Die wirtschaftlichen Herausforderungen am Standort Deutschland standen im Mittelpunkt einer Sitzung des IHK-Gremiums Freyung-Grafenau bei der PARAT Technology Group in Neureichenau. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere hohe Arbeitskosten, zunehmende Bürokratie und ungelöste Energiefragen die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Unternehmen belasten.
Zum Thema Energieinfrastruktur gab Markus Leczycki, Leiter Kommunalmanagement bei der Bayernwerk Netz GmbH, einen umfassenden Einblick. Zwar schreitet der Ausbau erneuerbarer Energien und der Netze voran, etwa durch zahlreiche neue Anlagen und Investitionen in die Infrastruktur. Dennoch bleibt ein zentrales Problem bestehen: Der Ausbau von Einspeiseanlagen erfolgt deutlich schneller als der notwendige Netzausbau, der zudem von umfangreichen bürokratischen Anforderungen geprägt ist.

Das IHK-Gremium Freyung-Grafenau um Vorsitzenden Jürgen Greipl (5.v.l.) beschäftigte sich mit zentralen Fragen der Energieversorgung und bekam hierzu Input von Markus Leczycki (8.v.l.), Leiter Kommunalmanagement bei der Bayernwerk Netz GmbH.
Gleichzeitig steigt der Strombedarf kontinuierlich an, etwa durch energieintensive Anwendungen wie Rechenzentren. Die Folge: Netzkapazitäten werden künftig zunehmend knapper. Auch bei der Photovoltaik zeigt sich ein wachsendes Spannungsfeld. Überschüsse an sonnigen Tagen führen immer häufiger zu Abregelungen, dem sogenannten Redispatch. Dieser gesetzlich vorgeschriebene Mechanismus dient laut Leczycki der Sicherstellung eines stabilen Netzbetriebs.
Aus der Unternehmerschaft kam der Wunsch, selbst erzeugten Strom stärker nutzen zu können. Beim Thema Batteriegroßspeicher mahnte Leczycki jedoch eine differenzierte Betrachtung an. Viele geplante Projekte seien nicht netzdienlich und könnten zusätzlichen Ausbaubedarf verursachen. Notwendig seien gezielte Lösungen, die das Energiesystem unterstützen. Auch der Ausbau der Windenergie werde in der künftigen Netzplanung berücksichtigt. Zudem wächst der Druck auf die Energieinfrastruktur, etwa durch neue Bedrohungen wie Cyberangriffe auf Netzbetreiber.
IHK-Vizepräsident und Gremiumsvorsitzender Jürgen Greipl betonte die Dringlichkeit politischen Handelns. Der Netzausbau müsse beschleunigt und Bürokratie deutlich reduziert werden, um die Standortnachteile nicht weiter zu verschärfen. IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner verwies auf Ergebnisse der Konjunkturumfrage, wonach Investitionen zunehmend ins Ausland verlagert werden. Dies führe zu ausbleibendem Wachstum und einem Verlust an Wohlstand, insbesondere in industriestarken Regionen wie Niederbayern.
Im Vorfeld der Sitzung erhielten die Teilnehmer eine Führung über das Gelände der PARAT Technology Group. Geschäftsführer Martin Kremsreiter stellte das Unternehmen vor, das weltweit rund 800 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 350 in Neureichenau. PARAT entwickelt und produziert hochfunktionale Kunststoffverkleidungen und Strukturbauteile, insbesondere für die Branchen Landwirtschaft, Baumaschinen und Caravaning. Die aktuelle Entwicklung bezeichnete Kremsreiter als positiv, die Märkte würden sich langsam erholen. Gleichzeitig investiert das Unternehmen am Standort in einen eigenen Photovoltaikpark.

IHK für Niederbayern in Passau