Wir hören das Glockengeläut von der Nachbarspfarrei und kein Rauschen der Autobahnen.

Diese Zufriedenheit und Geborgenheit spiegeln sich in vielen unserer Waidlerlieder wider. Logisch, dass es dem Waidler recht wehmütig wird, wenn er an seine letzte Stunde denkt: nichts bleibt verständlicher, als der Wunsch: "deckts mi mit Fejdstoa zua!" oder "Herrgott, loss an Woid ned sterbm!".

Irmi Nickl: Heimat in der Musik drückt sich für mich aus in Liedern, welche die Region, die Natur, z. B. den Bayerischen Wald, beschreiben oder in Liedern, die das Leben, die Arbeit der Menschen dort beschreiben.

 

Waidlamarsch auf der Hochzeitstorte von Ingrid Hupf

 

Wie kamt Ihr zur Musik, seit wann spielt Ihr zusammen?

Wir waren beide aktive Sängerinnen im Kirchenchor Grattersdorf, bei dem uns 1998 eine Sängerin anwarb, mit ihr einen Frauen-Dreigesang ("Wintergrea Dreigsang") zu gründen. Da hatte die Geburtsstunde der Nickl-Deandln geschlagen, denn fortan waren wir zu zweit unterwegs zum Singen. Auf Nachfragen, wer wir den seien, wurde dies meist beantwortet mit: "des han de zwoa Nickl Deandln vo Winsing" und so nannten wir uns kurzerhand "Nickl-Deandln" nach unserem Geburtsnamen Nickl. Heuer feiern wir unser 20-jähriges Gesangsjubiläum mit verschiedenen Veranstaltungen; unser Jubiläumshoagartn z. B. findet am 20.10.2018 um 19:30 Uhr im Hirmonshof in Bischofsmais statt.

 

Gemeinsamer Auftritt mit Andreas Schmid

 

Wie ist es, mit der Schwester zu musizieren, aufzutreten?

Ingrid Hupf: Mit der Schwester zu singen ist ein unbezahlbares Glück. Es ist nicht zu toppen, wenn man sich so gut versteht, wie wir. Die Grenze zwischen Schwestern und Gesangsduo ist fließend: Auf der Bühne wird flüsternd schnell ein Geschwister-Treffen abgesprochen oder werden Neuigkeiten ausgetauscht; bei den Proben verhält man sich wie mit der besten Freundin und fragt vor der Wasserflasche sitzend recht ungeniert: "Host a koa Cola dahoam?!?" oder "Host du wos Siaß do?" Jede von uns ist berufstätig und zudem noch recht viel ehrenamtlich unterwegs. Wir haben gegenseitig Verständnis für eine eher untypische Probenuhrzeit, wie z. B. Samstag um 8 Uhr morgens oder werktags erst um 20 Uhr.

In der Öffentlichkeit bzw. bei Auftritten spürt man immer genau, was die andere denkt. Als könnte man es voraussagen, was sie als nächstes sagt oder was sie zu essen und trinken bestellt. Auch der Dirndlkauf gestaltet sich recht einfach, weil wir beide ähnliche Vorlieben haben. Wir sind wie zwei Freundinnen.

Irmi Nickl: Es ist schön. Gemeinsame Proben sind immer auch ein Treffen und ein Ratsch mit der Schwester. Ich denke, dass wir stimmlich gut zusammenpassen. Dies beruht sicherlich auch darauf, dass wir verwandt sind.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 


- sh

Nickl DeandlnBischofsmais

Quellenangaben

Fotos: Nickl Deandln



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