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17.07.2022 09:00 Uhr
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Handwerkskammer und IHK fordern Politik zum schnellen Handeln auf

Gemeinsame Präsidiumssitzung: Energie-Krise und Personalmangel sind die drängendsten Probleme der niederbayerischen Wirtschaft 

 

Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz sowie die Industrie- und Handelskammer Niederbayern verbindet mehr Gemeinsames als Trennendes. Das wurde bei einer zusammen durchgeführten Präsidiumssitzung in den Räumlichkeiten der IHK in Passau deutlich. Dabei einen die beiden Kammern nicht nur die gleichen Ziele – an der obersten Stelle stehen die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Niederbayern sowie der Beruflichen Bildung – sondern auch die gleichen Herausforderungen.

 

So werden sowohl bei den Betrieben der Handwerkskammer als auch der IHK die Energie-Sorgen immer größer. „Die Energiekrise mit explodierenden Preisen treffen die gesamte niederbayerische Wirtschaft mit voller Härte. Dazu kommt eine riesige Unsicherheit, weil aktuell nicht abschätzbar ist, wie sich die Krise weiterentwickelt. Aktuell ist unser Land jedenfalls nicht für den Winter gerüstet, das muss man ganz klar sagen“, so IHK-Präsident Thomas Leebmann. Die Betriebe müssen sich deshalb wohl oder übel auf eine Gasmangellage vorbereiten. Er fordert deshalb deutlich mehr Tempo von der Politik und ein Ende der ideologischen Grabenkämpfe, damit das „Horrorszenario kein Gas und damit stillstehende Betriebe“ im Winter keine Wirklichkeit wird. Die Politik müsse jetzt alles daran setzen, die Energieversorgung zu stabilisieren und das Energieangebot zu erhöhen. Dazu brauche es pragmatische Kompromisse, aber auch Notfallmaßnahmen sowie ein breit angelegtes Energiesparprogramm. Bayern dürfe dabei bundesweit nicht ins Hintertreffen geraten, gerade auch mit Blick auf die Füllstände der Gasspeicher. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie, die Stärkung der für Bayern wichtigen Wasserkraft sowie der Netzausbau als unabdingbare Grundvoraussetzung müssen rasch vorangebracht werden. Die Verlängerung der Laufzeiten der noch aktiven Kernkraftwerke müsse jetzt auf den Tisch. „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, sonst laufen wir sehenden Auges in eine beispiellose Energiekrise“, sagte Thomas Leebmann übereinstimmend für beide Kammern.

 

Die Präsidien von Handwerkskammer und IHK forderten bei einer gemeinsamen Sitzung die Politik zum schnellen Handeln auf: (v.l.) Alexander Stahl (HWK-Geschäftsführer), Christian Läpple (HWK), Alexander Schreiner (IHK-Hauptgeschäftsführer), Dr. Georg Haber (HWK-Präsident), Richard Hettmann (HWK), Thomas Leebmann (IHK-Präsident), Peter Glas (IHK), Kathrin Zellner (HWK), Claus Girnghuber (IHK), Elisabeth Hintermann (IHK), Thomas Graupe (stv. Hauptgeschäftsführer IHK), Toni Fink (IHK), Jürgen Kilger (HWK-Hauptgeschäftsführer).

 

Ein weiteres großes Problem, das die Betriebe von HWK und IHK eint, ist der Personalmangel, der sich in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen wird. Dabei sind bei den Unternehmen in erster Linie beruflich Qualifizierte gesucht, weniger dagegen Personen mit akademischem Hintergrund. „Wir brauchen in unserem Land deshalb eine Stärkung der Beruflichen Bildung, ansonsten droht uns ein massiver Wohlstandsverlust“, sagte Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Er brachte bei der Präsidiumssitzung deshalb eine gesetzlich verankerte, verpflichtende Berufsorientierung an allen Schulen – inklusive der Gymnasien – ins Spiel und bekam dafür den Zuspruch der Präsidiumsmitglieder. „Die Jugendlichen müssen das Gesamtpaket der Berufswelt kennen. Nur so können sie die richtige Berufs- oder Studienentscheidungen treffen. Man muss ihnen auch erklären, dass nach einer Ausbildung alle Wege in Sachen Weiterqualifizierung offenstehen und dass man hervorragende Verdienstmöglichkeiten hat, wenn man sich für den Beruflichen Bildungsweg entscheidet“, erklärte Dr. Haber. Gemeinsam mit Gesellschaft und Politik müssen deshalb dringend die richtigen Weichenstellungen für mehr Ausbildung geschaffen und hier deutlich mehr investiert werden. Die Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung sei dabei eine Selbstverständlichkeit, so die beiden Kammer-Präsidenten.

 

Nicht nur bei den derzeit drängenden Themen Energiekrise und Personalmangel zeigte sich also, dass HWK und IHK am gleichen Strang ziehen. In der Runde war man sich deshalb rasch einig, dass man die ohnehin schon enge Zusammenarbeit – die sich beispielsweise bei der gemeinsamen Durchführung der Ausbildungstage Passau, der Neuauflage der Strukturdaten für Niederbayern und dem gemeinsamen Wirtschaftsempfang zeigt – weiter vertiefen möchte.


- JS


IHK für Niederbayern in PassauPassau

Quellenangaben

Industrie- und Handelskammer für Niederbayern in Passau
Foto: IHK

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