Familien stehen zunehmend unter Druck. Die Herausforderungen im Alltag wachsen stetig: steigende Lebenshaltungskosten, hoher Leistungsdruck und die Vereinbarkeit von Familie, Erziehung und Beruf sorgen bei vielen Eltern und Kindern für Stress.
Die Caritas-Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern in Passau bestätigt diesen Trend. Laut Jahresbericht 2025 ist die Zahl der betreuten Fälle auf 797 gestiegen, das sind 32 mehr als im Vorjahr. Auch die Nachfrage nach Erstgesprächen nahm deutlich zu, mit insgesamt 632 Neuaufnahmen.
Besonders betroffen sind Kinder im Alter zwischen 9 und 14 Jahren, die rund 40 Prozent der Klientinnen und Klienten ausmachen. Weitere 25 Prozent entfallen auf Kinder im Grundschulalter zwischen 6 und 8 Jahren. Damit liegt der Schwerpunkt der Beratung im frühen Jugendalter und in der Grundschule.
Der häufigste Anlass für eine Beratung sind familiäre Konflikte mit 428 Fällen. Dazu zählen unter anderem Streitigkeiten nach Trennungen, Probleme in Patchwork-Familien oder allgemeine Spannungen im Alltag. Hinzu kommen psychische Belastungen wie depressive Verstimmungen, Ängste, Zwänge oder selbstverletzendes Verhalten, die in 295 Fällen eine Rolle spielten.
Auch schulische Probleme treten vermehrt auf und wurden in 154 Fällen dokumentiert. In 55 Fällen ging es um mögliche Kindeswohlgefährdung. Weitere Themen sind Suchtprobleme, aggressives Verhalten sowie soziale Schwierigkeiten.
Ein zusätzlicher Belastungsfaktor sind globale Krisen. Kinder und Jugendliche setzen sich zunehmend mit Themen wie Kriegen, Klimawandel oder gesellschaftlichen Spannungen auseinander. Diese Entwicklungen verstärken die ohnehin vorhandenen familiären Herausforderungen.
Die Lebenssituationen der betreuten Familien sind vielfältig: 43 Prozent der Kinder und Jugendlichen leben bei einem alleinerziehenden Elternteil, während 41 Prozent in Familien mit beiden leiblichen Eltern aufwachsen. 28 Prozent der Familien haben einen Migrationshintergrund, und 18 Prozent sind auf staatliche Unterstützung angewiesen.
Um diesen komplexen Anforderungen gerecht zu werden, setzt die Caritas auf ein eng vernetztes Hilfesystem. Die Zusammenarbeit erfolgt unter anderem mit Jugendämtern, Schulen, medizinischen Einrichtungen sowie sozialen Organisationen in der Region.
Die meisten Ratsuchenden kommen aus dem Landkreis Passau mit 69 Prozent, gefolgt von 27 Prozent aus der Stadt Passau. Weitere vier Prozent stammen aus umliegenden Regionen.
Die Beratungsstelle besteht seit über 70 Jahren und ist ein wichtiger Bestandteil der psychosozialen Versorgung in der Region. Seit September 2025 wird sie von Stella Glück geleitet, unterstützt von der stellvertretenden Leiterin Barbara Matuschek.
