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05.04.2018
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Heimat-Verein: Vogelverein Grafenau

Woran merkt man, dass der Frühling endlich da ist? Natürlich werden die Tage länger, die Temperaturen steigen. Und schon frühmorgens singen, pfeifen und zwitschern die Vögel. Für viele die schönste Jahreszeit. Die Mitglieder des Vogelvereins Grafenau erfreuen sich das ganze Jahr über an ihren Vögeln, an ihrem Gesang. An der Vogelhaltung, der Zucht und dem Artenschutz, wie 2. Vorstand Michael Denk im Interview mit WAIDLER.COM zu berichten weiß.

 

Welche Vögel halten und züchten Ihre Mitglieder?

Wir halten im Verein eine sehr große Anzahl an verschiedenen Arten und Rassen. Bei der Vogelzucht bzw. bei Schauen wird in folgende Sparten unterteilt: Farb- und Schauwellensittiche; Großsittiche und Papageien; Exoten; Kanarienvögel; Waldvögel.

Diamantfink

Diamantfink

 

Wir im Verein sind eigentlich in allen Sparten vertreten. Bei uns werden Farbwellensittiche gezüchtet (normaler Wellensittich, den man auch in den Privathaushalten kennt). Ebenso züchten wir zahlreiche Großsittiche wie Grünwangenrotschwanzsittiche, Nymphensittiche, Princess of Wales, Schwalbensittich, Ziegensittich, Bourkesittich, Schönsittich, Farbsittich, Prachtrosella, Königsittich, Halsbandsittich, etc. Auch züchten wir eine Vielzahl Agaporniden/Zwergpapageien wie Rosenköpfchen, Pfirsichköpfchen, Grauköpfchen, Taranta/Bergpapageien. Zusätzlich haben wir auch Mitglieder, die Mohrenkopfpapageien, Graupapageien und Kakadus züchten. Auch bei den Exoten sind wir sehr zahlreich vertreten: Reisfinken, Spitzschwanzamadinen, Kubafinken, Papageiamadinen, Zeresamadinen, Jap. Mövchen, Weißkopfnonnen, Zebrafinken, Magelanzeisig, Gouldamadinen, Diamantfinken, Malabarfasänchen, roter Kardinal, Japanische Nachtigall, etc. Kanarienvögel haben wir in verschiedenen Farbkombinationen ebenso im Verein wie Waldvögel: Stieglitz, Dompfaffen, Fichtenkreuzschnabel, Birkenzeisig, Polarbirkenzeisig, Erlenzeisig, Grauedelsänger, Mönchsgrasmücke, etc.

Mohrenkopfpapagei 

Mohrenkopfpapagei

 

Was macht die einzelnen Rassen aus?

Jeder Vogel ist in seiner Art komplett anders und unterschiedlich. Man findet zwar immer wieder Gemeinsamkeiten in den einzelnen Sparten, aber im Grunde genommen ist jede Rasse für sich speziell und einzigartig. Jeder Vogel unterscheidet sich sehr stark, was die Zucht, die Fütterung, die Nähe zum Menschen, den Charakter betrifft. Große Unterschiede gibt es vor allem in der Zucht, es gibt viele Arten, die sehr schwer zu züchten sind, einige Arten wiederum sind leichter zu züchten. Was sich auch im Bestand und natürlich im Preis eines Vogels wiederspiegelt. Die großen Vögel, hauptsächlich Papageien und größere Sittiche, suchen bei entsprechender Haltung und Beschäftigung auch die Nähe zum Menschen und können auch einen sehr direkten Bezug zu ihm aufbauen. Vor allem auch den größeren Papageien kann man bei entsprechendem zeitlichen Aufwand Kunststücke und Sprechen lernen.

Reisfink 

Reisfink weiß

 

Was ist zu beachten bei der Vogelhaltung?

Die Vogelhaltung und die Zucht sind ein sehr ansprechendes und aufwändiges Hobby. Vor allem ist auf die artgerechte Haltung zu achten. Leben in entsprechend großen Volieren und Käfigen, keine Einzelhaltung. Natürlich begeistert es, wenn man dann Nachwuchs hat, eigene Vögel züchtet, sich mit anderen Züchtern austauscht.

 

Welche Vorgaben gibt es bei der Vogelzucht?

Fast alle Vögel, die wir halten, züchten wir auch. Jeder Züchter erhält über den Dachverband eine Züchternummer, die immer gleichbleibt. Am Jahresanfang werden dann die neuen Ringe für die jeweiligen Vögel bestellt. Jedes Jahr hat der Ring eine andere Farbe, damit man die Jahreszahl leichter zuordnen kann. Auf dem Ring sind dann die Ringgröße (jeder Vogel hat je nach Größe einen anderen Durchmesser), die Züchternummer sowie die laufende Ringnummer vermerkt. So kann man jederzeit nachverfolgen, woher der Vogel kommt bzw. von wem er gezüchtet wurde. Mit diesen Ringen werden dann die Jungvögel in einem bestimmten Alter entsprechend beringt. Sobald die Vögel zu alt/groß sind, ist eine Beringung nicht mehr möglich, die Ringgröße ist je nach Rasse/Art vorgeschrieben. Eine Vielzahl von Vögel sind zusätzlich meldepflichtig. Das heißt, diese müssen nach Beringung beim jeweiligen Landratsamt gemeldet werden. Bei Verkauf oder Tod müssen sie auch wieder entsprechend abgemeldet werden. Zu den meldepflichtigen Vögeln zählen unter anderem alle Waldvögel und die meisten Papageien. Dies variiert immer leicht von Landkreis zu Landkreis.

 Rosakakadu

Rosakakadu

 

Was lehrt man den Vögeln in der Dressur?

Vögel kann man je nach Art und Rasse auch entsprechend dressieren. Mit viel Zeitaufwand kann man Ihnen z. B. das Sprechen oder diverse Kunststücke beibringen und die Tiere entsprechend zutraulich machen. Dies funktioniert hauptsächlich bei den Papageienarten, aber auch Wellensittiche und z. B. Nymphensittiche sind sehr lernwillig. Bei Exoten oder Waldvögel ist dies nicht möglich bzw. sehr, sehr schwierig.

 

Welche Rolle spielt der Artenschutz?

Artenschutz spielt eine große Rolle. So werden z. B. die nachgezüchteten Vögel jedes Jahr an den Dachverband gemeldet. Dort macht man eine Nachzuchtstatistik, damit man etwas leichter verfolgen kann, wie der Bestand der einzelnen Rassen ist. Natürlich ist hier die Dunkelziffer recht groß, da es auch viele gibt, die ihre Vögel nicht melden bzw. auch viele Vogelbesitzer, die züchten und nicht beringen und auch gar keine Züchternummer haben. Ansonsten achten wir natürlich, wie bereits erwähnt, auf eine artgerechte Haltung, was Käfig- bzw. Volierengrößen, keine Einzelhaltungen, ausgewogenes, artgerechtes Futter betrifft.

Pfirsichköpfchen 

Pfirsichköpfchen

 

Woher beziehen die Mitglieder die Vögel?

Die Vögel werden von verschiedenen Seiten bezogen. Zum einem natürlich von Züchterkollegen. Durch Ausstellungen, Verkaufsmärkte und diverse andere Veranstaltungen lernt man natürlich viele andere Züchter, auch überregional kennen, wo man dann auch entsprechend Vögel bezieht. Auch besteht die Möglichkeit, über Internet, diverse Verkaufsbörsen sowie Vogelmärkte Tiere zu kaufen.

 

Was ist der Sinn und Zweck von Vogelschauen, Stadtmeisterschaften?

Der Sinn ist zum einen, dass der Verein, der z. B. eine Stadt- oder Vereinsmeisterschaft ausrichtet, die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam macht und über die Vogelzucht informiert. Umso schöner eine Vereinsschau gestaltet ist, umso höher sind die Besucherzahlen. Ebenfalls werden dann natürlich die „besten“ und „schönsten“ Vögel der einzelnen Züchter ausgestellt und man konkurriert in den einzelnen Sparten um Vereins-, Stadtmeister. Natürlich versucht man dann auch überregional auf Landesschauen (Bayer. Meisterschaft), Bundesschauen (Deutsche Meisterschaft), Europameisterschaften und Weltmeisterschaften auszustellen und Erfolge zu feiern. Dies erhöht das Ansehen eines Züchters enorm. Wir können im Verein z. B. auf einige Bayerische Meister stolz sein, sogar im Jugendbereich haben wir schon Landessieger gestellt. Unser nächstes Ziel ist es, auch Erfolge auf einer Deutschen Meisterschaft zu feiern.

Sieger Stadtmeisterschaften 2016 (von links): 1. Vorstand Anton Schopf, Jugendmeisterin Emilia Denk, Stadtmeister Helmut Stadler, 2. Vorstand Michael Denk

 

Nach welchen Kriterien werden Vögel prämiert?

Generell wird in den oben genannten Sparten unterschieden und prämiert. Kriterien sind unter anderem Größe, Farbe, rassetypische Merkmale wie Farbübergänge etc.. Gefieder spielt ebenso eine Rolle, wie natürlich auch die Gesundheit und Fitness oder das Alter eines Vogels. Es gibt hier speziell ausgebildete Schaurichter, die dann die Vögel in den einzelnen Sparten bewerten.

 

Welche Veranstaltungen stehen dieses Jahr an? Wie sind die Erfolgsaussichten?

In diesem Jahr werden wir vom 09.11. bis 11.11.18 die offene Bayerwald-Meisterschaft ausrichten. Die Bayerwald-Meisterschaft, welche abwechselnd von den Vereinen Deggendorf, Frauenau, Grafenau und Waldkirchen/Passau ausgerichtet wird, ist nach der Landesschau eine der größten Schauen. Wir planen in diesem Jahr mit rund 500 bis 700 Vögel, die ausgestellt werden. Teilnehmen werden wir noch zusätzlich an der Landesschau, die in diesem Jahr in Vilsbiburg stattfindet und an verschiedenen anderen Orts-Vereinsschauen, wo wir uns natürlich auch wieder gute Siegeschancen ausrechnen.

Spitzschwanzamadine

Spitzschwanzamadine im Ausstellungskäfig

 

Seit wann besteht der Vogelverein Grafenau?

Der Verein besteht seit 2002. Wir sind über den Dachverband AZ (Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht, AZ e. V.) gemeldet und auch entsprechend strukturiert. Ziel ist die Vogelzucht, sparten- und rasseübergreifend. Ebenso, junge Menschen für das Hobby Vogelzucht zu sensibilisieren und Interesse zu wecken. Wir gehören, was den Altersdurchschnitt betrifft, zu den jüngsten Vereinen in ganz Bayern, und auch deutschlandweit sind wir hier weit vorne vertreten. Der Trend geht bei den meisten Vogelvereinen leider in die andere Richtung, die Mitglieder und Vogelzüchter werden immer älter. Wir wollen in unserem Verein auch das Gemeinschaftliche pflegen und intensiv leben. Neben den monatlichen Vereinstreffen sind wir im Faschingszug mit Faschingswagen eine feste Größe in Grafenau, wir beteiligen uns an Vereins- oder Volksfestumzügen. Ebenso veranstalten wir jedes Jahr im August eine große Grillfeier für alle Mitglieder. Wir beteiligen uns immer in großer Menge bei Veranstaltungen anderer Nachbarvereine, wenn möglich wird ein Vereinsausflug organisiert. Auch sind wir bei regionalen und überregionalen Vogelschauen/Meisterschaften recht zahlreich und auch sehr erfolgreich vertreten. Ebenso darf natürlich die eigene Vereins-Vogelschau im Herbst nicht fehlen. Kurzum, es ist viel Leben bei uns im Verein.

 

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

Der Verein zählt aktuell 53 Mitglieder. Unser jüngstes Mitglied ist gerade mal knapp zwei Jahre, unser ältestes 82 Jahre alt.

 

Vielen Dank für das Gespräch.


- SH

Vogelverein GrafenauGrafenau

Quellenangaben

Fotos: Vogelverein Grafenau



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Michael Denk vor ca. 3 Monaten
Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen!