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19.01.2023
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Ortsnamen und ihre Geschichte | Teil 7

Die Institution Kirche als Namensgeber

Kirchen und Kapellen sind aus dem Bild des Bayerischen Waldes nicht wegzudenken. Ein jeder Ort hat ein Gotteshaus, egal ob als eindrucksvolle Pfarrkirche oder als schlichte Kapelle. Ein sichtbares Zeichen für den Einfluss und die Macht, die die Kirche vor allem in den vergangenen Jahrhunderten ausübte. Kein Wunder, gab der Glaube den Bayerwäldlern in ihrem harten Alltag doch Hoffnung und Unterstützung, aber auch Vorschriften und Routine. Sehr viele Orte entstanden aufgrund des Einflusses verschiedener Bistümer, Klöster o.ä., die beispielsweise Regionen urbar machen oder Kirchen bauen ließen, um welche dann Siedlungen entstanden. Demnach nicht verwunderlich, dass es hierzulande eine ganze Reihe an Orten gibt, die ihren Namen der Katholischen Kirche zu verdanken haben.

Oft findet man die Kirche als solche in Ortsnamen. So wie in Wald-kirchen, Kirchl, Kirchleitn oder Kirch-dorf i.W., welches um die Filialkirche der Pfarrkirche in Kirch-berg i.W. entstand. Neben der Gemeinde Kirch-berg i.W. gibt es auch einige Orte oder Ortsteile mit dem gleichen oder sehr ähnlichen Namen wie Kirch-berg bei Perlesreuth, bei Schönberg oder Kirchen-berg bei Spiegelau.

Nicht so eindeutig, aber ebenfalls durch die Institution Kirche entstanden, sind die Ortsnamen, die „zell“ beinhalten. Neben Gottes-zell gibt es Innern-zell und Außern-zell. Das Grundwort lässt sich vom Lateinischen „cella“ ableiten, welches mit „Vorratskammer, Zelle und Speicher“ übersetzt werden kann. Zelle wurden demnach klösterliche Wirtschaftshöfe oder auch nur eine kleine Ansiedlung im klösterlichen Wirtschaftsraum genannt. In beiden Fällen, Innern- und Außern-zell, hießen die Orte ursprünglich nur „Cell“ bzw. „Cella“, ersterer zugehörig zum Kloster Osterhofen, letzterer zum Kloster Niederaltaich. Durch die Existenz des jeweiligen anderen, gleichnamigen Ortes wurde Anfang des 15. Jhd. das Präfix Innern- bzw. Außern- vorangestellt, welches sich vermutlich auf den Wald bezog. Also das Zell im und außerhalb vom Wald.

 

Auf dieser Karte sind einige der hier beschriebenen Orte zu sehen.Auf dieser Karte sind einige der hier beschriebenen Orte zu sehen.

 

Aber nicht nur Gotteshäuser können Grund für die Benennung einer Ortschaft sein, sondern auch die Namen von Heiligen, denen Klöster und Kirchen geweiht sind. Ein Beispiel hierfür ist das Dorf Sankt Oswald. Entstanden ist dieser Ort 1389 durch den Bau einer Kirche an einer Heilquelle, wo anschließend 1396 ein Kloster gegründet wurde. Kirche und Kloster wurden beide dem Heiligen Oswald, einem angelsächsischen König und Märtyrer, geweiht. Das Kloster erlebte seine Blüte unter den Benediktinern aus Niederaltteich im 16.-18. Jahrhundert und galt als ein geistiger Mittelpunkt des mittleren Bayerischen Waldes, bis es 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde. Die Anlage brannte 1876 ab. Die Pfarrkirche wurde wieder aufgebaut, das Kloster nicht.

 

Eine Zeichnung, die das Kloster im 18. Jhd. zeigt.Eine Zeichnung, die das Kloster im 18. Jhd. zeigt.

 

Auch in Zusammenhang mit einem Kloster steht der Ort Rinchnach. Der Ortsname hat zwar nichts mit der Kirche o.ä. zu tun, sondern leitet sich von dem Personalnamen Rimicho und dem altdeutschen Wort „aha“, Wasserlauf, ab. Interessant ist jedoch der Name, den der Ort im Volksmund hat, da kennt jeder den Ort unter „Klousta“. Der Ort entstand mit der Gründung des Klosters von dem bekannten Benediktinermönch Gunther im Jahre 1011 als eine der ersten Siedlungen des mittleren Bayerischen Waldes.


- TL


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