Humane Papillomviren sind weit verbreitet und können verschiedene Krebsarten auslösen. Trotzdem wird über HPV noch immer zu selten gesprochen, gerade im ländlichen Raum. Anlässlich des Welt HPV Tags macht Birgit Weinert aus Hohenau auf die Bedeutung von Aufklärung, Vorsorge und Impfung aufmerksam. Als HPV Botschafterin der Bayerischen Krebsgesellschaft setzt sie sich dafür ein, Hemmschwellen abzubauen und Prävention auch in der Region stärker sichtbar zu machen.
Weinert beobachtet deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. „Mir ist aufgefallen, dass es in größeren Städten deutlich mehr Präventionsangebote gibt – Informationsveranstaltungen, Impftage oder gezielte Aufklärungskampagnen. Dort ist das Thema sichtbarer und wird aktiver in die Öffentlichkeit getragen. Im ländlichen Raum, auch bei uns im Bayerischen Wald, fehlen solche Formate bislang weitgehend.“ Aus ihrer Sicht reicht es nicht, Prävention vor allem über Schulen zu organisieren. „Ich habe selbst versucht, zusätzliche Informationsangebote bei den zuständigen Stellen im Landkreis anzustoßen. Dabei wurde mir signalisiert, dass man sich derzeit vor allem auf die schulische Aufklärung im Rahmen des Unterrichts beschränkt. Das ist ein wichtiger Baustein – aber aus meiner Sicht nicht ausreichend.“ Ihr Appell ist klar: „Gesundheitsaufklärung sollte breiter gedacht werden und auch Erwachsene erreichen. Prävention darf kein reines Großstadtthema sein. Gerade in einer Region wie unserer sollten Information, Vorsorge und Impfangebote genauso selbstverständlich sein wie anderswo.“
Zu ihrem Engagement kam sie über ihre eigene Geschichte. „Die Bayerische Krebsgesellschaft ist auf mich aufmerksam geworden, nachdem meine persönliche Geschichte in der Presse erschienen war. Sie haben mich gefragt, ob ich bereit wäre, meine Erfahrungen öffentlich zu teilen – um Betroffenen Mut zu machen und zur Aufklärung beizutragen.“ Seither arbeitet sie in verschiedenen Formaten an der Öffentlichkeit. „Seitdem engagiere ich mich vor allem in der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit: mit Vorträgen vor Ort, Online-Webinaren und Aufklärungsformaten in den sozialen Medien. Ein Schwerpunkt ist es, mit verbreiteten HPV-Mythen aufzuräumen und sachliche Informationen verständlich zugänglich zu machen. Gerade über Social Media erreichen wir Menschen, die sich vielleicht sonst nicht aktiv mit dem Thema beschäftigen würden.“ Dass ihre Stimme auch überregional Gehör findet, zeigt die Resonanz. „Über die Bayerische Krebsgesellschaft sind auch größere Medienbeiträge entstanden, etwa Interviews im FOCUS oder bei Sat.1. Ich verstehe meine Rolle als Stimme aus persönlicher Erfahrung – mit dem Ziel, Wissen zu vermitteln und Hemmschwellen abzubauen.“

Birgit Weinert aus Hohenau engagiert sich als HPV Botschafterin für mehr Aufklärung und Prävention in der Region.
Im Zentrum steht dabei immer wieder die Enttabuisierung. Weinert beschreibt offen, wie schwer ihr der Schritt in die Öffentlichkeit fiel und warum sie ihn dennoch gegangen ist. „Zunächst war ich unsicher, ob ich meine persönliche HPV-Geschichte öffentlich teilen sollte. Dieser Schritt ist nicht selbstverständlich. Umso berührender war der positive Zuspruch, den ich von vielen Frauen erhalten habe, die sich in ähnlichen Situationen befanden. Durch intensive Information und eigene Recherche konnte ich aus meiner anfänglichen Zurückhaltung einen sachlichen Blick auf das Thema entwickeln. Genau diese Erfahrung hat mich bestärkt, weiterhin offen darüber zu sprechen und aktiv zur Aufklärung beizutragen.“ Für Betroffene verbindet sie Klarheit mit Ermutigung. „Mir ist wichtig zu sagen: HPV ist kein Thema, für das man sich schämen muss. Es handelt sich um eine sehr weit verbreitete Virusinfektion, mit der die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens in Kontakt kommen. Scham oder Schweigen helfen hier nicht weiter – Wissen dagegen schon.“ Ihr Ziel ist es, Ängste durch Information zu ersetzen und die vorhandenen Möglichkeiten konsequent zu nutzen. „Je besser man informiert ist, desto weniger Raum bleibt für diffuse Ängste. Gleichzeitig bietet die moderne Medizin mit Früherkennung und Impfung wirksame Möglichkeiten der Prävention. Niemand sollte aus Unsicherheit oder falscher Zurückhaltung auf Vorsorge verzichten. Und niemand sollte glauben, mit seinen Fragen oder Sorgen allein zu sein.“
Warum Information so wichtig ist, begründet Weinert auch medizinisch. Viele Infektionen bleiben unbemerkt. „Zunächst einmal: HPV ist sehr weit verbreitet. Die meisten Menschen kommen im Laufe ihres Lebens mit dem Virus in Kontakt – oft, ohne es überhaupt zu merken. In vielen Fällen heilt eine Infektion von selbst wieder aus, weil das Immunsystem sie erfolgreich bekämpft.“ Zugleich gebe es verschiedene Typen mit unterschiedlichen Risiken. „Wichtig ist aber zu wissen, dass es unterschiedliche HPV-Typen gibt. Einige verursachen harmlose Veränderungen wie Warzen, andere gehören zu den sogenannten Hochrisikotypen, die langfristig Krebs auslösen können – etwa Gebärmutterhalskrebs, aber auch andere Krebsarten.“ Gerade weil Betroffene häufig keine Symptome haben, seien Vorsorge und Prävention entscheidend. „Eine HPV-Infektion verläuft meist symptomlos. Gerade deshalb ist Aufklärung so wichtig. Denn nur wer informiert ist, kann Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und Impfangebote bewusst nutzen. HPV ist kein Randthema – sondern ein relevanter Bestandteil moderner Krebsprävention.“
Auch beim Thema Krebsfolgen betont Weinert die Breite der Risiken und den häufigen Irrtum, HPV nur Frauen zuzuordnen. „HPV kann verschiedene Krebsarten auslösen. Am bekanntesten ist der Gebärmutterhalskrebs, der in nahezu allen Fällen auf eine Infektion mit Hochrisiko-HPV-Typen zurückzuführen ist. Darüber hinaus können Humane Papillomviren aber auch Krebs im Bereich des Anus, des Mund- und Rachenraums sowie des Penis verursachen.“ Deshalb sei es wichtig, den Blick zu weiten. „Wichtig ist, dass dieses Risiko bekannter wird, weil HPV oft fälschlicherweise als „reines Frauenthema“ wahrgenommen wird. Das ist es nicht. Das Virus betrifft beide Geschlechter, und die möglichen Folgen gehen über eine einzelne Krebsart hinaus.“ Gleichzeitig gehe es nicht darum, Angst zu verbreiten, sondern Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. „Gleichzeitig bedeutet das Wissen um diese Zusammenhänge nicht, Angst zu schüren. Im Gegenteil: Gerade weil wir heute wissen, welche Rolle HPV bei bestimmten Krebsarten spielt, können wir gezielt vorsorgen – durch regelmäßige Untersuchungen und durch die Impfung. Wissen schafft hier die Grundlage für wirksame Prävention.“
Warum HPV dennoch oft unterschätzt wird, erklärt sie mit gesellschaftlichen Barrieren und der stillen Natur der Infektion. „HPV ist eine sexuell übertragbare Virusinfektion – und allein dieser Umstand führt oft dazu, dass das Thema mit Scham oder Zurückhaltung belegt ist. Über Krebs spricht man mittlerweile offener, über mögliche Ursachen oder Ansteckungswege dagegen deutlich weniger. Diese Hemmschwelle trägt dazu bei, dass HPV im öffentlichen Bewusstsein unterschätzt wird.“ Hinzu kommt die Symptomfreiheit. „Hinzu kommt, dass eine Infektion meist symptomlos verläuft. Was man nicht spürt, wird schnell verdrängt oder als nicht relevant eingestuft. Dadurch fehlt vielen Menschen ein konkretes Problembewusstsein.“ Im ländlichen Raum komme eine zusätzliche Zurückhaltung dazu. „Gerade in ländlichen Regionen erlebe ich zudem eine größere Zurückhaltung, wenn es um intime Gesundheitsthemen geht. Man spricht nicht selbstverständlich darüber – weder im privaten Umfeld noch öffentlich. Diese Mischung aus Unsichtbarkeit und Zurückhaltung trägt dazu bei, dass HPV häufig im Hintergrund bleibt.“
Ein zentraler Baustein der Prävention ist aus ihrer Sicht die regelmäßige Früherkennung. „Regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen spielen eine zentrale Rolle in der Früherkennung von Zellveränderungen am Gebärmutterhals. Genau hier setzt der Pap-Test an. Dabei werden Zellproben entnommen und mikroskopisch untersucht, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen – oft lange bevor Beschwerden entstehen.“ Weinert spricht dabei auch aus eigener Erfahrung. „Ich spreche hier auch aus persönlicher Erfahrung. In meinem Fall wurde durch die Vorsorgeuntersuchungen zweimal die höchste Krebsvorstufe festgestellt. Ohne die regelmäßigen Pap-Tests wären diese Veränderungen vermutlich deutlich später entdeckt worden. So konnten sie rechtzeitig operativ behandelt werden. Auch heute befinde ich mich weiterhin in einem engmaschigen Kontrollprogramm.“ Wichtig sei zudem, Befunde richtig einzuordnen. „Wichtig ist: Nicht jede auffällige Veränderung bedeutet automatisch Krebs. Häufig handelt es sich um Vorstufen, die gut behandelbar sind oder sich sogar wieder zurückbilden können. Gerade deshalb ist die regelmäßige Kontrolle so bedeutsam – sie ermöglicht ein rechtzeitiges Eingreifen, bevor sich eine ernsthafte Erkrankung entwickelt.“
Frauen, die Termine aus Angst oder Zeitmangel verschieben, begegnet sie mit Verständnis, aber auch mit Klarheit. „Ich kann gut nachvollziehen, dass Vorsorgetermine manchmal hinausgeschoben werden. Der Alltag ist voll, und das Thema Gesundheit wird gerne verdrängt, solange man keine Beschwerden hat. Bei manchen spielt auch Unsicherheit oder Angst eine Rolle.“ Ihre persönliche Erfahrung habe ihr gezeigt, wie schnell sich die Perspektive ändern kann. „Auch ich hätte früher nicht gedacht, dass ausgerechnet bei mir einmal die höchste Krebsvorstufe festgestellt werden würde. Gerade weil man sich gesund fühlt, erscheint Vorsorge oft nicht dringend. Rückblickend weiß ich jedoch, wie entscheidend es war, die Termine regelmäßig wahrzunehmen.“ Der Nutzen sei oft schon die Sicherheit. „Vorsorge bedeutet nicht, dass man automatisch eine schlechte Nachricht bekommt. Sie bedeutet in erster Linie Klarheit. Und Klarheit schafft Ruhe. Ein Termin dauert oft nur wenige Minuten – seine Bedeutung kann jedoch weit darüber hinausgehen.“
Neben der Früherkennung sieht Weinert in der Impfung einen entscheidenden Fortschritt. „Die HPV-Impfung ist ein zentraler Bestandteil der modernen Krebsprävention. Sie schützt vor den HPV-Typen, die am häufigsten für bestimmte Krebsarten verantwortlich sind – insbesondere vor Gebärmutterhalskrebs, aber auch vor weiteren HPV-bedingten Erkrankungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren.“ Der Zeitpunkt sei medizinisch sinnvoll gewählt. „Der empfohlene Zeitpunkt ist medizinisch begründet: Die Impfung sollte idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen, also bevor es überhaupt zu einer möglichen Ansteckung kommen kann. In diesem Alter reagiert das Immunsystem besonders gut, sodass ein langfristiger Schutz aufgebaut werden kann.“ Dass es heute diese Möglichkeit gibt, bewertet sie auch vor dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte. „Als ich im Jahr 2001 mit 22 Jahren erstmals mit der Diagnose konfrontiert wurde, stand diese präventive Möglichkeit noch nicht zur Verfügung. Heute gibt es diese Option – und das verändert den Umgang mit HPV grundlegend.“
Ein weiterer Punkt ist die Verantwortung beider Geschlechter. „Lange Zeit wurde HPV fast ausschließlich mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht. Dadurch entstand der Eindruck, es handle sich vor allem um ein Frauenthema. Inzwischen weiß man jedoch, dass Humane Papillomviren auch andere Krebsarten verursachen können – unter anderem im Mund- und Rachenraum, am Anus oder am Penis. Diese betreffen Männer ebenso wie Frauen.“ In Gesprächen erlebe sie häufig Überraschung. „In Gesprächen merke ich häufig, dass viele Männer überrascht sind, wenn sie erfahren, dass auch sie betroffen sein können. Eine HPV-Infektion verläuft bei Männern wie bei Frauen meist symptomlos. Gerade deshalb wird das Thema oft unterschätzt. Das Virus kann unbemerkt weitergegeben werden, ohne dass jemand weiß, dass er Träger ist.“ Dazu komme, dass Männer strukturell weniger Anlässe für Prävention hätten. „Hinzu kommt, dass es für Männer kein vergleichbares regelmäßiges Vorsorgeprogramm gibt wie für Frauen in der gynäkologischen Betreuung. Dadurch fehlt häufig ein strukturierter Anlass, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Umso mehr zeigt sich, dass HPV kein geschlechtsspezifisches, sondern ein gemeinsames Gesundheitsthema ist.“
Wer sich informieren möchte, sollte auf seriöse Quellen achten. „Wichtig ist zunächst, sich auf verlässliche Quellen zu stützen. Seriöse Informationen bieten beispielsweise die Bayerische Krebsgesellschaft oder das Robert Koch-Institut, die wissenschaftlich fundierte und gut verständliche Materialien zum Thema HPV bereitstellen. Auch die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission geben eine klare Orientierung.“ Ärztinnen und Ärzte bleiben zentrale Ansprechpartner. „Darüber hinaus sind natürlich die behandelnden Ärztinnen und Ärzte zentrale Ansprechpartner. Für Frauen ist die gynäkologische Praxis die erste Anlaufstelle, für Männer können Hausärzte, Urologen oder HNO-Ärzte wichtige Ansprechpartner sein – je nach Fragestellung. Wenn es um die Impfung geht, spielen insbesondere Kinder- und Jugendärzte eine wichtige Rolle.“ Aus ihrer Erfahrung heraus arbeitet sie zudem an einem weiteren Projekt. „Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wie wichtig verständliche und gut eingeordnete Information ist. Deshalb arbeite ich derzeit an einem Buchprojekt, das sich mit Prävention, Vorsorge und Gesundheitskommunikation rund um das Thema HPV beschäftigt. Ziel ist es, medizinisches Wissen zugänglich zu machen und Orientierung zu geben.“
Zum Welt HPV Tag richtet Birgit Weinert eine Botschaft an die Menschen im Bayerischen Wald, die sowohl persönlich als auch grundsätzlich gemeint ist. „Meine zentrale Botschaft ist, dass wir die Möglichkeiten, die wir heute haben, bewusst nutzen sollten. HPV ist kein Randthema, sondern Teil moderner Krebsprävention. Vorsorgeuntersuchungen, Impfangebote und – wenn nötig – eine engmaschige Nachsorge sind keine Belastung, sondern Ausdruck von Verantwortung gegenüber der eigenen Gesundheit.“ Ihre Geschichte sei dafür ein Beispiel. „Meine persönliche Geschichte zeigt mir immer wieder, wie entscheidend Prävention sein kann. Zweimal wurde bei mir die höchste Krebsvorstufe rechtzeitig erkannt – nicht, weil ich Beschwerden hatte, sondern weil ich zur Vorsorge gegangen bin. Heute gibt es zusätzlich die Impfung, die einen wirksamen Schutz bieten kann. Dieses Wissen und diese Möglichkeiten sollten wir ernst nehmen.“ Und sie verbindet das mit einem Wunsch an die Region. „Gerade hier in unserer Region wünsche ich mir, dass das Thema HPV sachlich, offen und kontinuierlich behandelt wird – nicht nur punktuell, sondern als selbstverständlicher Bestandteil von Gesundheitsinformation. Aufklärung sollte zugänglich sein und Menschen erreichen, bevor Unsicherheit oder Fehlinformationen entstehen. Prävention lebt davon, dass Wissen weitergegeben wird.“
